Konsum erholt sich nach Corona-Einbruch, Pleitewelle droht

Mit dem Ende der Maskenpflicht in Tirol sind die Kunden in die Läden zurückgekommen. Viele Händler kämpfen dennoch ums Überleben, warnt Handelsobmann Wetscher.

Der heimische Sporthandel verzeichnet nach dem Corona-Lockdown Nachhol­käufe. Vor allem Fahrräder sind gefragt.
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Von Stefan Eckerieder

Innsbruck – Mit dem Ende der Maskenpflicht im Handel am vergangenen Montag ist bei vielen Tirolerinnen und Tirolern die Kauflaune wieder gestiegen. Vom Aufschwung profitieren jedoch nicht all­e Händler. Martin Wetscher, Handelsobmann in der Tiroler Wirtschaftskammer, warnt vor einer Pleitewelle.

„Dass die Maskenpflicht gefallen ist, hat zu einer deutlichen Frequenzsteigerung geführt. Auch die Verweildaue­r ist gestiegen. Und wer länger im Geschäft bleibt, kauft auch mehr“, sieht Wetscher eine „sehr positive Entwicklung“. Aufholen könne man aber die Verluste des Corona-bedingten Lockdowns ab 16. März nicht mehr. Das Minus sei zudem sehr ungleich auf die Handelssparten verteilt.

Die Lebensmitteleinzelhandelsketten würden laut dem Handelsobmann während den Corona-Einschränkungen zu einem ausgeglichenen Ergebnis kommen, während klein­e Lebensmittelhändler wie Bäcker oder Metzger ebenso wie Lebensmittelgroßhändler Verluste im hohen zweistelligen Prozentbereich ver­buchen. Im Sporthandel mache sich hingegen ein Nachholeffekt bemerkbar. „Die E-Bikenachfrage ist extrem stark“, sagt Simon Franzoi, der neue Gremial­geschäftsführer in der WK. Auch bei Wander- und Kletterausrüstung und Mountainbikes würden die Einkäuf­e, die üblicherweise im Frühjahr stattfinden, nachgeholt werden. Hier spürt man laut Wetscher auch, dass Kampagnen, die zum Einkauf bei regionalen Händlern aufrufen, wie etwa „Ja zu Tirol!“, gefruchtet hätten. „Dafür sind wir den Tirolern sehr dankbar.“

Schwieriger sehe es im Mode­handel aus, erklärt Wetscher: „Hier könnte uns im Herbst eine Insolvenzwelle erreichen.“ Die Insolvenzquote im Modehandel liege bereits jetzt bei sieben Prozent. Vor allem dort, wo der Handel stark auf den Tourismus angewiesen sei, sei die Lage für Mod­e-, aber auch Sporthändler ernst, so der Handelsobmann, der vor einem Strukturwandel warnt: „Der lokale Händler hat auch etwas mit Lebensqualität und dem Ortsbild zu tun. Verschwinden die Händler, leidet auch der Wirt.“

Für Händler, die eng mit dem Tourismus verzahnt sind, kündigt Wetscher weitere Hilfsgelder an. „Wir sind im engen Kontakt mit der Bundesregierung. Hier wird in den nächsten Tagen etwas kommen.“ Die Grenzöffnungen habe aber bereits zu einer „Aufhellung der Stimmung“ in den Tourismus­regionen geführt.

Ziel müsse es aber sein, dass die Unternehmen einen Lockdown künftig selbst bewältigen können, sagt Wetscher. Er fordert, dass „Betriebe die Möglichkeit bekommen, Eigenkapital aufzubauen“. Etwa indem Gewinne der Betrieb­e von Steuern unangetastet bleiben. „Das gibt ihnen Möglichkeiten zu investieren oder, wenn was passiert, eigene Ressourcen zu nutzen.“

„Das große Ganze fehlt“

Das Ende der Maskenpflicht hab­e zwar die Kauflaune der KonsumentInnen erhöht, der Wegfall der Touristen könne aber nicht kompensiert werden, sagt Kaufhaus-Tyrol-Center­manager Sebastian Schneemann. „Wir Einkaufszentren investieren viel in Marketingaktionen, um Kunden zu gewinnen. Von Seiten der Stadt kommt aber nichts“, fordert der Kassier des Innenstadtvereins ein Konzept samt Sonderbudget der Stadt Innsbruck, um Kunden aus dem Umland nach Innsbruck zu bringen. Schneemann hofft auf ein Verkehrskonzept mit verbilligten Öffis sowie Gutscheinaktionen. „Es fehlt das große Ganze, ein Zusammenschluss von Stadt und Land.“ (ecke)


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