Rodel-Boss Prock: „Es braucht kein Designerhaus beim Start“

Die Saison endete, als Corona seinen Ausgang nahm: Rodel-Legende Markus Prock (55) sorgt sich bereits 
um die Wettkämpfe im kommenden Winter.

So wie hier Rodellegende Markus Prock wollen auch seine Nachfolger ihre Spuren hinterlassen.
© GEPA pictures/ Walter Luger

Wie haben Sie die Corona-Auszeit verbracht?

Prock: Ich habe mich an die Vorgaben gehalten, bin nur zwei Mal wöchentlich für einen halben Tag ins Büro gefahren. In einem 3-Millionen-Euro-Betrieb sind immer ein paar Sachen zu regeln, der Kleinbetrieb muss weiterlaufen. Wir wollten die Maßnahmen als Verband einhalten, damit es nicht heißt: „Die Rodler!“

Nagte die Corona-Zeit am Verbandsbudget?

Prock: Wir haben mit Halbtagskräften 15 Leute, keiner war in Kurzarbeit. 80 Prozent unseres Budgets sind staatliches Geld, es lief alles normal. Die Sponsoren haben zu 90 Prozent bis 2022 unterschrieben, merken werden wir die Auswirkungen bei der Buchung von VIP-Tischen für den Weltcup und beim kleinen regionalen Sponsoring.

Also kam man zeitlich günstig davon?

Prock: Wir haben eine geplante Technologie-Vereinbarung mit dem Sportministerium am 13. März unterschrieben, also kurz vor dem Shutdown. Wenn das nicht geklappt hätte, müsste man das auch verstehen. Sport ist eine Nebensache, auch wenn es die wichtigste der Welt ist.

Aus sportlicher Sicht spielte die Zeit auch den Rodlern in die Hände ...

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaper

Prock: Wir waren privilegiert, brachten alle Rennen über die Bühne, gefolgt von Testtagen in Igls und am Königssee bis 14. März. Dann folgten wie jedes Jahr nur Analysen und Hometraining. Peter Penz (Ex-Rodler, Trainer, Anm.) lieferte manchen sogar Hantelstangen und Gewichte nach Hause ...

Wie sieht es mit Wettkämpfen im kommenden Winter aus?

Prock: Wichtig wäre eine Rennserie, wenn es nicht anders geht, auch ohne Zuschauer, selbst wenn die für die Atmosphäre natürlich besser wären. Für Einnahmen sind Tickets zu vernachlässigen, zu unserem Rennen in Igls kommen 1500 mit 10 Euro Eintritt. Das Budget von 250.000 Euro decken vor allem der internationale Verband, öffentliche Zuwendungen und Sponsoren.

Wie könnte so eine Saison ausschauen?

Prock: Eine Serie mit neun Weltcups und der WM in Whistler wäre geplant. Es gibt aber auch Planungen, auf den vier Bahnen in Deutschland und unserer in Igls jeweils zwei Mal zu fahren: Du hast zwar elf Bahnen in Europa – aber du tust dir aus Quarantäne-Sicht leichter, wenn du in keinen Flieger steigen musst. Man denkt über alle Szenarien nach, die USA sind ein Fragezeichen.

2026 sind Olympische Winterspiele mit Rodelbewerben in Cortina geplant. Dort muss eine Bahn gebaut werden – oder kommt doch Igls zum Zug?

Prock: Wir hatten kürzlich eine Bahnbaukommission in Bludenz, der Vertreter aus Cortina meinte: Es wird gebaut.

Wie sehen Sie das als Mitglied des Österreichischen Olympischen Komitees?

Prock: Sportlich gesehen und aus internationaler Sicht wäre eine Bahn in Italien natürlich wichtig. Die Anlage von Turin (Olympia 2006) war abgelegen, dort gab es keine Vereine, da tust du dir mit der Nachhaltigkeit schwer. Cortina hat eine Schlittensport-Tradition, dort braucht man sich über die Nachnutzung keine Sorgen machen. National wäre es für uns natürlich besser, wenn Igls zum Zug käme. Da wären die längst benötigte Überdachung und die Umbauten kein Thema.

Der Eiskanal-Sport ist kostenintensiv und wirft wie bei Olympia 2018 in Südkorea stets die Frage nach der Notwendigkeit auf.

Prock: Ich sehe das auch so: Grundsätzlich sprengen Olympische Spiele alle Rahmen – egal ob in Sotschi (2014) oder in Pyeongchang (2018), weil mit Bauten übers Ziel hinausgeschossen wird und keine Nachnutzung gewährleistet ist. Innsbruck (mögliche Bewerbung für 2026 scheiterte) wäre zurück zu den Wurzeln gewesen. Olympische Spiele in Lillehammer hieße lediglich, Sportstätten zu renovieren.

Wie sieht die Lösung aus?

Prock: Wir müssen einen Plan in der Schublade haben, dass eine Bahn höchstens 25 bis 30 Mio. Euro kostet. Du brauchst keinen futuristischen Bau am Start, es reicht ein Fertigteilhaus. Das muss nur bedingt isoliert sein, es wohnt ja keiner drin. Es braucht auch kein Designerhaus wie in Igls, leider haben wir hier nicht mitreden können. Für Olympia tun es mobile Zubauten auch.

Sie sehen in der neuen Bludenzer Bahn ein Zukunftsprojekt?

Prock: 7,6 Millionen Euro betragen die Kosten für 700 Meter, auch internationale Verbände zahlen mit. Du brauchst keinen Starttempel und keine Autobahn zum Startbereich. Ein Beispiel der Winterspiele 2022 in Peking: Für die Dopingkontrolle, hieß es, reichen 70 Quadratmeter. Als man kürzlich zu einer Inspektion vor Ort war, waren es plötzlich 270! Das brauchst du nie mehr, die Bahn kostet sicher jenseits der 100 Millionen Euro. Bludenz ist ein Prototyp. Man muss dem IOC sagen können: „Schaut’s, wir haben hinsichtlich Kostenreduktion was in der Schublade!“

Was ist das Problem Olympischer Spiele?

Prock: Jeder Veranstalter will zeigen, was er kann und wie stark er ist. Das ist aber nicht im Sinne des Sports und der Funktionäre. Brauche ich ein Fußballstadion mit acht Whirlpools, Infrarotkabinen und so weiter, wenn nach einer Großveranstaltung die Nachnutzung fehlt? In der Bundesliga brauche ich das nicht. Es soll schon was Gescheites gebaut werden, aber mit Hirn. Sonst wird sich irgendwann jemand die Frage stellen: Braucht es das alles?

Bei der Infrastruktur setzte man mit der neuen Bahn in Bludenz einen Meilenstein.

Prock: Das ist einmalig: Wir haften für bauliche Mehrkosten und den anfallenden Betriebskosten-Abgang, haben für die Umsetzung der Infrastrukturmaßnahmen Sponsoren und internationale Verbände gewinnen können. Nun geht es um die nächste bauliche Maßnahme: eine künstlich vereiste Startanlage in Innsbruck am Areal der Olympiaworld. Die alte beim ÖSV-Gelände ist seit geraumer Zeit baufällig. Wünschenswert wäre nun eine neue, den internationalen Standards entsprechende Anlage neben dem neuen Football-Stadion.

Das Gespräch führte Florian Madl


Kommentieren


Schlagworte