Red-Bull-Sportdirektor Freund: „Wollen die Dinge am Rasen regeln“

Mit dem ÖFB-Cupfinale gegen Zweitligist Austria Lustenau startet Meister Red Bull Salzburg am Freitag (20.45 Uhr/live ORF 1) in Klagenfurt wieder in die Titeljagd. Die TT fragte bei Sportdirektor Christoph Freund nach.

Am 5. März und nach einem 1:0-Heimsieg über den LASK im Halbfinale klatschte Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund den Einzug ins ÖFB-Cupfinale ein. Die Pokal-Krönung soll am Freitag folgen.
© gepa

Morgen darf die Kugel endlich wieder in Pflichtspielen rollen. Dennoch ein (letzter) Blick zurück auf das Coronavirus und all seine Folgeerscheinungen. Wie schwer war es speziell für Salzburg mit vielen jungen Spielern aus der ganzen Welt (Asien, Südamerika ...), über diese Wochen drüberzukommen?

Christoph Freund: Es war eine große Herausforderung, zumal ja viele noch keine eigenen Familien haben und aus ihrem geregelten Ablauf gerissen wurden. Da werden die Tage lang. Wir haben versucht, viel Kontakt zu ihnen zu halten, viele Videokonferenzen zu schalten. Einige wollten heim, aber das konnten wir aufgrund der unsicheren Reiselage nicht erlauben. Es waren geistig sehr intensive Wochen. Mit der Erlaubnis zum Kleingruppentraining war dann die erste große Erleichterung spürbar.

Entscheidungen am grünen Rasen schmecken auch weit besser als am grünen Tisch.

Freund: Wir sind sehr froh, dass die Dinge am Rasen entschieden werden und haben uns stets dafür eingesetzt. Alles andere, auch mit folgenden Klagen, wäre nicht im Sinn des Sports gewesen.

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Nicht im Sinn des Sports waren auch die Mannschafts-Trainings des LASK, bevor sie erlaubt waren.

Freund: Ich habe dazu alles gesagt. (Freund monierte am 15. Mai ein schweres Foul des Titelkonkurrenten und ärgerte sich, dass die Linzer die Verantwortung aller Klubs mit dieser Aktion untergraben, Anm.). Wir wollen die Dinge am Rasen regeln.

🧾 Verfahren gegen LASK wegen Trainingsverstößen vertagt

Die Bundesliga hat das Verfahren gegen den LASK wegen der verbotenen Mannschaftstrainings auf Donnerstagnachmittag vertagt. Das gab die Liga am Mittwochabend, an dem die erste Verhandlung des Senats 1 in der Causa stattfand, bekannt. Zudem zog sich ein Mitglied des Gremiums zurück, um einer schlechten Optik vorzubeugen.

Das heißt, Sie fordern bei aktuell drei Punkten Rückstand keine drakonischen Strafen ein, wie es z. B. die Wiener Großklubs (Austria, Rapid) kundtaten?

Freund: Das wird der Senat entscheiden und ist nicht unser Thema.

Der Titelkampf in der Liga bleibt dennoch ein großes Thema. Die Vorzeichen haben sich verändert.

Freund: Wir sind in der Jägerrolle, hinter uns lauert auch Rapid (4 Punkte Rückstand). Wenn wir unsere PS auf den Platz bekommen, können wir den Meistertitel holen. Mit Platz zwei beschäftige ich mich nicht. Ich weiß aber, dass ein Jahr kommen kann, wo es so ist. Jetzt konzentrieren wir uns darauf, den siebten Meistertitel in Serie zu holen.

Der erste Titel liegt am Freitag im ÖFB-Cupfinale in Klagenfurt abholbereit.

Freund: Wir haben im Cup schon Rapid und den LASK eliminiert und wollen den Pokal. Es ist cool, dass gleich im ersten Pflichtspiel nach so einer langen Pause die Chance auf einen Titel besteht. Mehr Motivation geht fast nicht.

Und über die ganz klare Favoritenrolle gegen Zweitligist Lustenau muss man auch nicht lange reden?

Freund: Wir begegnen dem Außenseiter, der nichts zu verlieren hat, mit großem Respekt. Coach Roman Mählich hat bewiesen, dass er ein gutes Händchen hat. Wir sind der Favorit und sollten den Titel holen. Aber Krems (1988 gegen den FC Tirol), Stockerau (1991 gegen Rapid) oder Pasching (als Drittligist 2013 gegen die Austria) sind auch schon Cupsieger geworden.

🔗 >>> Lustenau im Cup-Finale auf den Spuren von Pasching und Co.

Das Cupfinale ist ein Geisterspiel. Wie stehen Sie dazu, bald wieder eine begrenzte Anzahl an Fans ins Stadion zu lassen?

Freund: Alles, was in kleinen Schritten angefangen werden kann, sollte man versuchen fortzusetzen. Bei einem Fassungsvermögen der Red Bull Arena von 30.000 Zuschauern wäre bei einer kleineren Anzahl genug Platz da, um Abstand zu halten. Ich glaube, dass sich das alles wieder normalisiert.

Vorerst bietet man den eigenen treuen Fans mit 200 Stellplätzen am Messegelände Salzburg das Cup-Finale als Autokino an?

Freund: Eine coole Idee. Und wenn ich noch einmal jung wäre, dann ... (beginnt lauthals zu lachen).

Sie scheinen mit 42 Jahren sehr junggeblieben. Man hört, Sie hätten beim „Wings for Life World Run“ zugunsten der Rückenmarksforschung eine stolze Distanz von 31 Kilometern (Schnitt 4:50 Minuten pro km) absolviert?

Freund: Ich war viel Laufen, um den Kopf freizubekommen. Das war das Positive an der Corona-Zeit. Es war dann aber an der Zeit, dass mich das Auto beim Lauf eingeholt hat (schmunzelt).

Das Gespräch führte Alex Gruber

© APA

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