Gut zu wissen: Was es mit dem "Tag der Arbeit" auf sich hat

Vor 130 Jahren wurden die ersten Maikundgebungen in Österreich begangen. Wie es dazu gekommen ist, wie sich dieser Feiertag entwickelt hat und was der Maibaum damit zu tun hat, erfahren Sie hier.

Auf 36.000 Teilnehmer wurde Maifeier 1996 am Wiener Rathausplatz von der Polizei geschätzt.
© HERBERT PFARRHOFER

Innsbruck – 1. Mai, Tag der Arbeit, Staatsfeiertag – Die meisten haben an diesem Tag frei. Doch warum eigentlich? Warum feiern wir den 1. Mai und warum stellen wir Maibäume auf? Die wichtigsten Hintergründe zum 1. Mai finden Sie hier:

❓ Wofür steht der Erste Mai?

Der Erste Mai wird auch Tag der Arbeit, Tag der Arbeiterbewegung oder Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse. Die Maifeiern mit Bräuchen wie etwa dem Maibaumstehlen haben einen anderen Ursprung.

❓ Wo kommt der "Tag der Arbeit" ursprünglich her?

In den USA und Australien taten sich Mitte des 19. Jahrhunderts Arbeiter zusammen, um für Rechte wie den Acht-Stunden-Tag zu kämpfen. Am 1. Mai 1886 gingen in den Vereinigten Staaten schließlich hunderttausende Arbeiter dafür auf die Straße.

Moving Day

Der Monatsanfang im Mai war für die Arbeiter ein traditionell wichtiges Datum. Der 1. war nämlich ein Stichtag für Änderungen von Arbeitsverträgen und für Arbeitsplatzwechsel. Man hoffte, dass sich die Forderungen in den neuen Verträgen niederschlagen würden.

Der Streik Anfang Mai zog sich über mehrere Tage und endete letztendlich blutig. Bei einer Kundgebung in Chicago erschoss die Polizei einen Streikposten. Um gegen dieses brutale Vorgehen zu protestieren, versammelten sich einen Tag später – am 4. Mai – hunderte Arbeiter auf dem Haymarket Square. Gegen Ende der Demo forderte die Polizei, dass auch die verbliebenen Demonstranten gehen. Daraufhin warf eine unbekannte Person eine Bombe, die Polizei antwortete mit Schüssen. Zwischen elf und 15 Personen kamen ums Leben. Heute spricht man vom Haymarket Riot oder auch Haymarket Massaker.

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❓ Wie kamen die Demonstrationen und Kundgebungen nach Europa?

Arbeiterorganisationen verschiedener Länder trafen sich im Sommer des Jahres 1889 in Paris um die "Zweite Internationale" zu gründen. Die Delegierten entschieden sich, am 1. Mai dem Haymarket Massaker zu gedenken und Kundgebungen zu begehen.

❓ Wann wurde der erste Mai in Österreich zum ersten Mal gefeiert?

In Österreich bzw. der Donaumonarchie versammelten sich erstmals 1890 Arbeiter zu Massenkundgebungen am 1. Mai. Nicht nur in Wien, auch in anderen Städten der Monarchie, wie Prag, Linz oder Brünn, kamen Menschen zu Maikundgebungen zusammen.

"Was bleibt uns heute, da uns nur mehr Stunden trennen von dem großen, bedeutungsvollen Tage, zu sagen übrig? Alles ist genau erwogen und überlegt worden, nichts vergessen. Der erste Maitag, er wird – wir sind dessen gewiß – imposant verlaufen und überall den mächtigsten Eindruck hinterlassen. Er wird auch ruhig verlaufen", schrieb die Arbeiter-Zeitung "Am Vorabend des 1. Mai" – so der Titel der Ausgabe des 30. April 1890.

❓ Wogegen oder wofür protestierten die Arbeiter?

Eine zentrale Forderung war die Verkürzung der Arbeitszeit von bis zu 13 Stunden auf acht Stunden. Sie kämpften auch für die Einführung des allgemeinen Wahlrechts. Auf der Liste der sozialpolitischen Forderungen standen auch verschiedenste Versorgungen wie etwa die eine Pensions- und Invaliditätsvorsorge oder eine Witwen- und Waisenversorgung.

Auf einen Blick

1856 Australische Arbeiter streikten für die Einführung des 8-Stunden-Tages.

1886 Arbeiter gingen in den USA für den 8-Stunden-Tag auf die Straßen. In Chicago kam es zum Haymarket Massaker.

1889 Am internationalen Arbeiterkongress in Paris entschied man sich, dem Haymarket Massaker zu gedenken und am 1. Mai Kundgebungen zu veranstalten.

