Gut zu wissen: Was der Mai alles neu auf den Streamingplattformen macht

Die Kinos haben noch zu, aber auf den Bildschirm daheim ist Verlass: Ein Überblick über frühlingshaftes Filmvergnügen und Streaming-Neuheiten im Wonnemonat Mai.

Die Auswahl wird immer größer: Was es im Mai neu zu sehen gibt, haben wir im Überblick.
© iStock

Innsbruck – Die Coronabeschränkungen für das öffentliche Leben fallen sukzessive, und so ist für die meisten der Genuss des Frühlingswetters langsam wieder möglich. Wer sich doch lieber von der sicheren Couch aus oder nach überstandenem Ausflug der blühenden Jahreszeit widmen möchte, für den gibt's hier frühlingshafte „Streamingtipps für die Couch" und einen Überblick über die Neuheiten auf den Plattformen:

🌷🎬 FRÜHLING FÜRS HEIMKINO

Der dritte Frühling (Amazon Prime): Ein durchaus passender deutscher Verleihtitel für die 1995 entstandene Komödie mit dem Kultduo Walter Matthau und Jack Lemmon – wenn man einmal vom weniger überzeugenden Untertitel „Freunde, Feinde, Fisch & Frauen" absieht. Allerdings ist „Grumpier Old Men" (so der Originaltitel) zugegebenermaßen nicht im engeren Sinne eine jahreszeitlich auf die Wonnemonate verweisende Komödie, sondern die Fortsetzung des Buddymovies „Ein verrücktes Paar" zwei Jahre zuvor. Die beiden Komiker, die ihr Filmduett bereits 1968 mit „Ein seltsames Paar" lostraten, spielen darin wieder ihre beiden Charaktere John Gustafson (Lemmon) respektive Max Goldman (Matthau), die sich traditionell in den Haaren liegen. Dieses Mal allerdings etwas weniger, hat man mit den Ragettis, die den Lieblingsladen der beiden übernehmen, doch einen gemeinsamen Außenfeind. Am Ende hat Max das Glück, Sophia Loren (vulgo Mama Ragetti) zu heiraten. Vielleicht ist „Der dritte Frühling" eher ein komödiantisches Mailüfterl als ein humorvoller Wirbelwind, aber immerhin ein nostalgisches.

📽 Trailer zu „Der dritte Frühling":

Frühling für Hitler (Amazon Prime): Wirklich erfolgreich war Mel Brooks 1969 veröffentlichte Komödie im deutschsprachigen Raum nie – zumindest nicht im Vergleich zum Kultcharakter, den das schräge Werk um den Broadwayproduzenten Max Bialystock (Zero Mostel) und den Buchprüfer Leo Bloom (Gene Wilder), die Investoren übers Ohr hauen wollen, indem sie mit einer Nazimusikrevue unter dem Titel „Frühling für Hitler" einen programmierten Flop landen, in den USA erlangt hat. Dazu lag die Thematik um einen durchgeknallten Nazi namens Franz Liebkind, der für die beiden Betrüger eine Rechtfertigungsrevue auf den Nationalsozialismus schreibt, vermutlich noch zu nahe, um darüber zu lachen. Dennoch stellt „Frühling für Hitler" mit Chaplins „Der große Diktator" eine der gelungensten, jüdisch-humoristischen Entlarvungen des NS-Systems dar, die immerhin mit einem Drehbuchoscar gewürdigt wurde.

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Spring Breakers (Netflix): Nicht direkt den sanften Blumendüften und der knospenden Natur verpflichtet ist der Hybrid „Spring Breakers" von Regisseur Harmony Korine aus 2012. Er nimmt die US-Tradition der alles andere als gesittet ablaufenden Frühlingsferien der Colleges auf und erzählt die Geschichte der vier Freundinnen Faith, Candy, Brit und Cotty. Die rauben ein Diner aus, um sich die Fahrt zum Spring Break nach Florida zu finanzieren, kommen wegen Drogenkonsum ins Gefängnis und werden dort von einem Gangsterboss freigekauft. So landen Brit und Candy schließlich im Milieu. Ob man das Werk nun als Spring-Break-Actionversion ernst nimmt oder Ironie dahinter vermutet, bleibt dem Zuseher selbst überlassen.

