"Nicht glauben, dass wir sicher sind": WHO warnt, weltweit weiterhin Anstieg

Mittlerweile haben sich mehr als 2,6 Millionen Menschen mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert. Dabei handelt es sich nur um die Zahl der bestätigten Fälle. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein. Eine Studie aus Frankreich zeigt jedoch, dass auch in dem stark betroffenen Paris Herdenimmunität noch weit entfernt ist.

Menschen in der Pariser Metro.
© MARTIN BUREAU

Brüssel – Ein Ende der SARS-CoV-2-Pandemie ist nicht in Sicht: Weltweit steigen die Zahlen weiter. Laut Johns Hopkins Universität (JHU) sind mittlerweile mehr als 2,6 Millionen Infektionen bestätigt. Knapp 185.000 Menschen sind an oder mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Und auch wenn es positive Trends wie in mehreren westeuropäischen Staaten gibt, warnt die WHO.

Wir befinden uns weiter in sehr turbulenten Gewässern und werden das noch für einige Zeit sein.
WHO-Regionaldirektor Hans Kluge

"Jedes Zeichen, dass das Virus kontrolliert, gehandhabt und verringert wird, ist ein gutes Zeichen", sagte Kluge. Selbstgefälligkeit könne in dieser Zeit aber zum größten Feind werden.

Hälfte der nachgewiesenen Infektionen weltweit in Europa

Knapp die Hälfte aller Infektionsfälle weltweit seien in Europa nachgewiesen worden, und von den zehn Ländern, die in den vergangenen 24 Stunden die meisten Neuinfektionen verzeichnet hätten, befänden sich sechs in der europäischen Region. "Wir dürfen uns nicht erlauben, zu glauben, dass wir sicher sind", sagte Kluge.

Ein Blick auf die Zahlen einzelner Länder dokumentiert, dass für Entwarnung kein Anlass vorliegt. So kamen in Spanien mittlerweile mehr als 22.000 Menschen durch die Corona-Pandemie ums Leben. In den vergangenen 24 Stunden seien 440 Corona-Tote gezählt worden, teilte das Gesundheitsministerium in Madrid am Donnerstag mit. Damit stieg die landesweite Zahl der Todesopfer auf 22.157. Nur in den USA und in Italien gibt es noch mehr Corona-Tote.

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Todeszahlen in Spanien steigen wieder an

Zudem stieg die Tageszahl der Corona-Toten in Spanien zum dritten Mal in Folge. Am Montag hatte sie mit 399 Todesfällen den niedrigste Stand seit vier Wochen erreicht, am Dienstag waren es dann 430 und am Mittwoch 435. Dennoch sind das nicht einmal halb so viele Opfer wie zum Höhepunkt der Corona-Krise in Spanien: Am 2. April waren 950 Menschen binnen eines Tages an oder mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus stieg am Donnerstag um 4.600 auf landesweit 213.000 Fälle.

In Deutschland gab das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Donnerstag mit 148.046 an – ein Plus von 2.352 seit dem Vortag. Das RKI registrierte bisher 5.094 Todesfälle. Die Zahl der Genesenen betrug mehr als 103.000. Unterdessen erklärte Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen seine Stadt als vermutlich erste Großstadt in Deutschland für Corona-frei.

Russland meldete den dritten Tag in Folge eine Abschwächung bei den Neuinfektionen. Die Zahl der Coronavirus-Ansteckungen stieg innerhalb von 24 Stunden um 4.774 auf 62.773, wie die Behörden mitteilten. Am Mittwoch seien es noch 5.236 Neuinfektionen gewesen. Die Zahl der Todesfälle kletterte um 42 auf 555.

Nur zehn neue Fälle in China, frisches Geld Für WHO

China bestätigte zehn neue Coronavirus-Fälle, tags zuvor waren 30 gemeldet worden. Die Nationale Gesundheitskommission teilte mit, sechs der neuen Covid-19-Fälle würden von eingereisten Bürgern stammen, gegenüber 23 einen Tag zuvor. Die Gesamtzahl der bestätigten Coronavirus-Fälle für das chinesische Festland liegt demnach nach offiziellen Angaben bei 82.798. Es wurden keine neuen Todesfälle gemeldet, so dass die Zahl unverändert bei 4.632 liegt.

China gab auch bekannt, der Weltgesundheitsorganisation WHO zusätzlich 30 Millionen Dollar (27,61 Mio. Euro) zur Verfügung stellen zu wollen. Das Geld solle für den Kampf gegen Covid-19 eingesetzt werden, twittert eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums.

Noch lange keine Herdenimmunität in Frankreich

In Frankreich brachte unterdessen eine Studie Ernüchterung in Sachen Herdenimmunität gegen SARS-Cov-2: Forscher des Pariser Pasteur-Instituts untersuchten 661 Lehrer, Schüler eines Gymnasiums in Crepy-en-Valois im Departement Oise und deren Familien. Demnach haben nur 26 Prozent Antikörper entwickelt. Dies reicht den Forschern zufolge bei Weitem nicht aus, um eine Lockerung der Anti-Corona-Maßnahmen zuzulassen, hieß es in der auf der Website MedRxiv veröffentlichten Studie.

Großbritannien will es unterdessen genau wissen und die Verbreitung des Coronavirus in der Bevölkerung in einer groß angelegten Studie erfassen. Innerhalb eines Jahres sollen bis zu 300.000 Menschen untersucht werden, wie die Regierung in London am Donnerstag mitteilte. Zwischenergebnisse sollen demnach bereits Anfang Mai vorliegen. Auf deren Grundlage solle dann auch über Lockerungen der strengen Corona-Maßnahmen entschieden werden.

In einer ersten Phase der Studie soll den Regierungsangaben zufolge eine Gruppe von 25.000 Menschen, die repräsentativ für die britische Gesamtbevölkerung ist, regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden. Eine weitere Gruppe Erwachsener aus rund tausend Haushalten soll zudem regelmäßig Antikörper-Tests unterzogen werden. (APA)


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