1890 In ganz Europa fanden am 1. Mai Kundgebungen statt.

1933 Engelbert Dollfuß untersagt die Maifeiern der Sozialdemokraten. Der 1. Mai soll zum "Tag der Verfassung werden".

1938 Mit dem "Anschluss" an Hitler-Deutschland wird auch in Österreich der "Tag der nationalen Arbeit" gefeiert.

1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg, während der Besatzungszeit hatte Österreich keinen Staatsfeiertag. Der 1. Mai wurde von der Arbeiterschaft wohl trotzdem gefeiert.

1949 Im August wurde der 1. Mai von der Bundesregierung bestehend aus ÖVP und SPÖ wieder zum Staatsfeiertag erklärt.

1955 Die katholische Kirche reagierte auf den Feiertag indem Papst Pius XII. das Fest des heiligen Josefs des Arbeiters einführte.

❓ Wann wurde der 1. Mai zum Feiertag?

Die Nationalversammlung – das Parlament der ersten Republik – erhob den 1. Mai am 25. April 1919 zum "allgemeinen Ruhe- und Festtag".

1933 verbot die Regierung unter Engelbert Dollfuß die Maifeiern. Außerdem versuchte man im austrofaschistischen Ständestaat – auch Kanzlerdiktatur genannt – den 1. Mai zum "Tag der Verfassung" zu machen. Teil davon waren Festgottesdienste, Militärparaden und Umzüge der Stände vor den Machthabern.

Im "Roten Wien" wird der erste Mai immer ganz besonders gefeiert.
© APA/Roland Schlager

❓ Gab es den Feiertag auch während des Nationalsozialismus?

In Deutschland wurde der 1. Mai ab 1933 unter den Nazis zum gesetzlichen Feiertag. Unter dem NS-Regime, worunter Österreich mit 1938 auch fiel, wurde am 1. Mai der "Tag der nationalen Arbeit" gefeiert.

❓ Wo wird der erste Mai gefeiert?

In vielen europäischen Ländern von Finnland über Frankreich und Spanien bis Kroatien und Griechenland wird der Erste Mai als Tag oder Fest der Arbeit gefeiert. Auch in einigen Nordafrikanischen Ländern wie etwa Ägypten, Algerien oder Marokko ist der erste Mai ein Feiertag - ebenso in Südamerika. Auch asiatische Länder wie China, Japan oder Indien begehen den Ersten Mai als Tag der Arbeit.

In den USA und in Kanada wird am ersten Montag im September der Arbeiterbewegung gedacht. Der Labour Day entspricht damit dem Ersten Mai bei uns. Im Vereinigten Königreich und in Irland ist der Labor Day zwar auch am 1. Mai, er ist hier aber kein gesetzlicher Feiertag. In Australien und Neuseeland gibt es auch einen Labour Day – der auch gesetzlich festgelegt ist - allerdings zu anderen Terminen.

Die Wiener SPÖ und ihre Anhänger marschieren traditionell am Rathausplatz auf, wie hier am 1. Mai 2006.
© APA/Herbert Pfarrhofer

❓ Ist der 1. Mai auch ein kirchlicher Feiertag?

Ja, auch die Kirche hat sich dem angeschlossen. 1955 führte Papst Pius XII. das Fest für "Josef den Arbeiter", Josef von Nazareth ein. Gedacht wird dem Heiligen Josef als Zimmermann. Er ist nicht nur der Schutzpatron Tirols sondern laut katholisch.de auch "der Ehepaare und der Familien, der Kinder und Jugendlichen, der Erzieher, der Zimmerleute, Holzfäller, Tischler, Handwerker, Arbeiter, Ingenieure, zudem Schutzheiliger in Wohnungsnot, in Versuchungen und verzweifelten Lagen sowie für einen friedlichen Tod."

❓ Haben Maibaum und Arbeiterbewegung miteiander zu tun?

Dass manche am 1. Mai Bäume hinaufkraxeln hat nichts mit dem Gedenktag der Arbeiterbewegung zu tun. Eine glatte Maistange, auf die auch heute noch viele hinaufklettern, gab es schon Anfang des 16. Jahrhunderts. Im Zuge des 30-Jährigen Krieges (1618-1648) kamen termingebundene Maibaumbräuche auf. Geschmückte Maibäume, wie wir sie heute kennen, sind um die Mitte des 18. Jahrhunderts nachweisbar.

Nach dem Nationalsozialismus dauerte es einige Zeit, bis der Brauch wiederbelebt wurde – in den 60ern starb er sogar völlig aus. Erst Mitte der 1970er Jahre kam es wieder zu regelmäßigen Maifeiern mit einem Maibaum. (TT.com/tkl)


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