Drive-in, Motor aus, Film ab: Autokino rollt in Innsbruck an

Totgesagte leben länger. Das Autokino feiert sein Comeback – in den drei Sommermonaten nun auch in Innsbruck. Die Initialzündung liefert die Corona-Krise und das damit einhergehende Abstandhalten zu den Mitmenschen. Ende Mai geht's los.

Zwei Filme werden täglich auf dem Olympiaworld-Areal gezeigt.
© Rococoon / Hanno Mackowitz

Innsbruck – Seit gut zwei Monaten sind die Projektoren in den Kinos aus, Popcorn-Maschinen bleiben kalt, die Türen versperrt – und das auf noch unbestimmte Zeit. Zumindest der Open-Air-Kinosommer fällt in diesem Jahr nicht ganz aus. Am 29. Mai eröffnet am Areal der Olympiaworld das erste Autokino in Innsbruck. Bis zum 30. August werden täglich zwei Filme gezeigt – familienfreundlich am Vorabend, Blockbuster nach Einbruch der Dunkelheit.

„Am ersten Tag starten wir mit den Minions und Bohemian Rapsody, am Pfingstwochenende werden mit Oscar-prämierten Filmen wie Joker oder Parasite weitere Highlights folgen“, gibt Metropol-Geschäftsführer Mario Hueber einen ersten Programmausblick. Und auch Themenabende soll es geben, beispielsweise mit dem Film „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ zum 80. Gedenktag des seligen Pfarrers und NS-Opfers.

🚘🎫 Programm und Ticketkauf

Das Programm bis zum 19. Juni steht bereits fest. Auch Tickets können bereits erworben werden. Alle Infos dazu gibt's HIER.

Autositz wird zum Kinosessel

Möglich macht das Projekt die am 15. Mai in Kraft getretene Änderung zur Lockerungsverordnung durch die Bundesregierung. Während der Kinosaal mit seinen eng beieinander liegenden Sitzen in Zeiten von „Social Distancing" noch dicht bleibt (bis mindestens Ende Juni), erfüllt das Autokino sämtliche Auflagen: Hier können die Besucher sicher und auf Abstand zueinander außer Haus Filme erleben, ob mit der Familie oder auch zu zweit. Ein weiterer Vorteil: Im mobilen Kinosaal darf während des Films nach Lust und Laune geredet und gelacht werden, ohne, dass sich jemand daran stört.

„Ein Autokino ist nicht nur aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich, da der Kontakt zu anderen Besuchern auf null reduziert wird, auch der Schutz der Anrainer wird durch die Übertragung des Tonsignals über das Autoradio gewährleistet“, sagt der Innsbrucker Vize-Bürgermeister Johannes Anzengruber.

Auch Konzerte und Kabaretts denkbar

Die gesamte technische Infrastruktur inklusive der tageslichttauglichen LED-Leinwand steht auch für die Übertragung kultureller Ereignisse wie Konzerte oder Kabaretts zur Verfügung. Entsprechend groß werde die Nachfrage sein, schätzt Olympiaworld-Geschäftsführer Matthias Schipflinger. „Mit dem Autokino können wir einen Teil unserer Veranstaltungsflächen sinnvoll nutzen und den TirolerInnen und Tirolern in diesen schwierigen Zeiten einen Teil Ihres Freizeitlebens zurückgeben.“

Die 1950er und 1960er Jahre waren die große Zeit der Autokinos voller romantischer Klischees von Sonnenuntergängen im Cabrio vor der großen Leinwand. Während diese besonderen Freilichtkinos in Deutschland zumindest ein widerspenstiges Nischendasein fristen, sieht es hierzulande äußerst trist aus. Das bekannteste Autokino in Österreich wurde 1967 in Groß-Enzersdorf am Rande Wiens gegründet. In wirtschaftliche Turbulenzen geriet es öfters, 2015 wurde es schließlich geschlossen. Nun hat es coronabedingt seit dem 15. Mai wieder geöffnet. Auch in anderen Bundesländern erlebt das Autokino derzeit ein Revival. (TT.com)


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