OeNB: Schrittweise Erholung der österreichischen Wirtschaft

Die Österrreichischen Nationalbank (OeNB) berechnet ab sofort neuen wöchentlichen BIP-Indikator für Österreich. Seit April hat laut der Nationalbank eine merkliche Erholung eingesetzt, die sich in der ersten Maiwoche deutlich verstärkt hat.

Traditionelle Konjunkturindikatoren sind laut der Oesterreichischen Nationalbank oft nicht ausreichend rasch verfügbar.
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Wien – Ein neu entwickelter wöchentlicher BIP-Indikator der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) auf Basis tagesaktuell verfügbarer Konjunkturdaten zeigt einen konjunkturellen Tiefpunkt Ende März mit einem BIP-Rückgang während einiger Wochen von jeweils bis zu rund einem Viertel gegenüber den entsprechenden Vorjahreswerten.

Seitdem habe eine merkliche Erholung eingesetzt, die sich in der ersten Maiwoche – wohl teilweise auch aufgrund von Nachholeffekten beim privaten Konsum – deutlich verstärkt habe, so die Nationalbank in einer Aussendung am Donnerstag.

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Traditionelle Konjunkturindikatoren "oft nicht ausreichend rasch verfügbar"

Eine zeitnahe Schätzung der Stärke des Einbruchs und der folgenden schrittweisen Erholung der österreichischen Wirtschaft stellt - so die OeNB - die Wirtschaftsforschung vor neue Herausforderungen. Traditionelle Konjunkturindikatoren seien oft nicht ausreichend rasch verfügbar und liegen häufig nur auf Monats- oder Quartalsebene vor. Die OeNB hat daher mit tagesaktuell verfügbaren Konjunkturdaten einen Indikator entwickelt, der auf wöchentlicher Basis die wirtschaftliche Aktivität in Österreich abbildet. Dieser neue wöchentliche BIP-Indikator zeige, dass der Tiefpunkt in der Entwicklung der wirtschaftlichen Aktivität Ende März erreicht wurde und es im April eine vorsichtige Erholung gab.

In der ersten vollen Maiwoche habe die Öffnung vieler Geschäfte zu einer deutlichen Belebung geführt, zu der auch Nachholeffekte im privaten Konsum beigetragen haben dürften. Während des Lockdown in den Kalenderwochen 12 bis 16 sei die Wirtschaftsleistung jeweils um rund ein Viertel unter dem Vorjahresniveau gelegen. In absoluten Größen würden die aufgelaufenen BIP-Verluste für den Zeitraum 16. März bis 10. Mai 2020 über zwölf Milliarden Euro betragen – dies entspreche etwa 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Jahres 2019 von 375 Milliarden Euro.

Neue Konjunkturindikatoren

OeNB ein Set von Konjunkturindikatoren zusammengestellt, die auf Tages- oder Wochenbasis erhoben werden und ohne Zeitverzögerung zur Verfügung stehen.

Zu diesen Indikatoren zählen unter anderem LKW-Fahrleistungsdaten (Quelle: ASFINAG), Zahlungsverkehrsdaten (mehrere Zahlungsdiensteanbieter), Arbeitsmarktdaten (AMS) und Stromverbrauchsdaten (e-control, Austrian Power Grid – APG).

Basierend auf diesen zeitnah verfügbaren Konjunkturindikatoren wurde ein neuer Aktivitätsindikator berechnet, der die Entwicklung des realen BIP auf Wochenbasis abbildet. Dazu werden die nachfrageseitigen BIP-Komponenten mittels Brückengleichungen – Prognosegleichungen, die Variablen mit unterschiedlicher Datenfrequenz verbinden – geschätzt

Nach dem Tiefpunkt Ende März und einer leichten Erholung im April, setzte laut OeNB eine deutliche Erholung ein. Mit elf Prozent sei die BIP-Lücke gegenüber dem Vorjahresvergleichswert weniger als halb so groß wie zum Höhepunkt des Lockdown. "Im Zuge der Öffnung vieler Geschäfte haben die privaten Haushalte zuletzt ihre Konsumausgaben deutlich erhöht. Zum Teil dürften während des Lockdown aufgeschobene Konsumausgaben nachgeholt worden sein", so die Nationalbank.

Nehme man beispielsweise an, dass die Hälfte der zusätzlichen Konsumausgaben vorübergehende Nachholeffekte waren, wäre das BIP in Kalenderwoche 19 weiterhin fast 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen. Es werde sich aber erst in den nächsten Wochen zeigen, zu welchem Teil diese Erholung dauerhaft sei oder vorübergehende Nachholeffekte widerspiegle.

Die OeNB plant, die Schätzungen wöchentlich zu aktualisieren und auf der OeNB-Website zu publizieren. Die Notenbank weist allerdings auch ausdrücklich darauf hin, dass eine wöchentliche BIP-Schätzung mit großen Unsicherheiten verbunden sei. Die am Donnerstag vorgestellten Zahlen würden nur einen groben Anhaltspunkt für die wirtschaftliche Aktivität bieten und könnten übliche modellgestützte makroökonomische Prognosen nicht ersetzen.

In den nächsten Wochen werde der Indikator laufend verbessert , und es würden neue zusätzliche Daten einbezogen. Dadurch können sich auch rückwirkend noch Änderungen der Schätzergebnisse ergeben. (TT.com)


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