Rundwanderung zum Hahnkampl im Karwendel: Nur das Kikeriki fehlt

Traumlandschaft, tolle Plätze zum Einkehren: Die Rundwanderung zum Hahnkampl im Karwendel von der Gramai-Alm aus erfordert aber Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Los geht es bei der Gramai-Alm, von hier aus ...
© Rapp

Von Irene Rapp

Pertisau – Manche Bergnamen bringen zum Schmunzeln: Der Hahnkampl gehört in diese Kategorie, wobei nur eine Seite der Felsgestalt im Karwendel wirklich an die „Kopfbedeckung“ des männlichen Huhns erinnert. Von Nordosten aus, dem Startpunkt unserer Tour auf den 2080-Meter-Gipfel, zeigt sich der Hahnkampl nämlich ganz anders. Noch dazu zieht die links davon platzierte dominante Lamsenspitze (2508 m) alle Blicke auf sich.

... kann man das Ziel schon sehen.
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Nichtsdestotrotz hat auch der Hahnkampl seine Reize. Das merkt man allerdings erst auf seinen letzten Metern, doch dazu später. Wir haben am Pfingstmontag die Tour auf diesen Gipfel gemacht und zu einer Rundwanderung über den Gramai-Hochleger ausgebaut. Erforderlich sind für dieses Abenteuer Trittsicherheit (Schneefelder, sehr schottrige Wege) und Schwindelfreiheit (einige wenige Stellen ausgesetzt).

So kommt man hin: Von Pertisau aus in den Naturpark Karwendel fahren und die Gramai-Alm im Falzthurntal ansteuern (Parkplätze). Gleich vom Ausgangspunkt aus kann man schon das Ziel erkennen, links davon die Lamsenspitze. In deren Richtung müssen wir auch, daher zunächst auf breitem Forstweg gemächlich dahin, man hält sich immer an die Wegweiser Lamsenjochhütte (1953 m). Wenn der lichte Mischwald weniger wird, kann man schon die Serpentinen genau erkennen, die man hinauf auf das Lamsenjoch muss (Abkürzungen möglich). Steil zieht sich der Steig hinauf, einige wenige Schneefelder sind zu queren (wer sich nicht sicher fühlt, sollte diese umgehen oder z. B. Snowlinespikes über die Schuhe geben).

Das Teilstück zum Westlichen Lamsenjoch weist noch Schneefelder auf.
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Knapp unterhalb des östlichen Lamsenjochs angekommen (1896 m) könnte man nun einen Abstecher zur wenige Meter entfernten Lamsenjochhütte machen (öffnet am 10. Juni), um dann jedoch wieder zu diesem Punkt zurückzukehren. Weiter geht es nämlich in nordwestlicher Richtung auf einem Steig hinüber zum Westlichen Lamsenjoch (1940 m). Auch hier gibt es wieder Schneefelder zu queren, an warmen Tagen sind diese jedoch am Vormittag schon aufgeweicht und gut zu begehen.

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Unter der Lamsenspitze geht es so dahin, je mehr man in Richtung Westliches Lamsenjoch kommt, desto mehr öffnet sich der Blick auf das westliche Karwendel und den Hahnkampl kann man auch schon gut erkennen. Unter der Trinkwasserleitung der Lamsenjochhütte weiter bis zum Westlichen Lamsenjoch. Hier nicht absteigen, sondern der Beschilderung Hahnkampl folgen – von hier aus sieht der Berg auch wie ein Hahnkampl aus – und zunächst auf breitem Grasrücken hinauf. Bald wird es felsiger und ausgesetzter, einige Stellen sind seilversichert, aber richtig dramatisch wird es nie. Und dann kann man schon das Gipfelkreuz erkennen, von wo aus man die tolle Rundumsicht genießen kann. Von hier aus sieht man z. B. hinunter zum Ausgangspunkt, aber auch zum nächsten Abschnitt der Tour – dem Abstieg zum Gramai-Hochleger.

Weiter geht es in nordwestlicher Richtung und über weite Almflächen in einer quasi riesigen Rechtskurve hinab zum Hochleger (1756 m), der bereits geöffnet hat. Diese Einkehr gehört der Familie Rieser, die auch die Gramai-Alm unten im Tal bewirtschaftet.

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Den Track für die Tour finden Sie hier.

„Im Vorjahr hat der Hochleger Strom und Abwasserkanal bekommen“, erzählt Adi Rieser. Das ist jetzt allerdings der Grund, warum der Abstieg vom Gramai-Hochleger auf den ersten Metern ein wenig mühseliger ist. Der Weg, der für die Hüttenarbeiten verbreitert wurde, präsentiert sich nämlich im ersten Abschnitt steil und rutschig. „Noch heuer soll der Weg wieder zum Steig zurückgebaut werden“, kann Rieser jedoch Positives berichten. Sein Tipp: Wer sich dieses kurze Steilstück im Abstieg ersparen will, sollte die Rundwanderung zum Hahnkampl in umgekehrter Richtung machen – schöner ist es allerdings, wenn man wie beschrieben startet.

Links des Falzthurnbaches gelangt man dann in den Wald, quert weiter unten den Bach und mündet in den bekannten Aufstiegsweg ein. Fazit: Die Runde bietet viele Highlights und mit den vielen Einkehrmöglichkeiten kann man es sich wirklich gut gehen lassen. Die angegebene Gesamtgehzeit von rund 5 Stunden ist großzügig bemessen, völlige Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ein Muss.

Karte der Tour.
© TT

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