Der neue Kitzbühel-Trainer hat einen sehr guten Draht nach Frankfurt

Teil vier der Unterhaus-Serie: Noch muss Kitzbühel-Coach Bernhard Hanser auf das erste Treffen mit seiner Truppe warten. Der beste Freund von Adi Hütter hat aber viel vor.

Mit wallendem Haupthaar als Mittelfeld-Stratege beim GAK: Kitzbühels Neo-Coach Hanser vor 30 Jahren.
© gepa

Von Tobias Waidhofer

Matrei i. O., Kitzbühel – Irgendwie ist die Corona-Krise auch geprägt vom Warten. Dem Warten auf Normalität, dem Warten auf die Rückkehr ins Büro oder jenem auf das Treffen mit Freunden. Da geht es Fußball-Trainern nicht anders. Und so muss auch Bernhard Hanser warten. „Ich wollte eigentlich genau diese Phase nutzen, um die Mannschaft kennen zu lernen. Das ist in der aktuellen Situation leider hinfällig“, erzählt der Fußball-Trainer, der beim FC Kitzbühel die Cheftrainer-Nachfolge von Michael Baur antreten wird.

Der 55-Jährige mag zwar in der Nordtiroler Szene ein eher unbeschriebenes Blatt (Zweitliga-Spiele für den FC Kufstein) sein, hat aber bereits österreichweit seine Spuren hinterlassen – über Rapid Lienz und den FC Kufstein landete der Mittelfeldspieler in seiner aktiven Zeit in der Steiermark beim GAK, wo er zehn Jahre als
unumstrittener Stammspieler agierte – und seinen immer noch besten Freund kennen lernte: den nunmeh-
rigen Frankfurt-Coach Adi Hütter. „Der Adi war mein Zimmerkollege in der GAK-Zeit“ erzählt Hanser. Die beiden eint aber nicht nur ihre Freundschaft, sondern auch die Fußball-Philosophie: „Ich will Aggressivität, Pressing und Leben im Spiel haben“, stellt Hanser klar.

Worte, die auch von Adi Hütter stammen könnten. Und das ist kein Zufall. Schließlich hatten beide auch den gleichen Lehrmeister: Ex-GAK-Trainer Milan Mklavic. „Er hat das Pressing aus Italien mitgebracht und war allen anderen in Österreich fünf, sechs Jahre voraus“, schwärmt Hanser vom Slowenen, der den Grazer Traditionsclub 1993 übernommen hatte.

Hanser selbst begann seine Trainerkarriere in der Ost­tiroler Heimat. Zuletzt führte er den FC Zell am See in der inzwischen abgebrochenen Salzburg-Liga auf Rang drei. Mit dem FC Kitzbühel wolle er sich in der Regionalliga ebenfalls „nach oben orientieren“. Allerdings müsse er sich erst einen genauen Überblick über die Mannschaft und die Liga schaffen, einige Aktuere wird Hanser wohl auch aus dem nicht fernen Zell mitnehmen. Aber der frühere Mittelfeld-Kämpfer hat ja zwei absolute Regionalliga-Experten auf seiner Seite – der sportliche Leiter Thomas Hartl wird ebenso als Co-Trainer auf der Bank sitzen wie das ehemalige Kufstein-Aushängeschild Mathias Treichl – mehr geballtes Unterhaus-Fachwissen geht kaum.

Pendeln ist für Osttiroler kein Problem

Hanser freut sich jedenfalls schon, wenn er mehrmals die Woche von seinem Heimatort Matrei (Osttirol) über den Felbertrauernpass nach Kitzbühel pendeln darf. Die Fahrzeit (eine knappe Dreiviertelstunde) sei kein Problem. Im Gegenteil: „Ich sitze gern im Auto.“ Noch lieber würde Hanser aber natürlich am Trainingsplatz stehen. „Es ist eine Katastrophe, wenn du etwas anderes gewohnt bist.“ Das gilt auch beruflich, wo Hanser seit 25 Jahren in der Versicherungsszene tätig ist: „Es geht auch von zuhause. Aber der Kundenkontakt fehlt mir. Da bin ich oldschool.“

Aktuell helfe nur eines: „Viel Sport machen, um den Kopf freizubekommen.“ Und um bald fit wie ein Turnschuh dort zu stehen, wo sich Hanse­r am wohlsten fühlt: am grünen Rasen.


Kommentieren


Schlagworte