Felix Mitterer arbeitet nach Causa Ischgl an "Piefke-Saga 5"

Der Tiroler Autor Felix Mitterer hat angekündigt, dass er seine legendäre „Piefke Saga“ weiterschreiben will. Er arbeite derzeit an einem Exposé für den fünften Teil der Serie, die Anfang der 1990er Tirols werdenden Turbotouristikern den satirischen Spiegel vorhielt.

Anfang der 1990er-Jahre löste Felix Mitterers „Piefke Saga“ heftige Reaktionen aus. Inzwischen gilt die Serie als Kult.
© ORF/Satelfilm

Wien – Felix Mitterer arbeitet nach der Causa Ischgl an einem fünften Teil der "Piefke-Saga". "Das müssen wir einfach machen. Ich arbeite bereits an einem Exposé", so der Tiroler Autor im Interview anlässlich des Erscheinens seines ersten Romans "Keiner von Euch". Das Buch über den afroösterreichischen Kammerdiener Angelo Soliman soll sein einziger Roman bleiben.

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Der Wunsch nach einem weiteren Teil der Erfolgsserie "Piefke-Saga" sei mehrfach an ihn herangetragen worden. Nach dem, was da in einigen Tiroler Tourismusorten passiert sei, müsse eine Fortsetzung einfach sein, meinte der Autor in Anspielung auf die Coronafälle dort. Er hoffe, dass der ORF an Bord sein werde. "Die Darsteller leben ja noch, die wären jedenfalls mit Begeisterung wieder dabei", so Mitterer. Er habe inzwischen viele Informanten in den Tiroler Dörfern. "Wenn wo etwas passiert, erfahre ich es. Das war früher viel schwieriger", sagte er. Er sei guten Mutes, dass sich das Projekt realisieren lässt.

Mitterer schockiert über Behandlung von Kulturschaffenden

Schockiert zeigte sich der Schriftsteller über die Behandlung der Kunst- und Kulturschaffenden in der Corona-Krise. Die Regierungen Mitteleuropas hätten der Branche viel zu spät geholfen. "Wahnsinn, dass das alles so unglaublich spät daherkommt", so Mitterer über die Hilfen. Es zeige sich, dass der Stolz auf das Kulturland Österreich nur ein Fähnchen am Stock sei. Mitterer selbst ist durch den Ausfall von Lesungen und Theateraufführungen betroffen. So fällt wegen der Absage der Tiroler Volksschauspiele das Stück "Verkaufte Heimat: Bombenjahre", die Fortsetzung seiner Südtiroler Familiensaga, aus, ebenso die nun auf 2021 verschobene Uraufführung von "Don Quichote".

Felix Mitterer.
© APA

"Das trifft einen schon hart. Aber viele Künstler hat es noch härter getroffen", erklärte Mitterer, "Ich selbst habe ja meinen Roman - lesen kann man ja immer - und werde meinen Kinofilm haben." (Anm.: Sein Einsiedlerstück "Märzengrund" wird von Adrian Goiginer verfilmt.) Er habe damit ein "Riesenglück". "Ich sitze eh daheim und schreibe. Man kann halt nicht rausgehen und seine Liebsten umarmen, das tut schon weh", sagte Mitterer.

Als nächstes "wohl wieder ein Drehbuch"

Die Arbeit geht dem 72-Jährigen nicht aus: "Es wird wohl als nächstes wieder ein Drehbuch geben. Ich habe ja das große Glück, dass immer wer was von mir will. Ich muss immer getreten werden, damit ich was liefere." Über sein Buch "Keiner von Euch", das am 19. Mai im Haymon Verlag erschienen ist. meint er: "Es ist mein erster Roman und auch mein letzter." Zu einem Roman habe er sich entschlossen, "weil ich Haymon auch einmal eine Prosa versprochen habe", was er nun nach seiner Autobiografie "Mein Lebenslauf" (2018) erneut eingehalten habe. Einen weiteren Roman will Mitterer nicht schreiben. Er habe zwar schon Überlegungen angestellt zum Lawinenunglück von Galtür, "ich hab mir ja so vieles vorgenommen, aber das werd' ich wohl nicht mehr machen". Andererseits "sag niemals nie", denn derzeit sei die Stimmung ja eher depressiv, doch die Corona-Krise werde vorbeigehen "und dann wird man sehen".

Jedenfalls gelte seither seine uneingeschränkte Bewunderung den Romanautoren für ihren langen Atem und die viele, oft jahrelange Arbeit, so der Dramatiker. "Man hat keine Fesseln auferlegt, man kann schreiben, was man will und so viel man will. Da kannst du tausend Leute auftreten lassen, es kostet nichts", sah Mitterer auch Vorteile. Theaterstücke seien dagegen mit 80 Seiten schon fast zu lang, und wenn mehr als sechs Figuren aufträten, würden bereits Kürzungen verlangt.

Mit dem Stoff rund um Angelo Soliman, einem als Kind geraubten Afrikaner, der wohl Mmadi Maké hieß, und im Wien des 18. Jahrhunderts zum Kammerdiener und Freimaurer aufstieg, nach seinem Tod aber ausgestopft und ausgestellt wurde, beschäftigte sich Mitterer seit Mitte der 1990er-Jahre. "Ich wollte unbedingt über ihn schreiben, das war mir ein ganz großes Anliegen. Ein unglaubliches Schicksal: Er ist Aushängeschild der Aufklärung und zeigt, was Bildung alles möglich macht - übrigens wie auch bei mir persönlich. Er ist hochgeehrt, hochgebildet und endet so! Das ist doch schrecklich!", so Mitterer.

Er recherchierte viel für "Keiner von Euch", vor allem den Arbeiten der deutschen Anthropologin Monika Firla habe er viel zu verdanken. Entstanden ist "ein Sittenbild von Wien im 18. Jahrhundert mit viel Fiktion drinnen". Er habe mit dem Stoff ganz frei umgehen wollen. So fänden sich zahlreiche Figuren mit realen Vorbildern, er habe aber auch einiges vorweggenommen. "Ich beschreibe sonst nur die Wirklichkeit. Es hat mich selbst gewundert, dass ich doch auch einige Fantasie in mir habe", sagte Mitterer. Das Buch sollte eigentlich "Angelo" heißen, "aber das ging ja nicht. Der Name wurde ihm auferlegt". Diesen Rassismus gebe es immer noch, "das hat ja nicht aufgehört". Er habe versucht, Maké ein Denkmal zu setzen, und die Geschichte für ihn im positiven Sinne zu Ende zu bringen. Die Wirklichkeit war viel trostloser: Das Präparat mit der Haut von Angelo Soliman wurde 1848 bei einem Brand zerstört.

Im Kern dreht sich seine Geschichte um den Kampf der alten Ordnung gegen die Aufklärer, die gleiche Rechte für alle forderten. Wie steht es heute damit? "Wir sind immer noch nicht genug aufgeklärt", stellte der Dramatiker fest. Die Reichen seien immer noch zu reich, die Armen immer noch zu arm, "auch bei uns". Mitterer zeigte sich über die Ungleichheit gegenüber Afrika entsetzt. Das Unrecht, das die Kolonialmächte dort angerichtet hätten, bestehe weiter, ja verstärke sich eher noch. Selbst die Sklaverei gebe es weiter. Dass durch die Corona-Krise die erkämpften Rechte hierzulande in Gefahr sind, befürchtete Mitterer dagegen nicht. "In der Demokratie würden sich die Menschen dagegen zur Wehr setzen, zumindest hier in Mitteleuropa", war er überzeugt. (APA, TT.com)


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