Nichts mehr mit „Sitz!": Auch Hunde macht die Pubertät aufsässig

Eltern kennen das: Manche Teenager sind in der Pubertät in Daueropposition und benehmen sich gern mal völlig daneben. Bei Hunden ist das ganz ähnlich – bei ihnen setzt diese Entwicklungsphase im Alter von ein paar Monaten ein. Auch hier hat es was mit Hormonen zu tun.

Im Alter von acht Monaten setzt bei Hunden etwa die Entwicklungsphase der Pubertät ein.
© pixabay

Von Anja Garms, dpa

London – Auch Hunde benehmen sich in der Pubertät wie manche Teenager ein wenig daneben. Sie beginnen vermehrt, Kommandos ihrer Herrchen zu ignorieren, während sie auf andere Personen nach wie vor hören. Das sei analog zu Kindern, die während der Pubertät vor allem mit ihren Eltern in Konflikt gerieten, berichten Wissenschafter in den Biology Letters der britischen Royal Society. Hündinnen, deren Bindung zu ihren Herrchen nicht besonders stabil ist, werden der Studie zufolge früher geschlechtsreif als solche mit einer sehr starken Bindung. Auch dies sei vom Menschen bekannt.

Mit der Pubertät werden Kinder zu Erwachsenen. Was so banal klingt, ist eine Phase der Entwicklung, die sowohl von vielen Jugendlichen als auch ihren Eltern als Herausforderung empfunden wird und die mit vielen Konflikten zwischen beiden Seiten einhergehen kann. Bei Säugetieren ist die Pubertät mit dramatischen hormonellen Veränderungen und einer Neuorganisation des Gehirns verbunden, schreibt das Team um Lucy Asher von der Newcastle University (Großbritannien).

Sensible Phase?

Bei Hunden setzt diese Entwicklungsphase mit etwa acht Monaten ein. Dass auch sie dann eine sehr sensible Phase durchlaufen, werde in einigen Kreisen diskutiert, etwa unter Hundetrainern. Ihre Studie sei aber ihres Wissens die erste, die empirische Belege dafür liefere, so die Forscher.

Sie hatten zunächst die Halter von 70 Hündinnen, die zum Begleithund ausgebildet wurden, nach dem Bindungsverhalten ihrer Tiere befragt. Also ob die Hunde etwa bei anstehender Trennung nervös und zittrig werden oder ob sie häufig die Nähe ihres Halters suchen. Solche Verhaltensweisen werteten die Forscher als Anzeichen für eine nicht sichere Bindung. In einem zweiten Studienteil untersuchten sie bei insgesamt 93 Hunden, wie gut diese vor und während der sensiblen Pubertätsphase auf Kommandos hören.

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Hunde dann häufiger aufsässig

Die Auswertung ergab, dass Hündinnen mit einer schwächeren Bindung zu ihren Haltern früher geschlechtsreif werden als Hündinnen mit einer stabilen Beziehung. Mit Erreichen der Pubertät wurden die Hunde dann häufiger aufsässig und hörten nicht mehr so gut auf Kommandos wie "Sitz!" - allerdings nur, wenn sie von ihren Haltern gegeben wurden. Auf fremde Personen reagierten sie nach wie vor gut. Dieser Unterschied lasse vermuten, dass das Verhalten nicht lediglich auf Veränderungen der Hormone oder der Hirnorganisation zurückgehe. Bei Hunden mit einer eher unsicheren Bindung zu ihren Haltern war der Ungehorsam stärker ausgeprägt.

Dass die Geschlechtsentwicklung von sozialen Beziehungen beeinflusst wird, sei von vielen Arten bekannt. Ihre Studie liefere Hinweise für einen artübergreifenden Einfluss von Mensch zu Hund. Bei den meisten Hunden gehe die Phase des Ungehorsams wieder vorbei - dennoch könne sie weitreichende Konsequenzen haben: Studien zufolge würden viele Hunde genau in dem betreffenden Alter in Tierheime abgegeben. Oder Halter versuchten, ihre Tiere mit Gewalt gefügig zu machen. Es sei zu hoffen, dass so etwas vermieden werden könne, wenn Hundehaltern klar wird, dass das Problemverhalten wie bei den meisten Jugendlichen nur vorübergehend ist, schließen die Wissenschafter.


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