Corona-App: Anschober, Rotes Kreuz und Ärztekammer werben um Nutzer

Zur Verhinderung eines neuerlichen Anstiegs nach den großen Öffnungsschritten sei das „Kontaktpersonen-Management" entscheidend, so Gesundheits- und Sozialminister Rudolf Anschober – und hier helfe die App.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Mi.), Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres (li.) und Bundesrettungskommandant Gerry Foitik.
© APA/Jäger

Wien – Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) hat am Dienstag mit dem Roten Kreuz und der Ärztekammer für die Nutzung der „Stopp Corona"-App geworben. Zwar sei die Situation in Österreich betreffend der Infektionen weiterhin stabil. Zur Verhinderung eines neuerlichen Anstiegs nach den großen Öffnungsschritten sei aber das „Kontaktpersonen-Management" entscheidend, so Anschober – und hier helfe die App.

Die vom Roten Kreuz initiierte „Stopp Corona"-App wurde bisher rund 600.000 Mal auf Smartphones heruntergeladen, aktive Nutzer gebe es derzeit etwa 300.000, sagte Bundesrettungs-Kommandant Gerry Foitik auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien. Diese Zahl hoffen die Initiatoren zu steigern, denn nur dann funktioniert das Prinzip.

Jetzt sind wir in einer Situation, dass wir vorsichtig sein sollten, den Erfolg nicht zu konterkarieren. Das Virus gibt es noch, das Virus wird auch übertragen.
Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres

„Die App funktioniert nur, wenn möglichst viele Menschen sie heruntergeladen haben. Das tut nicht weh, das schadet nicht", rief Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres zur Nutzung des Tools auf. Und er warnte davor, anzunehmen, die Pandemie in Österreich sei schon überwunden: „Jetzt sind wir in einer Situation, dass wir vorsichtig sein sollten, den Erfolg nicht zu konterkarieren. Das Virus gibt es noch, das Virus wird auch übertragen." Ohne Vorsicht und Umsicht könne man ein plötzliches Ansteigen der Infizierten-Zahlen nicht verhindern. Und es gelte auch weiterhin der Appell, vorsichtig zu sein, Distanz zu halten, sich häufig die Hände zu waschen und in geschlossenen Räumen Masken zu tragen.

Es sei ja schwierig, „sich zu erinnern, wen man vor drei Tagen vor oder neben sich gehabt hat", sagte Anschober zur Grundidee der Handy-Applikation. Zwar könne die App kein Ersatz für ein manuelles Konaktpersonen-Management sein, sie wäre aber „eine deutliche Unterstützung".

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Elektronisches Kontakt-„Tagebuch" am Handy

Mitte Juni wird das Programm auch die Schnittstellen der Smartphone-Hersteller Google und Apple nutzen, welche die beiden Konzerne Mitte Mai veröffentlicht haben, sagte Foitik. „Dann wird diese App mit den automatischen Handshakes auch klaglos funktionieren." Sinn des Programms ist es ja, über die Bluetooth-Schnittstelle der Handys quasi ein elektronisches Kontakt-„Tagebuch" am Handy zu führen, mit dem aufgezeichnet wird, mit wem der jeweilige User in der Vergangenheit Kontakt hatte. Schlägt dann einer der User wegen eines positiven Tests oder eines Verdachtsfalls Alarm, werden all dessen via App aufgezeichneten Kontakte anonymisiert verständigt. Diese können dann Maßnahmen gegen eine (unbemerkte) weitere Verbreitung des Virus ergreifen.

Initiatoren setzen weiterhin auf Freiwilligkeit

Bei der Verbreitung der „Stopp Corona"-App setzten die Initiatoren weiterhin dezidiert auf Freiwilligkeit. „Verpflichtungsdiskussionen sind längst vom Tisch", sagte Anschober, der aber einräumte, dass die Diskussion darüber "die Menschen verunsichert hat". Foitik betonte, dass eine freiwillige Nutzung vom Roten Kreuz von Anfang an vorgesehen war: „Freiwilligkeit haben wird im roten Kreuz eigentlich ja in unserer DNA." Und: „Ich bin überzeugt, dass diese Diskussion beendet ist." Wichtig sei eine breite gesellschaftliche Akzeptanz der App, betonte Anschober, und dazu trage eben auch die Freiwilligkeit bei.

Auf Freiwilligkeit setzt Foitik auch bei der künftigen Weiterentwicklung der App. So sei geplant, eine Plattform zu gründen, die eine möglichst breite Beteiligung der Gesellschaft, aber auch der technischen Community sicherstellen soll. Start für dieses noch recht offene Projekt ist für Mitte Juli geplant. Ziel sei es laut Foitik unter anderem, möglichst viele Personen, die sich mit App-Programmierungen beschäftigen, an der Weiterentwicklung zu beteiligen. In einem weiteren Schritt soll die Zukunft der App dann überhaupt an die Plattform übertragen werden, wobei das Rote Kreuz wohl auch dann die Letztverantwortung tragen dürfte.

Anschober betonte am Dienstag einmal mehr, dass es neben dem Tracking auch weiterhin notwendig sei, alle anderen grundlegenden Maßnahmen zur Eindämmung des Virus aufrechtzuerhalten. Dazu zählte er sowohl Hygiene- wie auch Abstandsregeln, aber auch eine mögliche Rücknahme von Lockerungsschritten, sollte es zu einem neuerlichen Anstieg kommen. Der berühmte „Babyelefant" als Abstandsmesser war am Dienstag auch in zweifacher Ausfertigung als lebensgroßer Pappaufteller präsent – und sorgte für ausreichend Abstand zwischen Anschober, Foitik und Szekeres. (APA)


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