📽 Trailer zu „Spring Breakers":

🎬🌟 NEUHEITEN IM MAI

Die Ära Skywalker: Abschluss der neuen Trilogie (Disney+): Mit der Übernahme der „Star Wars"-Rechte im Jahr 2012 durch Disney stand einer Wiederbelebung der Weltraumsaga nichts mehr im Weg. Groß war die Vorfreude bei Fans, als neue Filme angekündigt wurden, aber ebenso groß auch die Skepsis, lag vielen die missglückte Ausrichtung auf neue Publikumsschichten mit Figuren wie Jar Jar Binks in den Episoden I bis III noch schwer im Magen. 2015 hob das „Star Wars"-Raumschiff mit „Das Erwachen der Macht" unter der Regie von J. J. Abrams ab, und vieles funktionierte. Ganz auf Nostalgie gepolt, sollte die Geschichte der Ära Skywalker fertig erzählt werden. Nach „Die letzten Jedi" (2017) gab es im vergangenen Dezember mit „Der Aufstieg Skywalkers" schließlich das finale Kapitel um Luke, Leia und vor allem die neue Protagonistin Rey (Daisy Ridley). Wie die verschiedenen Ebenen zusammengeführt wurden, gefiel zwar nicht jedem, aber nach dem zwischenzeitlichen Absturz in nichtssagende Langatmigkeit versöhnte das Finale doch viele „Star Wars"-Anhänger. Seit „May the 4th" ist die finale Folge der Erzählung – wie auch alle anderen Episoden – bei Disney+ abrufbar.

➤ Es geht auch kürzer: The Madalorian (Disney+): Das erste wirkliche Hochglanzprodukt von Disney+ und immer noch Aushängeschild des Dienstes ist „The Mandalorian": Die erste Realserie in der Welt von „Star Wars" – im Animationsbereich hat man mit beliebten Reihen wie „The Clone Wars" bereits punkten können – dreht sich um den titelgebenden Kopfgeldjäger, der sich als Einzelkämpfer durch die nach dem Niedergang des Imperiums noch von Krieg und Chaos gezeichnete Galaxie schlägt. Bei einem seiner Aufträge begegnet er einem kleinen Wesen, das offenkundig derselben Spezies wie Jedi-Meister Yoda angehört. Fortan versucht er, dem nur Kind genannten grünen Zwerg mit den großen Ohren zu helfen. Stilistisch folgt die von Jon Favreau konzipierte Reihe einer klassischen Westerngeschichte des einsamen Reiters in der Prärie. Die achte und finale Folge der ersten Staffel ist seit 1. Mai verfügbar.

📽 Trailer zu „The Mandalorian":

➤ Ein Blick hinter die Kulissen: Disney Galerie (Disney+): Seit dem „Star Wars"-Tag am 4. Mai gibt es mit „Disney Galerie: The Mandalorian" auf Disney+ auch eine neue, achtteilige Dokureihe, die einen Blick hinter die Kulissen der gleichnamigen Serie wirft. Neben Schöpfer Jon Favreau kommen dabei die Schauspieler und Regisseure der einzelnen Episoden, darunter etwa Bryce Dallas Howard oder Taika Waititi, zu Wort.

➤ The Eddy (Netflix): All jene, die nach einer Flucht vor der Wirklichkeit und verträumten Pariser Aufnahmen suchen, einer französischen Version von Damien Chazelles „La La Land", werden enttäuscht sein. Während das Musical voller bittersüßer Romantik war, wirft die in Paris angesiedelte Miniserie „The Eddy" einen deutlich unromantischen Blick auf die Stadt der Liebe. Wir befinden uns im Paris der Gegenwart. Niemand trägt hier eine Baskenmütze oder überquert die Seine mit einem Baguette unterm Arm. Abgesehen von einer kurzen Aufnahme des Eiffelturms in der Ferne ist in den acht Folgen von „The Eddy" nichts so, wie man es von Postkarten kennt. Der titelgebende Club befindet sich in einem der weniger touristischen Bezirke, im 13. Arrondissement, in dem der halbfranzösische Chazelle einen Teil seiner Kindheit verbracht hat. Die Menschen, um die es geht, vor allem Einwanderer, leben jenseits des Kitsch und in hässlichen Wohngegenden. Diese Menschen haben oft nicht die Worte, um ihren Schmerz zu verarbeiten – Musik ist die einzige Sprache, die sie kennen. Der visuelle Stil, der von Damien Chazelle in den ersten beiden Folgen etabliert und dann an die französische Filmemacherin Houda Benyamina („Divines"), die marokkanische Regisseurin Laila Marrakchi („Marock") und den amerikanischen Mitschöpfer Alan Poul („Six Feet Under") weitergegeben wurde, hat einen wunderschönen, körnigen Hauch von Cinema verite.

