Innsbrucker Theater Melone geht mit virtueller Premiere neue Wege

Ab heute wird das Stück „Mechanische Tiere“ – das sich aberwitzig in den Corona-Lifestyle einfügt – vom Theater Melone in die Wohnzimmer gestreamt. Regisseur Florian Hackspiel macht sich derzeit große Sorgen um die Künstler, nicht aber um die Kunst selbst.

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Die Darstellerinnen und Darsteller Claudia Carus, Rosalie Maes, Angela Schausberger und Wolfgang Oliver werden in "Mechanische Tiere" aus Webcam-Perspektive zu sehen sein.
© Theater Melone

Innsbruck – Den Finger auf den Puls der Zeit legt das Innsbrucker Theater Melone mit dem virtuellen, länderübergreifenden Schauspiel „Mechanische Tiere“ – das man sich ab heute Abend ins Wohnzimmer streamen kann. Das Stück von Rebekka Kricheldorf aus dem Jahr 2009 ist aktueller denn je und fügt sich laut Ankündigung „herrlich aberwitzig und absurd in den allgegenwärtigen Corona-Lifestyle“ ein.

Regisseur Florian Hackspiel, die vier DarstellerInnen sowie Ausstatter und Musiker haben das Stück via Webcam aus Österreich, Deutschland und Luxemburg erarbeitet. Verfangen in ihren Mustern und Zwängen stürzen sich die Figuren in Sehnsüchte und Verlangen. Ein Wettlauf zwischen dem Ich und der "Welt da draußen". Wer ist am Ende zuständig für das eigene Glück? Die Österreich-Premiere von „Mechanische Tiere“ verspricht ein neuartiges Heim-Theatererlebnis zu werden.

🎭 Theater-Tipp

Mechanische Tiere, 13. Juni, 20:15 Uhr – 15. Juni, 16:15 Uhr verfügbar auf der Streamingplattform „4Gamechangers Roomservice“

Ein "Ticket" kostet 10 Euro.

Mehr Infos unter www.theatermelone.at

Viel Inspiration, aber prekäre Lage für Theaterleute

Gegenüber der Tiroler Tageszeitung bezeichnet Theatermacher Florian Hackspiel die Situation in der Krise einerseits als „spannend und inspirierend“ für die freie Theaterszene, andererseits macht er sich Sorgen um die Künstlerinnen und Künstler. „Jeder, der in Kurzarbeit geht, hat im Vergleich zu uns ein sorgloses Leben.“ Die freie Kulturszene werde mit Almosen abgespeist.

Theatermacher Florian Hackspiel.
© Marlene Heiß

Hackspiel plädiert für die bedingungslose staatliche Entschädigung von Einnahmenausfällen nach dem Vorbild Luxemburgs. Es könne nicht sein, dass der festangestellte Verwaltungsapparat von Theaterbetrieben in Kurzarbeit geht und gleichzeitig Künstler, die auf Honorarbasis arbeiten, durch die Finger schauen.

Als nächste „normale“ Produktion hat Hackspiel eine Kindertheater-Uraufführung im Oktober geplant. Aber auch dabei ist aufgrund der Corona-Situation noch vieles im Ungewissen. Fest überzeugt ist er davon, dass die Gesellschaft das „Elixier Kunst“ brauche – gerade in dieser Zeit. „Kunst findet immer statt. Solange der Mensch atmet.“ (siha, TT.com)


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