Schröcksnadel zu Veith: „Sie hat es mir gesagt und sie hat es sich gut überlegt"

Acht Monate nach Marcel Hirscher entschied sich offensichtlich auch der zweite Salzburger Ski-Star für einen Abschied aus dem Weltcup-Zirkus. Mit Anna Veith geht Österreichs zuletzt erfolgreichste Rennläuferin.

Das Verhältnis zwischen ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel (l.) und Anna Veith (r.) wies Höhen und Tiefen auf. Nachhaltig seien die Risse trotz eines Sponsorstreits im Jahr 2015 jedoch nicht gewesen: „Es könnte nicht besser sein, wir sind sehr gut miteinander.“
© GEPA pictures/ Walter Luger

Von Florian Madl

Innsbruck – Wer auf eine Bestätigung der Rücktrittsmeldung wartet, muss sich vorerst gedulden. Das behalten sich die meisten Skistars so wie im September 2019 Marcel Hirscher im Regelfall selbst vor. Also stützten sich die Berichte, wonach Anna Veith noch in diesem Monat zur Verkündung schreitet, auf Insidermeldungen und möglicherweise Indiskretionen aus dem Umfeld. Auch Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbands und seit Mittwoch offiziell ein weiteres Jahr im Amt, hielt sich diesbezüglich bedeckt: „Sie hat es mir gesagt und sie hat es sich gut überlegt. Man muss den richtigen Zeitpunkt wählen.“

Der 78-Jährige verwies auf die Knieprobleme seines PR-Asses, das nach dem Olympiasieg 2014 und drei Weltmeistertiteln sowie zwei Gesamtweltcupsiegen mit körperlichen Problemen zu kämpfen hatte. Schröcksnadel zeigte sich über den Zeitpunkt der Veröffentlichung verwundert und verwies auf eine Pressekonferenz. Doch schon im Fall von Veiths Salzburger Landsmann Marcel Hirscher ging der abschließenden Pressekonferenz ein tagelanges Spekulieren voraus, die Indizien auf den später vollzogenen Rücktritt mehrten sich in der Folge. Das soll nun auch bei der 30-jährigen Veith der Fall sein.

Mehrmals habe die beliebte Werbefigur, die unter dem Namen Fenninger Berühmtheit erlangt hatte, auf den Wert des Privatlebens und den Wunsch nach einer Familie hingewiesen. Seit April 2016 ist die RTL- und Speed-Spezialistin mit dem früheren Snowboarder Manuel Veith verheiratet, gemeinsam mit ihm betreibt sie ein Hotel im steirischen Rohrmoos.

Die letzten Jahre ihrer eindrucksvollen Karriere waren vermehrt von Tiefen gekennzeichnet: Nach ihren herausragenden Saisonen 2013/14 und 2014/15 warfen sie allerdings schwere Verletzungen immer wieder zurück. Am 21. Oktober 2015 begann der Leidensweg mit einem Kreuz-, Innenband- und Patellasehnenriss im rechten Knie, die sie sich beim Training in Sölden zugezogen hatte. Nur kurz war ihre Comeback im Dezember 2016, nach einer weiteren Operation im Februar 2017 musste Veith neuerlich monatelang pausieren.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Nach einem Comeback-Sieg im Weltcup am 17. Dezember 2017 beim Super-G in Val d’Isère und Olympia-Silber 2018 im Super-G von Pyeongchang folgte am 12. Jänner 2019 ein neuerlicher Kreuzbandriss. Dennoch gab Veith am 5. Juni des Vorjahres bekannt, dass sie ihre Karriere fortsetze.

Die Suche nach dem professionellen Übergang

Die Meldung des anstehenden Rücktritts überschattete den offiziell vermeldeten Verbleib Peter Schröcksnadels als ÖSV-Präsident, den die TT bereits vor Wochen angekündigt hatte. Ursprünglich wäre der Tiroler bei einer Landespräsidentenkonferenz im Juni (Villach) am Ende seiner Periode gestanden, die Corona-Zeit änderte die Situation: „Mein Vorschlag wäre gewesen, einen professionellen Übergang zu finden, den gibt es jetzt automatisch“, befand der 78-Jährige. Seine Hoffnung: Nun könnten sich alle auf eine mögliche Übergabe im kommenden Jahr vorbereiten, auch wenn Schröcksnadel diese nicht bestätigen wollte. Vorerst gehe es darum, die anstehenden Hürden (TV-Vertrag, Verlängerung mit Partnern) zu meistern.

© APA

Kommentieren


Schlagworte