Kriminalstatistik: 2019 leichte Steigerung der Anzeigen in Tirol

In Österreich hat es 2019 mehr Anzeigen gegeben als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote ist im letzten Jahr in Tirol auf den historischen Höchststand von 59 Prozent gestiegen.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Lang (v.l.).
© HELMUT FOHRINGER

Wien – 488.912 Straftaten sind im Jahr 2019 in Österreich angezeigt worden. Das ist ein Plus von 3,4 Prozent zum Jahr davor, aber der zweitbeste Wert der vergangen zehn Jahre. Die Aufklärungsquote blieb mit 52,5 Prozent stabil, wie am Freitagvormittag bei einer Pressekonferenz des Bundeskriminalamts (BK) in Wien erläutert wurde. Starke Anzeigezuwächse gab es bei Internet- und Wirtschaftskriminalität.

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In Tirol ist 2019 die Zahl der Anzeigen laut Aussendung der Landespolizeidirektion im Vergleich zum Jahr vorher um 1,7 Prozent auf 40.836 gemeldete Delikte angestiegen (2018: 40.139). Im Bundesländervergleich hat Tirol damit den geringsten Anstieg der Gesamtkriminalität zu verzeichnen.

Im Zehnjahresvergleich ist ein Rückgang zu erkennen. 2010 wurden 44.158 Straftaten angezeigt. Das bedeutet einen Rückgang von 7,5 Prozent.
© Landespolizeidirektion Tirol

Aufklärungsquote in Tirol bei 59 Prozent

Die Aufklärungsquote ist 2019 in Tirol auf den historischen Höchststand von 59 Prozent gestiegen. Bereits das siebte Jahr in Folge konnte somit mehr als jeder zweite Fall geklärt werden.

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"Es ist sehr erfreulich, dass sich der positive Trend der erfolgreichen Polizeiarbeit weiter fortsetzt. Trotz einer leichten Zunahme bei der Zahl der Anzeigen konnte die Aufklärungsquote in Tirol im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gesteigert werden", meinte Landespolizeidirektor Edelbert Kohler zu den Zahlen.

28.724 tatverdächtige Personen wurden 2019 in Tirol ausgeforscht und angezeigt, so viele wie noch nie zuvor. In den vergangenen zehn Jahren wurden 12,6 Prozent mehr Tatverdächtige ermittelt (2010: 25.512). Verändert hat sich der Anteil der "fremden" Tatverdächtigen. Waren es 2010 noch 10.617 "Fremde", so wurden 2019 12.372 verzeichnet, ein Anstieg von 16,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr allerdings ist der Anteil der "fremden" Tatverdächtigen von 44,2 Prozent auf aktuell 43,1 Prozent rückläufig. Knapp ein Drittel davon sind Erwerbstätige (3839) gefolgt von Touristen (2983) und Asylwerbern (1429). Die häufigsten Herkunftsländer der in Tirol angezeigten "Fremden" im Jahr 2019 sind Deutschland mit 2949, Rumänien mit 802, die Türkei mit 758, Italien mit 632 und Afghanistan mit 461 Personen.

Internetkriminalität österreichweit um 45 Prozent angestiegen

Die gemeldeten Cybercrime-Fälle stiegen österreichweit im Jahresvergleich von 19.627 auf 28.439 Straftaten. Das ist ein Plus von 45 Prozent und die mit Abstand höchste Anzeigenzahl der vergangenen zehn Jahre. Die Aufklärungsquote sank bei Internetdelikten leicht auf knapp 36 Prozent. Die Wirtschaftskriminalität stieg um 25 Prozent auf 71.112 Anzeigen. Damit setzte sich bei beiden Deliktgruppen der negative Trend deutlich fort.

Die Internetkriminalität ist 2019 auch in Tirol gestiegen: Wurden 2010 noch 25 Delikte registriert, so wurden 2019 bereits 307 Straftaten, die unter Cybercrime im engeren Sinne fallen, zur Anzeige gebracht. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das eine Zunahme von 26,3 Prozent (2018: 243 Delikte).

Auch Cybercrime im weiteren Sinne nahm in Tirol weiter zu: 2010 wurden 452 Delikte angezeigt. Zehn Jahre später wurden bereits 2192 Straftaten registriert, ein Zuwachs von 385 Prozent. Verglichen zum Vorjahr ergibt sich eine Erhöhung von 34,4 Prozent (2018: 1.631). 2019 wurden im Bereich des Internetbetrugs 1284 Delikte angezeigt. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das eine Steigerung von 33,1 Prozent (2018: 965 Delikte).

Plus bei Gewaltkriminalität

Auch bei der Gewaltkriminalität gab es ein Plus (5,3 Prozent) auf 73.079 angezeigte Fälle. Das ist die zweithöchste Zahl in den vergangenen zehn Jahren, die Aufklärungsquote stieg dabei leicht auf 85 Prozent. Morde wurden im Vorjahr 65 verzeichnet, das waren um fünf mehr als im Jahr 2018. In den Jahren 2014 und 2015 hatte es jeweils weniger als 40 Tötungsdelikte gegeben. Zwei Morde aus dem Vorjahr sind noch ungeklärt.

