Studie: Verstärkter Kauf heimischer Lebensmittel mehrfach positiv

Wenn Haushalte um zehn Prozent weniger importierte Lebensmittel kaufen würden, würde das ein zusätzliches Bruttoinlandsprodukt von 2,3 Milliarden Euro generieren. Außerdem gäbe es dadurch laut einer Studie 23.000 Arbeitsplätze mehr.

Würden die Konsumenten weniger importierte Lebensmittel einkaufen, hätte das mehrfach positive Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft.
© Dpa/Karmann

Wien/Linz – Regionale Produkte kaufen kann zahlreiche positive Effekte erzielen. Eine am Mittwoch präsentierte Studie zeigt, dass Änderungen im Konsumverhalten und die vermehrte Verwendung heimischer Produkte spürbare positive Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft hätten. Gefordert wird auch ein kommunales Umdenken: Derzeit geht zu viel Ackerboden durch Verbauung verloren.

"Setz ein Signal, kauf regional!", lautet ein Fazit der Berechnungen der Johannes Kepler Universität Linz und der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW). Stefan Jenewein (GAW) erläuterte auf einer Online-Pressekonferenz die enormen Effekte einer Reduzierung des Imports zugunsten einer verstärkten Nachfrage nach österreichischen Produkten.

Höheres Bruttoinlandsprodukt, mehr Arbeitsplätze

Würden von den Haushalten nur 10 Prozent weniger importierte Lebensmittel gekauft, so würde dies abgesehen von ökologischen Pluspunkten ein zusätzliches Bruttoinlandsprodukt von 2,3 Milliarden Euro, zusätzlich mehr als 23.000 Arbeitsplätze und eine zusätzliche Lohnsumme von 1 Milliarde sowie einen fiskalischen Effekt von 700 Millionen Euro bringen, erklärte Jenewein. Bei 20 Prozent geringeren Importen würden sich diese Beträge verdoppeln. "Gewinnen würden durch eine steigende Nachfrage nach heimischen Produkten nicht nur die Landwirtschaft und die Hersteller von Nahrungsmitteln, sondern alle Wirtschaftssektoren."

Laut den präsentierten Zahlen beträgt der Wert der österreichischen Importe von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Produkten im weiteren Sinn mehr als 15 Milliarden Euro pro Jahr. Jeder Haushalt gibt demnach pro Monat durchschnittlich 600 Euro für Nahrungsmittel aus, Gasthausbesuche eingeschlossen.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Universitätsprofessor Friedrich Schneider sieht im verstärkten Griff nach heimischen Produkten einen mehrfachen Nutzen. "Die Landwirtschaft wird gestärkt, Arbeitsplätze werden gesichert und geschaffen und es wird ein konkreter Beitrag zum Wiederaufbau des Landes geleistet", betonte Schneider. Zudem würde etwa durch kürzere Transportwege auch die Umwelt profitieren.

Ackerboden als wertvolle Ressource

Allerdings gingen in Österreich im Vorjahr 13 Hektar pro Tag durch Verbauung verloren, 2018 waren es noch 10,5 Hektar pro Tag. Da sei ein kommunales Umdenken gefordert. "Man sollte Leerstände nutzen anstatt auf der grünen Wiese Einkaufszentren und Supermärkte zu bauen. Ackerboden ist eine wertvolle Ressource", erklärte der Uni-Professor.

Kurt Weinberger, der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, ortet ein zu geringes Bewusstsein der Bevölkerung, dass der Boden unsere Lebensgrundlage ist. "Wir brauchen eine wirkungsvollere Raumordnung auf Landesebene. Die Schäden der Zersiedelung sind langfristig. Von Beton können wir nicht abbeißen", sagte Weinberger. "Ich halte es für grob fahrlässig, wie dieses Land zubetoniert und durch Zersiedelung a la longue zerstört wird." Damit werde die Sicherheit der Lebensmittelversorgung gefährdet. Die Hagelversicherung hatte die Studie in Auftrag gegeben.

Selbstversorgung in "gewaltiger Schieflage"

Die Folgen seien schon jetzt spürbar. So beträgt der Grad der Selbstversorgung etwa bei Getreide in Österreich nur noch 85 Prozent und bei Gemüse nur 50 Prozent. "Wir sind in einer gewaltigen Schieflage und sehr verletzbar", so Weinberger. Die Lebensgrundlage Boden müsse abgesichert werden.

Nach einer Untersuchung benötigt ein Europäer bei seinem gewohnten Lebensstil für Ernährung eine Bodenfläche von 3000 Quadratmetern. In Österreich seien aktuell aber nur noch 1600 Quadratmeter pro Kopf verfügbar, der Rest werde durch Importe bereitgestellt, hieß es auf der Pressekonferenz. Wenn sich die Entwicklung so fortsetze wie bisher, stünden 2050 in der Alpenrepublik pro Kopf nur noch 1000 Quadratmeter zur Verfügung. (APA)


Kommentieren


Schlagworte