Après-Ski in Ischgl bis zum Abwinken – Trotz Corona und Sperre

Wie der Bericht des Landeskriminalamts zeigt, wurde trotz Après-Ski-Sperre in Ischgl zu lange gefeiert. Und in St. Anton musste die Polizei auch einschreiten. Die FPÖ hat bereits am Donnerstag die Behörden kritisiert.

Das Après-Ski wollte in Ischgl, aber auch in St. Anton trotz des Verbots bzw. der Beschränkungen nicht enden.
© Böhm Thomas

Innsbruck – Anfangs hat die Landessanitätsdirektion noch erklärt, dass die Übertragung des Coronavirus auf Gäste von Après-Ski-Bars aus „medizinischer Sicht eher unwahrscheinlich“ sei. Doch diese Meinung musste rasch revidiert werden, als Erstes wurde am 9. März das „Kitzloch“ in Ischgl wegen zahlreicher Ansteckungen von Mitarbeitern geschlossen. Am darauffolgenden Tag verordnete das Land dann am späten Nachmittag, dass alle Lokale umgehend zumachen müssen. Daran haben sich allerdings nicht alle Betreiber gehalten.

Wie bereits berichtet, wird im Abschlussbericht des Landeskriminalamts an die Staatsanwaltschaft Innsbruck darauf verwiesen, dass die Schließungen zunächst „offensichtlich nicht von allen Betrieben so umgesetzt wurden“. Am 11. März gab es dazu eine Besprechung mit der Gemeinde und den Tourismusverantwortlichen. In einer E-Mail um 11.31 macht die Polizei noch einmal klar, dass alle Après-Ski-Bars, unabhängig von der Konzession, ab 16 Uhr zu schließen sind. Erneut holperte es, laut Polizei-Kontrollen erschien eine zwangsweise Durchsetzung der Beschränkungen als nicht zweckmäßig.

Polizei musste auch in St. Anton einschreiten

Probleme gab es auch in St. Anton. Dort durften sich zu diesem Zeitpunkt in Lokalen nicht mehr als 100 Personen aufhalten, doch die Polizei musste nach Anzeigen ebenfalls einschreiten. Der Betreiber der betreffenden Bar hatte zuvor schon selbst die Security „zwecks Leerung der Lokalität angefordert“, wie es in einem Vermerk der Exekutive heißt. Das dürfte ihm aber keine Lehre gewesen sein. Denn am 12. März wiederholte sich der Vorgang, um 19 Uhr war dann endgültig Schluss mit der Party. Bekanntlich wurden das Paznaun und St. Anton tags darauf am 13. März unter Quarantäne gestellt.

Gestern veröffentlichte das Nachrichtenmagazin profil Fotos vom eigentlich verbotenen, aber munteren Partytreiben in Ischgl. „Seitens der Bezirkshauptmannschaft wurden jeweils alle gesetzlichen Möglichkeiten getroffen und ausgeschöpft, um die jeweiligen Après-Ski-Lokale schnellstmöglich behördlich zu schließen“, teilte das Land gestern in einer Stellungnahme mit. Die entsprechenden Verordnungen seien der Polizei umgehend zugeleitet worden – verbunden mit dem Ersuchen, diese zu exekutieren.

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„Die Tiroler Polizei führte die entsprechenden Kontrollen ebenso bestmöglich im Rahmen ihrer Möglichkeiten durch.“ Zudem verweist das Land auf das laufende Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft und die Berichterstellung der Expertenkommission. „Der Einsatzstab des Landes Tirol gewährleistet beiden Stellen vollständigen Zugang zu allen Unterlagen und Akten.“

Kritik von FPÖ und SPÖ

Die FPÖ erneuerte gestern ihre bereits Donnerstag geäußerte Kritik an den Behörden. „Auch die Exekutive ist in das behördliche Multiorganversagen involviert“, so Parteiobmann Markus Abwerzger. Er erwartet sich klare Konsequenzen von ÖVP-Innenminister Karl Nehammer und der Tiroler Polizeiführung.

Der stellvertretende SPÖ-Klubobmann und Gesundheitssprecher im Nationalrat, Philip Kucher, sieht vor allem Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Nehammer in der Verantwortung. „Sie können sich hier nicht wieder aus der Verantwortung stehlen. Nachdem man rund um das Chaos in Ischgl alles auf Gäste und Gastwirte geschoben hat, kann es nun nicht sein, dass man sich an den Polizisten abputzt.“ Kurz und Nehammer könnten nicht vom eigenen Versagen ablenken, bis Gras über die Sache wächst, empört sich Kucher. (pn)


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