Auch in Tirol war 2019 eine leichte Steigerung der Gewaltkriminalität zu verzeichnen: Es wurden 6361 Delikte angezeigt, was ein Plus von 3,1 Prozent zum Vorjahr bedeutet (2018: 6167). Im Zehnjahresvergleich ist eine Zunahme von 12,1 Prozent zu erkennen (2010: 5677). 5577 Delikte konnten geklärt werden, was einer Aufklärungsquote von 87,7 Prozent entspricht (eine Steigerung von 0,8 Prozentpunkten im Vergleich zu 2018). Bei 56,4 Prozent der begangenen Taten gab es eine Beziehung zwischen Täter und Opfer (4136 Täter-Opfer-Beziehungen).

78 Anzeigen wegen Vergewaltigung wurden 2019 in Tirol erstattet, eine Zunahme von 5,4 Prozent (2018: 74). Von den 78 Straftaten konnten 67 geklärt werden, was einer Aufklärungsquote von 85,9 Prozent entspricht.

Eine Steigerung konnte in Tirol auch im Bereich der Raubkriminalität dokumentiert werden: Waren es 2018 noch 63 Anzeigen, wurden 2019 84 Straftaten angezeigt. Die Anzeigen wegen „Einfachen Raubes“ (klassisches Wegnehmen mit Gewalt oder Gewaltandrohung) belaufen sich2019 auf 58 Fälle, was um 16 Delikte mehr als im Jahr 2018 waren. Im Bereich des „Schweren Raubes“ (in der Regel unter Verwendung einer Waffe) wurden um 5 Fälle mehr zur Anzeige gebracht. Insgesamt konnten 54 Delikte geklärt werden, was einer Aufklärungsquote von 64,3 Prozent entspricht (ein Plus von 10,3 Prozentpunkten im Vergleich zu 2018).

Rückgang bei Wohnungseinbrüchen

Wohnraumeinbrüche gingen österreichweit auf 835 angezeigte Fälle zurück, ein neuer Tiefstwert der vergangen Jahre und knapp zehn Prozent weniger als 2018. Auch die Kfz-Diebstähle sanken kontinuierlich weiter auf 2194 Anzeigen. Vor zehn Jahren waren es noch rund doppelt so viele gewesen.

In Tirol wurden 2019 12.175 Anzeigen wegen Eigentumsdelikten erstattet, das waren um 5,4 Prozent weniger als im Jahr davor. Davon konnten 3317 geklärt werden, was einer Aufklärungsquote von 27,2 Prozent entspricht.

Insgesamt wurden im Jahr 2019 in Tirol mit 9795 Diebstählen um 320 Delikte weniger als im Jahr zuvor angezeigt (2018: 10.115). Bei den Einbruchsdiebstählen ist im Jahr 2019 in Tirol mit 2218 Fällen gegenüber dem Jahr 2018 ein Rückgang von 15 Prozent zu verzeichnen.

2019 wurden der Polizei in Tirol 277 Anzeigen wegen Einbruchs in einen Wohnraum (Wohnhaus oder Wohnung) gemeldet (2018: 327). Das entspricht einer Abnahme von 15,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und stellt den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre dar. Darüber hinaus konnte die Aufklärungsquote auf 25,6 Prozent (um 3,9%-Punkte) gesteigert werden.

Zunahme bei Suchtmittel- und Wirtschaftsdelikten in Tirol

Illegale Suchtmittel finden ihren Weg entweder aus dem oberitalienischen Raum, aber auch fallweise aus Nordeuropa oder aus Wien nach Tirol. Geschmuggelt wird nicht nur mit dem Auto, sondern auch per Zug. Der Kampf gegen die Suchtmittelkriminalität wird zudem durch den illegalen Handel im Internet, wie im Darknet und dem dadurch verbundenen Postversand erschwert. 2019 wurden 4231 Delikte nach dem Suchtmittelgesetz zur Anzeige gebracht, ein Plus von 11,9 Prozent (2018: 3.782).

Die Wirtschaftskriminalität in Tirol ist 2019 von 4399 Anzeigen auf 4960 Delikte gestiegen, was einem Plus von 12,8 Prozent entspricht. Die „echten Wirtschaftsdelikte“ sind von 180 angezeigten Straftaten 2018 auf 251 gestiegen. (Anmerkung: Zu den „echten Wirtschaftsdelikten“ zählen Untreue, Geschenkannahme durch Machthaber, Förderungsmissbrauch, Vorenthalten von Dienstnehmerbeiträgen zur Sozialversicherung, Geldwucher, Sachwucher, Betrügerische Krida, Schädigung fremder Gläubiger, Begünstigung eines Gläubigers, Grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, Umtriebe während einer Geschäftsaufsicht oder im Insolvenzverfahren, Vollstreckungsvereitelung, Vollstreckungsvereitelung zugunsten eines anderen, Unvertretbare Darstellung wesentlicher Informationen über bestimmte Verbände).

