Anschober kann sich Erhöhung des Arbeitslosengelds vorstellen

"Ich bin da absolut gesprächsbereit", sagte der Sozialminister im ORF-"Morgenjournal". Der Ball liegt somit beim türkisen Koalitionspartner. Indes fordert SPÖ-Chefin Rendi-Wagner einen 50-Euro-Gastro-Gutschein für alle Mehrparteienhaushalte.

Die Arbeitslosigkeit in Österreich hat infolge der Corona-Krise massiv zugenommen.
© GEORG HOCHMUTH

Wien – Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) kann sich eine der Erhöhung des Arbeitslosengeldes vorstellen. "Ich bin da absolut gesprächsbereit", sagte er am Samstag im ORF-"Morgenjournal". Man brauche dafür allerdings Mehrheiten in der Koalition mit der ÖVP. Zuletzt hatte sich schon Grünen-Sozialsprecher Markus Koza angesichts der Corona-Krise für die Erhöhung ausgesprochen.

"Wir werden das als eines von mehreren Lösungsoptionen miteinander bearbeiten", so Anschober: "Ich gehe davon aus, dass wir da in den nächsten vier, fünf Wochen zu einer Lösung kommen, mit einem Handlungsvorschlag für jene Menschen, die in Arbeitslosigkeit sind, damit deren Lebenssituation verbessert wird."

Bisher kam diese Forderung vor allem aus der SPÖ. Sie verlangt seit langem, die Nettoersatzrate von derzeit 55 auf 70 Prozent zu erhöhen.

Rendi-Wagner für 50 Euro Gastro-Gutschein österreichweit

SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner fordert österreichweit einen Gastro-Gutschein in Höhe von 50 Euro pro Mehrpersonenhaushalt, um den heimischen Cafés und Restaurants in der Coronakrise wirtschaftlich unter die Arme zu greifen. Bisher hat der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) eine derartige Gutschein-Aktion angekündigt, beschlossen wurde sie aber noch nicht.

Ein österreichweiter Gastro-Gutschein - nach Vorbild des Wiener Modells - würde 160 Mio. Euro pro Jahr kosten, sagte Rendi-Wagner am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien. Diese Kosten seien aber Investitionen, um Arbeitsplätze in der heimischen Gastronomie zu sichern. Für Einpersonenhaushalte soll es in Wien einen Gastro-Gutschein in Höhe von 25 Euro geben.

Nach zwei Monaten Coronasperre hat sich das Gastronomiegeschäft seit der Wiedereröffnung am 15. Mai laut Branchenvertretern teilweise nur schleppend entwickelt. Aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit - Stichwort Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit - wird oftmals auf Gastronomiebesuche verzichtet und es fehlen die ausländischen Gäste. "Diese Situation wird sich in den nächsten Tagen und Wochen - so wie es heute aussieht - nicht verbessern", sagte Rendi-Wagner. "Viele Wirte kämpfen um ihre Existenzen, kämpfen um ihr Weiterbestehen und stehen zum Teil mit dem Rücken zur Wand."

In Österreich gibt es rund 60.000 Gastronomiebetriebe, die im vergangenen Jahr mit über 145.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 9,1 Mrd. Euro erzielten. (TT.com, APA)


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