Goinger "Feuerteufel" verurteilt: Brandstiftungen waren Denkzettel für Kränkungen

Mit Haftstrafe und Anstaltseinweisung endete am Dienstag der Prozess für einen Familienvater, der in Going seit 2017 Großbrände verursacht hatte.

Mit den Brandstiftungen richtete der Einheimische Millionenschäden an und brachte Menschenleben in Gefahr.
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Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Going - Warum wird jemand zum Brandstifter? Eine Frage, die gestern am Landesgericht bezüglich eines 37-Jährigen, der von 2017 an in seiner Heimatgemeinde Going mehrere Brandstiftungen mit einem Schaden von knapp drei Millionen Euro begangen hatte, besonders genau zu erörtern war. Ist der einstige Industriearbeiter doch zweifacher Familienvater und war bislang komplett unbescholten geblieben.

Dann ein kleiner Streit mit einem Einheimischen im September 2017. Wenig später wollte sich der 37-Jährige noch aussprechen, hatte aber den Kontrahenten nicht mehr angetroffen - stattdessen eine alte Couch vor dessen Stadel angezündet. Ein Großbrand, der einen gesamten Hof samt Pferdestall fast vollständig zerstört hatte, war ein "Denkzettel". Dann war bis 2019 Ruhe im Dorf. Bis im Juni am selben Tag ein Hof vollkommen abbrannte und auch die Jausenstation "Koasastadl" ein Raub der Flammen wurde. Nach zwei weiteren Brandstiftungen im November klickten dann aber die Handschellen.

Unter den betroffenen Objekten war auch ein Bauernhaus.
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Den erfahrenen Brandermittlern des Landeskriminalamtes bot der Verhaftete dann ein ungewöhnliches Bild. So zeigte sich der Familienvater nicht nur umfassend geständig, sondern gestand dazu auch noch Taten, die gar nicht im Verdacht von Fremdeinwirkung gestanden hatten. "Ich wollte den Kopf frei bekommen!", erzählte der 37-Jährige den Brandermittlern.

Ein psychiatrisches Gutachten erklärte gestern warum. So attestierte die langjährige Sachverständige Gabriele Wörgötter dem in U-Haft befindlichen Unterländer eine schwere Persönlichkeitsstörung. Zwar habe der an sich Zurechnungsfähige das Unrecht seiner Taten erkennen, aber sich selbst nicht mehr kontrollieren können.

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Wörgötter zu Richter Bernhard Rüßkamp: "Seine Impulskontrolle ist beeinträchtigt. Unter der unauffälligen Fassade liegt eine enorme Persönlichkeitsproblematik. Schon kleine Auseinandersetzungen erzeugen beim Angeklagten Wut und Kränkungen, mit denen er nicht umgehen kann. Er frisst sie in sich hinein, bei Alkoholkonsum brechen sie aus."

In diesem Gerichtssaal fand der Prozess unter Corona-Sicherheitsvorkehrungen statt.
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Dem Antrag von Verteidiger René Schwetz auf ambulante Behandlung konnte nicht gefolgt werden, da auch die Gefährlichkeitsprognose eine eingehende Behandlung nahelegte. So wurde nicht rechtskräftig Anstaltseinweisung verhängt. Die dazu verhängten zwei Jahre und acht Monate Haft werden während der Behandlung verbüßt. Schadenswiedergutmachung offen.

📽 Video | Brandstifter verurteilt


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