Mehr als 150 Corona-Fälle: Leiharbeiter der Post verteilten das Virus

Großer Cluster an Infektionen in zwei Post-Verteilerzentren in Wien und Niederösterreich. Nun hilft das Bundesheer bei der Abfertigung von Paketen.

Symbolbild.
© Österreichische Post

Wien - Stand gestern waren es mehr als 150 Infektionen mit dem Coronavirus, die ihren Ursprung in zwei Post-Verteilerzentren in Inzersdorf (Wien) und Hagenbrunn (Niederösterreich) haben. Betroffen sind vor allem Arbeitskräfte von Leiharbeitsfirmen. In Wien reichen die Infektionsketten auch in ein Wohnheim für Flüchtlinge und einen Kindergarten - über eine Betreuerin, die mit einem Mitarbeiter der Post verheiratet ist.

📽 Video | Corona-Krise bei der Post

Um die Paketverteilung der Post im Osten Österreichs aufrechtzuerhalten, sind in Hagenbrunn seit dem Wochenende 280 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Sie sollen für die nächsten zwei Wochen die Belegschaft der Post ersetzen. Zuvor haben die ABC-Abwehrspezialisten des Bundesheeres das rund 20.000 Quadratmeter große Gebäude desinfiziert.

Wien hatte schon in den vergangenen Tagen mit vergleichsweise hohen Ansteckungszahlen zu kämpfen. Aufgefallen waren zuerst die Infektionen in dem Flüchtlingsquartier. Von dort führte die Spur zu den Leiharbeitern der Post.

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Leiharbeitsfirmen werden gezielt kontrolliert

Dieser Cluster sei erkannt worden, weil Wien genauer hinschaue, sagt der zuständige Stadtrat Peter Hacker (SPÖ). Man warte nicht, bis sich Erkrankte selbst melden, sondern teste im Umfeld erkannter Infektionen. Als Nächstes sollen Leiharbeitsfirmen gezielt kontrolliert werden. Das Problem laut Hacker: Viele dieser Menschen seien selbstständig beschäftigt und versuchten daher, einen Krankenstand möglichst zu vermeiden. Bei den Tests habe sich zudem herausgestellt, dass nur zehn Prozent der Betroffenen Symptome aufweisen.

Die Situation in Wien führt auch zu politischem Hickhack: Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) bietet Polizisten an, um Infektionsketten zu verfolgen. Hacker lehnt das ab. (APA, sabl)


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