Dwayne Johnson, Springsteen und andere Stars werden gegen Rassismus laut

Immer mehr Prominente gehen mit der "Black Lives Matter"-Bewegung auf die Straße, ergreifen bei Kundgebungen das Wort, senden Botschaften an den US-Präsidenten oder widmen ihre Werke dem getöteten George Floyd.

"Star Wars"-Schauspieler John Boyega hielt auf einer Kundgebung in London eine ergreifende Rede. Dabei kämpfte der 28-Jährige mit den Tränen.
© AFP/Leal-Olivas

Minneapolis, Washington, London – Seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz vor anderthalb Wochen wird weltweit gegen Rassismus protestiert. Auch immer mehr Prominente ergreifen dazu das Wort, zeigen ihre Wut und fordern Veränderung.

US-Rockstar Bruce Springsteen (70, "Born To Run") etwa hat seinen Auftritt als Gast-DJ beim Radiosender Sirius XM am Mittwoch für einen eindringlichen Appell gegen Rassismus und Polizeigewalt genutzt. Zum Auftakt der Sendung am Mittwoch spielte er seinen Protest-Song "American Skin (41 Shots)" und widmete ihn George Floyd.

"Dieses Lied ist fast acht Minuten lang. Und so lange dauerte das Sterben von George Floyd, während ein Polizist in Minneapolis ein Knie in seinen Nacken drückte", sagte Springsteen. "American Skin (41 Shots)" aus dem Jahr 2001 prangert das Vorgehen von vier weißen Polizisten an, die im Jahr 1999 den unbewaffneten schwarzen Einwanderer Amadou Diallo mit 41 Schüssen niedergestreckt hatten.

Bruce Springsteen: "Das Land brennt und ist im Chaos"

Springsteen präsentierte auch Protestlieder anderer Künstler, darunter "Strange Fruit" von Billie Holiday, "This is America" von Childish Gambino oder Bob Marleys "Burnin" and Lootin'". Zudem spielte er Auszüge aus einer Rede des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King von 1963.

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"Das Land brennt und ist im Chaos", resümierte Springsteen mit Blick auf die schwere Krise in den USA durch die Coronavirus-Pandemie und durch Polizeigewalt. "40 Millionen Menschen sind arbeitslos. Mehr als 100.000 Bürger sind an Covid-19 gestorben, und aus unserem Weißen Haus kommt nur die laueste und herzloseste Antwort. Nach heutigem Stand werden unsere schwarzen Bürger weiterhin unnötig von unserer Polizei in den Straßen von Amerika getötet."

Dwayne Johnson sendet Botschaft an Präsident Trump

Schauspieler Dwayne "The Rock" Johnson brachte seine Solidarität mit der "Black Lives Matter"-Bewegung zum Ausdruck und wandte sich an US-Präsident Donald Trump. "Wo bist du", sagt der 48-Jährige mehrmals in einem knapp achtminütigen Video, das er in der Nacht zum Donnerstag auf Twitter postete.

📽 Video | "Where is our leader?"

"Wo ist unser Anführer in dieser Zeit, wo unser Land auf den Knien ist – bettelnd, flehend, verletzt, wütend, frustriert, im Schmerz und ausgestreckten Armen, nichts anderes wollend, als gehört zu werden." Der Kinostar ("Jumanji – The Next Level ") wünscht sich, dass Trump auf das Land zugehe, seine Hand ausstrecke und sage: "Ich höre euch, ich höre euch zu. Und ihr habt mein Wort, dass ich bis zu meinem Todestag, meinem letzten Atemzug, alles in meiner Macht Stehende tun werde, um die notwendige Veränderung herbeizuführen und Gleichheit herzustellen. Denn jedes schwarze Leben zählt", sagt "The Rock".

Herzogin Meghan nennt Lage in den USA "niederschmetternd"

Auch Herzogin Meghan (38) hat sich erschüttert über den Tod Floyds und die Gewalt in den USA geäußert. "Was in unserem Land, in unserem Staat und in unserer Heimatstadt L.A. (Los Angeles) passiert ist, ist absolut niederschmetternd", sagte die US-Amerikanerin und Ehefrau des britischen Prinzen Harry (35).

Es sei ihr schwergefallen, die richtigen Worte zu finden, gestand sie ein. "Das einzig Falsche wäre es, nichts zu sagen, denn George Floyds Leben zählt", sagte die Herzogin in einer Videobotschaft an die Schülerinnen ihrer früheren Schule in Los Angeles, die das Magazin Essence veröffentlichte.

