London hofft in Brexit-Gesprächen auf Kompromiss auf höchster Ebene

Die britische Regierung und die EU konnten weiter keine entscheidenden Fortschritte machen, was die künftigen Beziehungen angeht. Die EU kritisierte gar, die Briten würden bereits getätigte Zusagen zurücknehmen. Nun wird auf höchster Ebene gesprochen.

EU-Chefverhandler Michel Barnier.
© YVES HERMAN

London – Bei den stockenden Gesprächen über ein Abkommen für die künftigen Beziehungen zwischen London und Brüssel hofft die britische Seite noch im Sommer auf einen Kompromiss auf höchster Ebene.

Das sagte ein hochrangiges Mitglied des britischen Verhandlungsteams am Freitag vor Journalisten in London, nachdem auch die vierte Gesprächsrunde zwischen Vertretern der EU und Großbritannien ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen war. Keinesfalls sollten sich die Verhandlungen bis in den Herbst hineinziehen, bevor ein Durchbruch erkennbar werde. "Diese Situation können wir nicht zulassen", sagte der Regierungsbeamte. Die Wirtschaft brauche bereits eher Gewissheit darüber, wie es nach dem Ende der Brexit-Übergangsphase zum Jahreswechsel weitergehe.

Knackpunkte der Gespräche sind weiterhin die Themen Fischerei und die Forderung der EU nach gleichen Wettbewerbsbedingungen. Brüssel will verhindern, dass britische Unternehmen von zollfreiem Zugang zum europäischen Markt profitieren und die heimische Konkurrenz mit unfairen Mitteln unterbieten. London will sich aber nicht den europäischen Regeln für Umweltstandards, Arbeitnehmerrechte und Staatshilfen unterwerfen.

Ein möglicher Ausweg, so der Regierungsbeamte, könnte darin liegen, für einzelne Warengruppen Zölle in Kauf zu nehmen, beispielsweise bei Agrarprodukten. Die Gespräche müssten jedenfalls intensiviert werden und wenn möglich, statt wie bisher in Videokonferenzen, bei realen Treffen stattfinden. Dafür seien auch kleinere Verhandlungsteams nötig. Bisher hatten von beiden Seiten jeweils bis zu 50 Unterhändler an den Verhandlungen teilgenommen.

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