Der Großteil der Fälle im Rahmen der Wirtschaftskriminalität in Tirol entfiel auf Betrugsdelikte mit 3268 angezeigten Straftaten (2018: 2863). Stark gestiegen ist hier der Bereich Internetbetrug 2019: 1284 Delikte im Vergleich zum Vorjahr mit 965 Delikten – ein Plus von 33,1 Prozent.

In Tirol kam es im vergangenen Jahr in 217 Fällen zu Sicherstellungen von Vermögenswerten, welche Täter aus ihren Straftaten erlangten (2018: 173). Diese entsprechen in Summe einem Gegenwert von rund 1,25 Mio. Euro.

Statistik für die Landeshauptstadt Innsbruck

Die Gesamtanzahl der angezeigten Delikte ging in Innsbruck gegenüber 2018 um 0,1 Prozent auf 12.810 Delikte zurück.

© LPD Tirol

Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Aufklärungsquote 60,9 Prozent gesteigert werden. Damit weist Innsbruck nach Bregenz die zweithöchste Aufklärungsquote unter den Landeshauptstädten Österreichs auf. Die Zahl der Körperverletzungen nach sank 2019 gegenüber 2018 von 253 auf 1222. Nötigungen stiegen von 124 leicht auf 135 Delikte. Auch die gefährlichen Drohungen stiegen um 15 Delikte. Die Zahl der Raubdelikte stieg um neun Delikte. Bewaffnete Raubdelikte reduzierten sich um vier Straftaten. Insgesamt sanken strafbare Handlungen gegen Leib und Leben um 4,3 Prozent.

2019 wurden in Innsbruck 7221 Vermögensdelikte angezeigt, was eine leichte Steigerung zum Vorjahr um 1,6 Prozent bedeutet. Gleichzeitig konnte jedoch die Aufklärungsrate hier um 5,5 Prozent gesteigert werden.

Die Einbruchsdiebstähle in Innsbruck sanken von 1097 gegenüber 2018 auf 973 Delikte. Erfreulich ist der anhaltend rückläufige Trend in Wohnungen von 87 auf 68 Fälle. Gesunken sind auch die Einbruchsdiebstähle in Firmen/Geschäfte, konkret von 180 auf 139 Fälle. Leider ist ein Anstieg bei Einbrüchen in Wohnhäuser auf 30 Delikte zu verzeichnen. Die Zahl der leichten und schweren Sachbeschädigungen stieg von 1212 auf 1431 Fälle.

Aufklärungsquoten in Innsbruck in den vergangenen zehn Jahren.
© Landespolizeidirektion Tirol

Anstieg bei Sexualstraftaten in Innsbruck

Die strafbaren Handlungen gegen die sexuelle Integrität sind von 164 auf 194 Delikte gestiegen. Die Aufklärungsquote konnte bei den Sexualdelikten von 69,5 auf 89,7 Prozent gesteigert werden.

Die Gesamtzahl der Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz blieb laut Aussendung der Polizei bei gleichbleibendem Ressourceneinsatz annähernd gleich. Demnach waren im öffentlichen Raum weniger Dealer festzustellen. Drogenhandel habe sich teilweise in den Cyberraum verlagert. Auf einen reduzierten Handel oder Suchtmittelkonsum könne jedoch nicht geschlossen werden.

Jugendkriminalität als Problem

Laut Aussendung der Polizei war 2019 die Jugendkriminalität in Innsbruck ein massives Problem. Konkret gemeint sind damit Jugendliche aus verschiedenen Stadtteilen, die sich trafen und in unterschiedlichen Zusammensetzungen Straftaten (hauptsächlich gegen fremdes Vermögen) sowie Gewalt- und Raubdelikte begingen.

Im Zuge umfangreicher Ermittlungen konnte ein "überschaubarer Personenkreis identifiziert und überführt werden". Im Kriminalreferat des Stadtpolizeikommandos Innsbruck wurde eine eigene Ermittlungsgruppe zur besseren Bekämpfung der Jugendkriminalität installiert.

In der Altersklasse von 14- bis unter 18-jährigen Straftätern ist in Tirol eine Steigerung von 16,9 Prozent zum Vorjahr feststellbar. Die Aufklärungsquote konnte im Vergleichszeitraum um 27,7 Prozent gesteigert werden. Die konkreten Daten für Innsbruck liegen zwar nicht vor, jedoch ist aufgrund des festzustellenden Trends anzunehmen, dass die Veränderung der Jugendkriminalität in Innsbruck einerseits maßgeblich für die Steigerung der Fallzahlen aber andererseits die gesetzten Maßnahmen auch für die Anhebung der Aufklärung verantwortlich ist. (APA, TT.com)


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