„Knie nieder, NYPD!": Tausende Demonstranten zogen durch New York

Am siebenten Tag nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd gingen Demonstranten wieder auf die Straßen von New York City. Im Chor wurde auch wiederholt „Fuck Trump!" gerufen.

Im friedlichen Protestmarsch bis zum Washington Square Park zogen Tausende Menschen durch New York.
© AFP/Heins

Von Marietta Steinhart/APA

Washington, New York – "Knie nieder, NYPD!" – Also brüllten tausende Demonstranten, die am Dienstagnachmittag (Ortszeit) mit verdeckten Gesichtern durch Manhattan in der US-Metropole New York zogen, um den Polizeibeamten im ganzen Land zu sagen: "Wir können nicht atmen." Es war ein friedlicher Protestmarsch bis zum Washington Square Park. Die Polizisten dort knieten nicht nieder – und wurden von der Menge ausgebuht.

"Ich bin so verdammt stolz auf die jungen Leute", so ein älterer schwarzer New Yorker, der das Meer von Demonstranten in Manhattans Straßen bewunderte. Er war sichtlich gerührt. "Ich habe schon viel in meinem Leben gesehen, aber so etwas noch nie", erzählte er gegenüber der APA.

"Social Distancing" war gestern. Die Menschen in New York City sind nach einem zweieinhalbmonatigen Lockdown und der damit einhergehenden Wirtschaftskrise müde. Jetzt scheint es für viele einen wichtigeren Virus zu geben als Corona, und der heißt Rassismus. Am Foley Square in Manhattan schloss sich am Dienstag wieder eine überwältigende Menschenmenge zusammen, um gegen den Tod von George Floyd zu protestieren und ein Ende der landesweiten Brutalität der US-Polizei zu erreichen.

Den Polizeibeamten im ganzen Land sollte gesagt werden, was George Floyd sagte: "Wir können nicht atmen."
© AFP/Heins

Protestchor schrie wiederholt "Fuck Trump!"

Auch US-Präsident Donald Trump, der sogar mit dem Einsatz der Armee gegen die "Anarchisten" gedroht hatte, bekam sein Fett ab. "Fuck Trump!" schrie der Protestchor wiederholt, "Fuck Trump!". Nach einer gewalttätigen Nacht in Midtown und der Bronx, zog der friedliche Protest und Marsch tausende (maskierte) Gesichter an.

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"Bill de Blasio, wir wollen Ihren Rücktritt", rief eine Rädelsführerin und forderte den Rücktritt des Bürgermeisters der Metropole. "Sie haben es nicht verdient, unser Anführer zu sein! Lasst uns jetzt alle Bill de Blasio den Rücken kehren!" schrie sie und drehte ihren Rücken zur tobenden Menge.

Der Demokrat Bill de Blasio hat bis 7. Juni eine beispiellose Ausgangssperre verhängt, die gestern Abend um 20 Uhr Ortszeit in Kraft trat, weil die Stadt darum kämpft, die Plünderungen und den Vandalismus zu stoppen, die während der Proteste aufgetreten sind. Ein Demonstrant sagte, wenn es Gewalt gibt, wenn sie die Ausgangssperre verletzten, möchte er es mit eigenen Augen sehen.

📽 Video | ORF-Korrespondent David Kriegleder über Trumps Drohungen

Hubschrauber schwebten in Lower Manhattan über den Menschen. Einige Aktivisten waren gekommen, um Gesichtsmasken, Wasserflaschen und Poster mit der Aufschrift "Black Lives Matter" zu verteilen, ein starker Kontrast zu der Gewalt, die in der Nacht zuvor zu beobachten war. Andere Schilder hatten die Aufschrift "Say their name" (Sag ihren Namen), "No Justice, no peace" (Keine Gerechtigkeit, kein Frieden) und "I can't breathe", die Worte, die von George Floyd, dem 46-jährigen Afroamerikaner aus Minneapolis, der am 25. Mai starb, nachdem ein weißer Polizist minutenlang ein Knie auf seinen Hals gepresst hatte.

Starker Kontrast zu Gewalt in Nacht zuvor

Tausende marschierten dann den Broadway hinauf und an der Zerstörung in Soho, dem New Yorker Shoppingviertel, vorbei, wo die Geschäfte mit Holzplatten zugenagelt werden. Bauarbeiter auf der Straße filmten das Geschehen mit ihren Handys und Liefertrucks hupten, um die Demonstranten anzufeuern. Auf dem Schild eines schwarzen Mannes stand "Am I Next?" – Bin ich der Nächste? Aus einem Autoradio konnte man "Changes" hören, ein Lied von 2Pac, in dem der verstorbene Rapper sich auf die Misshandlung schwarzer Menschen durch die Polizei und Rassismus in Amerika bezog.

Die Demonstranten, viele mit erhobenen Fäusten, als sie die Straßen füllten, marschierten dann zum Washington Square Park. "Hände hoch! Nicht schießen!" hallte es durch die größtenteils leeren Straßen der Innenstadt. "Hands up, don't shoot!"

Im Park angekommen, wollten die Demonstranten von den Polizisten hinter den Barrikaden, dass sie niederknien. Einen Tag zuvor hatte am gleichen Ort das ranghöchste uniformierte Mitglied des NYPD seine Solidarität für Demonstranten bekundet, indem er auf die Knie ging. Am Dienstag bot sich ein anderes Bild und die Polizisten bewegten sich friedlich aber bestimmt von den Demonstranten weg.

Die Menge marschierte dann weiter Richtung Norden. Die Ausgangssperre um 20 Uhr hielt nur einige auf. Andere wollten nicht aufhören zu marschieren. Sie skandierten weiter lautstark ein Motto des Protestmarschs: "Wem gehören die Straßen?" – "Uns!"


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