Ischgl-Kommission steht und nimmt heute ihre Arbeit auf

Die Untersuchungskommission zur Causa Ischgl und dem Tiroler Corona-Krisenmanagement ist vollzählig. Bis Oktober soll ein Endbericht vorliegen.

Eine Luftaufnahme von Ischgl aufgenommen.
© APA/Expa/Groder

Innsbruck, Ischgl – Die unabhängige Kommission zur Erstattung des Expertenberichts über die Vorgänge während der Coronakrise in Ischgl steht: Wie berichtete, hatte der Vorsitzende Ronald Rohrer vergangene Woche noch einen Experten im Bereich Tourismus gesucht, bevor die Kommission ihre Arbeit aufnehmen konnte. Jetzt sind alle Mitglieder an Bord, schon heute soll die Aufarbeitung starten.

Neben Rohrer, dem ehemaligen Vizepräsidenten des Obersten Gerichtshofs der Republik Österreich, sind folgende Mitglieder der Kommission bestellt:

▶️ Bruno Hersche, Berater für Sicherheit, Katastrophen- und Krisenmanagement,

▶️ Winfried V. Kern, Leitender Arzt im Zentrum für Infektiologie und Reisemedizin der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg,

▶️ Nicole Stuber-Berries, Co-Leiterin im Competence Center Tourismus des Instituts für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern,

▶️ Alexandra Trkola, Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie der Universität Zürich sowie

▶️ Karl Weber, ehemaliger Ordinarius des Instituts für Öffentliches Recht, Staats- und Verwaltungslehre der Universität Innsbruck.

Rohrer selbst hat bereits mit der Aktensichtung begonnen. Die bisherige Menge, die das Land Tirol zur Verfügung gestellt hat, sei bereits "sehr groß", teilte der Experte vergangene Woche mit. Der Expertenbericht soll bis Oktober vorliegen.

Landesregierung und Opposition gleichermaßen zufrieden

In der Landespolitik kommentiert man die Besetzung wohlwollend. VP-Klubobmann Jakob Wolf sieht die Basis für eine konstruktive Aufarbeitung des Tiroler Landeskrisenmanagements gelegt: „Wir haben immer betont, dass wir voll und ganz hinter einer objektiven Analyse aller Entscheidungen stehen, die in den letzten Wochen und Monaten im Rahmen des Landeskrisenmanagements getroffen wurden. Eine parteipolitisch besetzte Kommission, wie sie sich Teile der Tiroler Opposition gewünscht hat, haben wir deshalb immer abgelehnt.“

Johannes Margreiter von den NEOS zeigte sich ebenfalls zufrieden: „Es handelt sich hier um eine internationale und bestens qualifizierte Gruppe, die hoffentlich mit einem geschulten und objektiven Auge nach Tirol schauen kann“, so der Neos-Nationalrat.

Selbst SPÖ-Chef Georg Dornauer findet wenig zu kritisieren: „In der Kommission finden sich ausgezeichnete Persönlichkeiten und viel Expertise aus allen für die Aufklärung der Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen notwendigen Bereichen. Jetzt ist zu gewährleisten, dass die Mitglieder der Kommission in alle Akten und Unterlagen des Krisenstabs sowie der involvierten Bundesbehörden, Sicherheitsbehörden, Landesbehörden, Bezirksverwaltungsbehörden und Gemeinden Einsicht nehmen können und alle benötigten Auskünfte von den zu Befragenden erteilt werden.“ Einen kleinen Seitenhieb gegen die Landesregierung kann er sich dennoch nicht verkneifen: Er fordert die ÖVP erneut auf, ein Fehlverhalten einzugestehen und sich zu entschuldigen.

In diese Kerbe schlägt auch Markus Abwerzger von der FPÖ, der trotz der Zufriedenheit über die Zusammenstellung der Kommission Kritik an den Verantwortlichen übt: „Es sind viele Fragen offen, und gerade in den letzten Wochen tauchten fast täglich immense Pleiten und Pannen im Krisenmanagement auf. ÖVP-Landeshauptmann Günther Platter, ÖVP-LR Dr. Bernhard Tilg, Landessanitätsdirektor Dr. Franz Katzgraber und auch der Landecker Bezirkshauptmann Mag. Markus Maaß müssen auch öffentlich endlich zu den Fehlern stehen“, so Abwerzger.

Gebi Mair, der Klubobmann der Tiroler Grünen fordert hingegen, dass die Kommission nun in Ruhe arbeiten kann. Mit der Kommission rund um Roher sei der Weg frei "für eine lückenlose Aufklärung und eine tiefschürfende Fehleranalyse. Und die braucht es auch“, so Mair. (TT.com)


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