➤ Hollywood (Netflix): Die glamouröse Netflix-Miniserie „Hollywood", seit 1. Mai abrufbar, entführt ins Los Angeles Ende der 40er-Jahre, um eine Art Wiedergutmachungsmärchen und Was-wäre-wenn zu erzählen. Der Autor und Produzent Ryan Murphy („Glee") zeigt die Traumfabrik dabei als Schlangengrube. Einiges beruht auf wahren Begebenheiten. In der zweiten der sieben rund 50-minütigen Folgen äußert ein Nachwuchsregisseur seine Fassungslosigkeit über die Filmemacher in Hollywood. Manchmal denke er, die Leute in dieser Stadt verstünden ihre eigene Macht nicht: „Filme zeigen uns nicht nur, wie die Welt ist, sondern auch, wie sie sein könnte." Genau das macht „Hollywood" dann – zeigen, wie es auch hätte sein können, wenn Sexismus, Rassismus und Schwulenfeindlichkeit schon früher in der Traumfabrik angegangen worden wären. Die Serie ist eine Art Traumaverarbeitung um nicht zuletzt des Skandals um den Produzenten Harvey Weinstein. Alles endet in einer idealisierten Oscar-Verleihung 1948. Brillant besetzt sind die Rollen der starken Studiofrauen Avis Amberg und Ellen Kincaid (Patti LuPone und Holland Taylor). Und nicht zuletzt sticht Jim Parsons heraus – bekannt als Sheldon aus der Sitcom „The Big Bang Theory". Er spielt den intriganten Manager Henry Willson, den es wirklich gab.

📽 Trailer zu „Hollywood":

Auch auf „Hollywood" warf übrigens die Corona-Krise ihre Schatten: So konnte die Serie wegen der Pandemiebeschränkungen nicht deutsch synchronisiert werden. Netflix bietet aber Untertitel an.

➤ Never Have I Ever (Netflix): Die Pubertät und das Heranwachsen sind eine chaotische Zeit, ein emotionales Minenfeld. Dass man davon ohne viele Klischees und stattdessen durchaus vielschichtig erzählen kann, beweist der jüngste Netflix-Hit „Never Have I Ever". Er erzählt auf originelle Weise von den Wirren der Teenager-Jahre – dieses Mal aber mit einem selbstbewussten Mädchen im Mittelpunkt. Devi ist 15 und hofft auf einen Neuanfang. Immerhin war das letzte Jahr eine Katastrophe für die indisch-amerikanische Jugendliche: Ihr Vater starb bei einem ihrer Schulkonzerte, danach konnte sie selbst mehrere Monate lang nicht laufen und saß im Rollstuhl. Das aber ist vorbei, und nun soll sich einiges ändern für Devi und ihre Freundinnen. Die Vorzeigeschülerinnen mit Topnoten müssen raus aus der Nerdecke, findet Devi, die deswegen auch kurzerhand den heißesten Burschen ihres Jahrgangs anspricht und fragt, ob er nicht mal mit ihr Sex haben möchte. Devi gehört zu der neuen Generation junger, weiblicher Heldinnen. Sie ist selbstbewusst, frech und forsch – das ist eine der großen Stärken dieser Serie – so wie die junge Maitreyi Ramakrishnan in der Hauptrolle, die eine wahre Entdeckung ist. Die Idee zu „Noch nie in meinem Leben...", so der deutsche Titel, stammt von der indisch-amerikanischen Komikerin Mindy Kaling („The Mindy Project"), die die richtige Balance findet zwischen Comedy und ernsteren Tönen.

➤ Hitserie Berlin Berlin als Film (Netflix): Lolle und ihr Liebeschaos begeisterten vor 18 Jahren viele Fernsehzuschauer. Tom, Sven, Alex – und mittendrin die frisch gebackene, chaotische Maturantin Charlotte. Das Landei in Berlin, das sich nicht entscheiden kann, vor allem nicht für den einen Mann. Nach dem Serienhit mit Hauptdarstellerin Felicitas Woll ist „Berlin, Berlin" seit 8. Mai als Film bei Netflix abrufbar. Beim nunmehrigen Wiedersehen mit Lolle und ihren Freunden Sven (Jan Sosniok), Hart (Matthias Klimsa) und Rosalie (Sandra Borgmann) gibt es auch einen Neuling im Cast: Janina Uhse als schräge Dana. Alle sind älter geworden, so auch Lolle, die im Kinofilm heiraten und Mutter werden will. Doch vor dem Traualtar ergreift sie die Flucht und landet erst vor Gericht und dann im Harz. Erzählt wird eine äußerst turbulente Geschichte, in dem sich nicht nur die Comic-Sequenzen aus der Serie wiederfinden. (TT.com/anl/APA)

📽 Trailer zu „Berlin Berlin":

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