Schulen: SPÖ und NEOS begrüßen "späten" Stufenplan, FPÖ sieht "Murks"
SPÖ und NEOS begrüßen die stufenweise Wiederöffnung der Schulen, die FPÖ ortet "Murks". Die Grünen finden die Pläne "gut durchdacht".
Wien – Grundsätzlich positiv nahmen am Freitag Vertreter der SPÖ und der NEOS die von Bildungsminister Heinz Faßman (ÖVP) präsentierten Pläne zur schrittweisen Rückkehr zum Unterricht an Schulen auf - auch wenn diese reichlich spät kämen. Ganz anders die FPÖ, die von "hanebüchenem Murks Marke 'Faßmann'" sprach. Für die Grünen ist der Plan des Koalitionspartners hingegen "gut durchdacht".
Die SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner begrüßte den Etappenplan. Dieser komme zwar "spät" und war "mehr als überfällig", sei "aber grundsätzlich ein wichtiger Schritt", heißt es in einer Aussendung. Die einheitlichen Schutzmaßnahmen im Schulbereich müssten "so rasch wie möglich umgesetzt werden". Um "die Gefahr einer zweiten Welle" zu minimieren, "sind eine breite Teststrategie und einheitliche Regeln für ganz Österreich entscheidend". Der Bund sei gefordert, die Länder bei der Maskenbeschaffung zu unterstützen, so Rendi-Wagner.
NEOS vorsichtig positiv, FPÖ ortet Planlosigkeit
"Vorsichtig positiv" fällt auch die erste Einschätzung von NEOS-Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre aus: "Der Stufenplan, den wir NEOS schon lange fordern, bringt Erleichterung und Perspektive für Kinder, Eltern und Lehrkräfte." Neben den Schulen bräuchten aber die Lehre und die Erwachsenenbildung sowie nicht zuletzt die Kindergärten "konkrete Pläne und Sicherheit". Die Regierung dürfe bei der Elementarpädagogik "nicht wegschauen", so Künsberg Sarre.
Für FPÖ-Unterrichtssprecher Hermann Brückl kamen Faßmanns Ansagen "zu spät, zu planlos und vor allem ohne Weitblick" daher. So sei der Minister etwa bei der Frage, wie die Kinder und Jugendlichen an den "Hausübungstagen" betreut werden, "sehr vage" geblieben. Faßmann habe hier "zum großen Teil die Betreuungspflicht wieder auf die Eltern abgeschoben". Es handle sich bei den Ankündigungen um "lediglich praxisferne, chaosartige Regelungen". "Das ganze Gebilde ist nicht zu Ende gedacht und ist ein hanebüchener Murks Marke 'Faßmann' - nicht mehr, nicht weniger", so Brückl.
Diametral anders die Grüne Bildungssprecherin, Sibylle Hamann, die den "in enger Absprache mit dem Koalitionspartner" ausgearbeiteten Plan als "gut durchdacht, klar, übersichtlich, verantwortungsvoll und behutsam" bezeichnete. Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike nannte die Pläne in einer Aussendung der VP-nahen Schülerunion "wichtig und vernünftig". Es gelte nun, "der Schülerschaft einen sanften Start in den Schulalltag zu gewährleisten".
Mit dem angekündigten Schichtbetrieb "haben wir die Chance, die Bildungsschere nicht weiter aufgehen zu lassen", sagte Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV). Die abgeschwächten Regelungen zur Leistungsbeurteilung würden den "Druck für alle Beteiligten eher herausnehmen". Beim Blick auf die verteilten Kompetenzen im Bereich der Elementarpädagogik erlebe man laut dem IV-Chef leider "gerade die nachteiligen Seiten des Föderalismus".
Unterdessen monierte die Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH), dass Faßmann bei der heutigen Pressekonferenz nicht auf die Hochschulpolitik und die ÖH-Forderung nach einer Rückerstattung der Studiengebühren eingegangen war. "Das Schweigen und Aufschieben der wichtigsten Entscheidung zur Entlastung von Studierenden in dieser Krise ist reine Verhöhnung", so die ÖH-Vorsitzende Adrijana Novakovic. (APA)
📽 Video | Bildungsexperte Manfred Prenzel über die österreichischen Pläne