Meghan Markle, die im August 1981 in Los Angeles geboren wurde, erinnerte auch an die dortigen Unruhen 1992, nachdem vier Polizisten den Afroamerikaner Rodney King zusammengeschlagen hatten und freigesprochen wurden. "Ich war elf oder zwölf Jahre alt, und es waren die L.A.-Unruhen, die auch von einem sinnlosen Akt des Rassismus ausgelöst wurden", sagte sie.

Sie habe nun aber auch eine Seite ihres Landes gesehen, die ihr Hoffnung mache, sagte Meghan, und nannte die unzähligen Akte der Solidarität und die Polizisten, die sich auf die Seite der Demonstranten stellten. "Wir sehen das genau jetzt, vom Sheriff in Michigan oder dem Polizeichef in Virginia. Wir sehen, wie die Menschen in Solidarität zusammenstehen, wir sehen, wie Gemeinschaften zusammenkommen und sich Auftrieb geben. Ihr werdet Teil dieser Bewegung sein", sagte die Absolventin der Immaculate Heart High School den heutigen Schülerinnen.

"12 Years a Slave"-Regisseur McQueen widmet Floyd zwei Filme

Der britische Regisseur und Oscar-Preisträger Steve McQueen (50, "12 Years a Slave") hat seine beiden neuen Filme den Opfern von Gewalt gegen Schwarze gewidmet. "Ich widme diese Filme George Floyd und all den anderen schwarzen Menschen, die ermordet wurden, sichtbar oder unbemerkt, für das, was sie sind, in den USA, England und anderswo", erklärte der Afroamerikaner am Mittwoch. "Black lives matter" (Schwarze Leben zählen), fügte der Filmemacher in seiner Mitteilung laut Variety hinzu.

McQueen schrieb mit dem Sklavendrama "12 Years a Slave" 2014 Oscar-Geschichte als erster schwarzer Filmemacher, dessen Werk mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet wurde.
© KEVORK DJANSEZIAN

McQueens neue Filme "Lovers Rock" und "Mangrove" drehen sich um das Leben und Diskriminierung Dunkelhäutiger in London in den 70er-und 80er-Jahren. Beide Spielfilme waren am Mittwoch unter den vom Filmfestival Cannes vorgestellten Werken, die dieses Jahr mit dem Gütesiegel "Cannes 2020" versehen wurden. Wegen der Corona-Krise konnte das wichtige Filmfest nicht wie üblich im Mai stattfinden.

"Star Wars"-Schauspieler Boyega kämpfte bei Rede mit Tränen

John Boyega hielt bei einer Kundgebung in London am Mittwoch vor Tausenden "Black Lives Matter"-Demonstranten eine sehr emotionale Rede. Dabei kämpfte der 28-Jährige mit den Tränen. Im Hyde Park forderte der Filmstar die Demonstranten am Mittwoch auf, "lebenslanges Engagement" zu zeigen und die Bewegung zu nutzen, den langfristigen sozialen Wandel voranzutreiben.

"Ich warte nicht! Ich bin in diesem Land geboren. Ich bin 28 Jahre alt, in London geboren und aufgewachsen", sagte Boyega, der vor allem als desertierter Sturmtruppensoldat Finn in "Star Wars: Das Erwachen der Macht" sowie in zwei weiteren Filmen der Reihe bekannt ist.

© DANIEL LEAL-OLIVAS

"Jeder schwarze Mensch hier kennt den Moment, in dem ein anderer ihn zum ersten Mal daran erinnert hat, dass er schwarz ist", sagte er in einer emotionalen Rede, bei der er den Tränen nahe zu sein schien. "Ich will, dass ihr versteht, wie schmerzhaft es ist, jeden Tag daran erinnert zu werden, dass deine Rasse nichts zählt", sagte der Sohn nigerianischer Eltern. Boyega forderte die Demonstranten auf, "so friedlich und organisiert wie möglich zu bleiben". Es ist eine lebenslange Verpflichtung. Wir gehen nicht hierher und hören auf", sagte er. "Wir können uns alle zusammenschließen, um dies zu einer besseren Welt zu machen. Ich spreche zu euch vom Herzen. Schaut, ich weiß nicht, ob ich danach noch Karriere machen kann", fügte Boyega hinzu, nachdem die Menge applaudiert hatte. (APA/dpa/TT.com)


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