Jemenkrise spitzt sich zu: Separatisten brachten Aden unter Kontrolle

Im Jemen ist der Machtkampf zwischen Separatisten und der international anerkannten Regierung wieder offen aufgeflammt. Der Südliche Übergangsrat (STC) teilte am Sonntag mit, dass der Süden des Landes seit Mitternacht unter Selbstverwaltung stehe.

Zur Beilegung des Machtkampfs schlossen beide Seiten im November in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad ein Abkommen, das vorsieht, dass der STC und andere südjemenitische Regionen einem neuen nationalen Kabinett beitreten und alle Streitkräfte der international anerkannten Regierung unterstellen.
© AFP/Al-Obeidi

Sanaa – Im Jemen spitzt sich die Krise zwischen der Regierung und den Separatisten im Süden des Landes wieder zu. Die Separatisten des so genannten Südlichen Übergangsrats (STC) brachen mit einem zuvor ausgehandelten Friedensabkommen und brachten die Hafenstadt Aden vollständig unter ihre Kontrolle.

Der STC rief am späten Samstagabend den Notstand aus und erklärte, die strategisch wichtige Stadt ab sofort selbst zu verwalten. Die Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi, die dort ihren Sitz hat, warnte vor "katastrophalen Folgen".

Die Separatisten und die Hadi-Regierung kämpfen im Land eigentlich gemeinsam gegen die schiitischen Houthi-Rebellen. Diese hatten den Jemen 2014 überrannt. Trotz des gemeinsamen Feindes war ihr Bündnis stets wacklig. Schon im Sommer wurden Rufe der Separatisten nach einer erneuten Abspaltung vom Norden wieder lauter - der Nord- und Südjemen hatten sich erst 1990 zu einem Staat zusammengeschlossen. Die Hadi-Regierung hat in Aden eigentlich vorübergehend ihren Sitz, seit die Houthis sie aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben.

STC-Chef Aidarous al-Zoubeidi.
© SALEH AL-OBEIDI

Showdown in Aden?

Schon vergangenen August wurde der interne Konflikt deutlich, als STC-Einheiten Aden einnahmen und die Regierung von dort vertrieben. Experten warnten seinerzeit vor einem "Bürgerkrieg im Bürgerkrieg". Im November einigten sich beide Seiten nach monatelangen Kämpfen zwar auf einen Friedensplan. Danach sollte die Regierung unter anderem zurück nach Aden ziehen und die Separatisten in die regulären Streitkräfte eingegliedert werden.

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Beide Seiten warfen sich nun vor, Details des in Riad geschlossenen Abkommens nicht oder nicht zügig genug umgesetzt zu haben. Der STC werde verantwortlich sein für die "gefährlichen und katastrophalen Folgen" der nun angekündigten Selbstverwaltung von Aden, schrieb der jemenitische Außenminister Mohammed al-Hadrami bei Twitter.

Die Unabhängigkeitsbewegung Übergangsrat des Südens (STC) warf der international anerkannten Regierung am Sonntag vor, ihren Verpflichtungen nicht nachzukommen und sich gegen die Interessen des Südens zu "verschwören". Seit Mitternacht stehe die Region daher unter einer Autonomieregierung.
© AFP/Abdelhakim

Mehrere Provinzen sprachen sich gegen den aus ihrer Sicht "unverantwortlichen" Schritt des STC aus. Es handle sich um einen Rechtsbruch und einen Verstoß gegen das Abkommen von Riad, teilten etwa die Verwaltungen der Provinz Hadramut mit, die von der Regierung kontrolliert wird. Gleichzeitig versammelten sich mit dem STC verbündete Einheiten in Aden, wie Augenzeugen berichteten.

Auch weiteres Bündnis brüchig

Der Konflikt zeigt auch Brüche im Bündnis aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die 2015 gemeinsam Angriffe gegen die Houthis begannen. Beide Staaten verfolgen unterschiedliche Ziele im Jemen: Saudi-Arabien unterstützt die Hadi-Regierung und will die vom Iran unterstützten Houthis im Nord zurückdrängen, die von dort mit Raketen und Drohnen immer wieder in Saudi-Arabien angreifen. Die Emirate wollen dagegen den Hafen von Aden und den dortigen Handelsweg kontrollieren. Sie unterstützen die Separatisten im Süden.

Die Separatisten kämpfen seit Jahrzehnten für einen unabhängigen Staat.
© AFP/Al-Obeidi

In Aden kam es am Samstag laut Augenzeugen zu Protesten wegen schlechter öffentlicher Dienste. Berichten zufolge zogen Hunderte auf die Straße, nachdem die Stromversorgung mehrere Tage unterbrochen worden war. Hintergrund sind schwere Überschwemmungen nach starkem Regen, bei denen in Aden mindestens zehn Menschen ums Leben kamen. (APA/dpa)


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