Ansturm auf Kletterwände blieb aus: „Müssen Werkl zum Laufen bringen“

Das Kletterzentrum Innsbruck (KI) ist bislang eine Erfolgsgeschichte. Dieser Tage herrscht aber Tristesse. Warum das so ist, können sich die Verantwortlichen nicht erklären.

Von Max Ischia

Innsbruck – Seit der offiziellen Eröffnung vor gut drei Jahren war das Kletterzentrum Innsbruck (KI) ein Renner. Kletterer aus nah und fern strömten in die zwölf Millionen Euro teure Anlage. Täglich checkten rund 800 Bewegungshungrige ins städtische Kletterjuwel ein. Und als wären 5700 Quadratmeter Kletterwandfläche, davon 1200 Quadratmeter Boulderfläche, nicht genug, plante der Betreiber, die Alpenverein Kletterzentrum Innsbruck GmbH, gar eine bauliche Erweiterung des Boulderbereichs. Das war vor der Corona-Pandemie.

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Reinhold Scherer, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft und österreichischer Nationalteamtrainer in Personalunion, sitzt im Bistro des Kletterzentrums – und sein Blick auf den spärlich genützten Außenbereich könnte nachdenklicher kaum sein. „Nicht viel los, eigentlich ein Trauerspiel“, sagt er.

„Wir wissen selber nicht, warum der Andrang derart überschaubar ist. Dabei hätte uns sogar das Wetter in die Karten gespielt.“
Reinhold Scherer (Geschäftsführer Kletterzentrum Ibk.)

Nach dem Lockdown am 15. März ist zumindest der Außenbereich des KI seit dem 18. Mai wieder geöffnet. Doch der erwartete Massenandrang blieb aus. Mehr als das. „Wir hatten wirklich Bedenken, dass uns die Leute überrennen, aber das Gegenteil war der Fall. Es tut sich herzlich wenig.“ Scherer zuckt die Achseln und tappt nach eigener Aussage im Dunkeln. „Ganz ehrlich wissen wir nicht, warum die Leute so zurückhaltend sind.“ Was er weiß, ist, dass es in Südtirol, Deutschland oder der Schweiz nicht anders ist. „Ich hatte erst kürzlich eine Telefonkonferenz mit internationalen Kletterhallen-Betreibern und überall war die Situation ähnlich.“

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270 Leute in der Halle, 135 im Freigelände

Wenn ab Freitag auch der Hallenbetrieb wieder anläuft, hofft Scherer auf rasche Besserung. „Wir müssen schauen, dass das Werkl in Schwung kommt.“ Auch aus wirtschaftlicher Sicht. „Alle unsere 52 Angestellten sind seit April in Kurzarbeit. Wir haben null Einnahmen, nur Ausgaben.“ Wie der finanzielle Ausfall in der Höhe von über einer halben Million Euro kompensiert wird, ist noch ungewiss. „Erst wenn wir am 29. Mai wieder komplett aufmachen, können wir den Schaden exakt beziffern und schauen, ob wir vom Härtefonds etwas kriegen und/oder ob die IIG auf Miete verzichtet.“

Unklar ist auch noch, wie viele Kletterer ab 29. Mai tatsächlich wieder aufs KI-Gelände dürfen. „Wird unser Konzept seitens des Ministeriums gutgeheißen, dann werden 270 Leute in der Halle und 135 im Freigelände erlaubt sein.“ Es wäre also nicht so, dass da nicht genug Kletterplatz wäre. Wenn die Leute nur wieder kommen.


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