Leere Ränge: Trump-Kundgebung wurde offenbar Opfer von TikTok-Protest

Der Neustart seines Wahlkampfs ist für US-Präsident Donald Trump bei der ersten Massenkundgebung seit Beginn der Corona-Krise enttäuschend verlaufen. Bei der Veranstaltung in einer Arena in Tulsa (Oklahoma) am Samstagabend blieben zahlreiche der rund 19.200 Plätze leer. Offenbar haben TikTok-Nutzer diese blockiert.

Donald Trump bei der Ankunft in der Arena in Tulsa.
© AFP/Kamm

Washington – Nutzer des sozialen Netzwerks TikTok haben möglicherweise zu den hohen erwarteten Besucherzahlen beim Wahlkampfauftritt von US-Präsident Donald Trump in Tulsa beigetragen – bei dem am Ende zahlreiche Plätze leer blieben. Der Sender CNN berichtete am Sonntag, auf dem meist von Kindern und Jugendlichen genutzten Netzwerk habe es koordinierte Bemühungen gegeben, sich kostenlos für ein Ticket zu registrieren, dann aber nicht zu der Veranstaltung im Bundesstaat Oklahoma zu erscheinen.

Zahlreiche Plätze in den Rängen blieben leer.
© AFP/Kamm

Eine ältere Nutzerin namens Mary Jo Laupp, die sich als „TikTok-Großmutter“ bezeichnet, sagte in ihrem Video: „All jene von uns, die diesen Saal mit 19 000 Sitzplätzen kaum gefüllt oder völlig leer sehen wollen, gehen jetzt Karten reservieren und lassen ihn (Trump) dort allein auf der Bühne stehen.“ Ihr Aufruf skizzierte die Idee eines „No Show“-Protests bereits vorletzten Freitag. In anderen Videos zeigten sich allen voran junge Nutzer erfreut, sich für die Trump-Veranstaltung registriert zu haben. „Oh mein Gott, habe mich gerade für Trumps Rally registriert und bin so aufgeregt, nicht hinzugehen“, hieß es zum Beispiel.

Leute hätten sich so laut einem Bericht von Bloomberg über Social-Media-Kanäle organisiert – teils unter falschen Namen und mittels temporären E-Mail-Konten. Die Aufrufe wurden nicht nur verbal kommuniziert, sondern TikTok entsprechend auch tanzend. Oft wurde dabei etwa zum Lied „Macarena“ (1993) getanzt.

📽 Video | „Trumps Rally wird leer sein"

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Wahlkampfmanager bestreitet TikTok-Einfluss

Trumps Wahlkampfmanager Brad Parscale sagte CNN am Wochenende, „Linke und Online-Trolle“ bildeten sich ein, einen Einfluss auf die Teilnehmerzahl von Trump-Kundgebungen zu haben. Sie lägen damit aber falsch. Vor der Kundgebung in Tulsa seien Zehntausende falsche Handynummern aussortiert worden. Laupp beispielsweise hatte allerdings zur Registrierung mit der eigenen Handynummer aufgerufen – und darauf verwiesen, dass man Textnachrichten von Trumps Wahlkampfteam danach jederzeit wieder abbestellen könne.

Angefordert wurden seit 11. Juni Name, E-Mail-Adresse, Mobilfunknummer, Postleitzahl und Bundesstaat. Ein Bestätigungscode für die Registrierung kam per SMS. Schon kurz nach der Ankündigung des Trump-Teams hätten laut NYT die ersten K-Pop-Fans in Sozialen Netzwerken vorgeschlagen, sich zu registrieren, aber eben nicht hinzugehen. Die Idee schwappte auf TikTok über, wo in Videos mit Millionenaufrufen dazu ermuntert wurde, dasselbe zu tun.

In den Sozialen Netzwerken fanden sich am Sonntag mehrere Kommentare von Eltern, die berichteten, ihre Kinder und deren Freunde hätten bei den Onlineaktionen mitgemacht. Der Comedian und Rapper Elijah Daniel behauptete, er allein habe 20 Tickets angefragt – woraufhin auch viele andere Twitter-Nutzer Ähnliches angaben.

📽 Video | Elijah Daniel auf Twitter

Der frühere Wahlkampfstratege der Rupublikaner, Steve Schmidt, twitterte am Samstag: „Meine 16-jährige Tochter und ihre Freunde in Park City Utah haben Hunderte Tickets. Ihr seid von Amerikas Jugendlichen reingelegt worden“. Der Tweet bekam bis Montag mehr als 128.000 Likes. Viele antworteten, sie oder ihre Kinder hätten das Gleiche getan.

Tweet von Steve Schmidt

Trumps Wahlkampfberaterin Mercedes Schlapp machte am Sonntag im Sender Fox News wiederum Demonstranten für die ausgebliebenen Besucher verantwortlich. Fox-News-Moderator Chris Wallace lieferte sich daraufhin einen hitzigen Schlagabtausch mit Schlapp. Er sagte, Demonstranten hätten Unterstützer nicht von der Teilnahme abgehalten. „Es lässt euch Leute albern aussehen, wenn ihr die Realität dessen verleugnet, was passiert ist.“

Trump prahlt regelmäßig damit, dass er bei seinen Kundgebungen große Hallen füllen könne. Er hatte vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass sich fast eine Million Menschen um Tickets für die Veranstaltung in der rund 19 200 Menschen fassenden Arena in Tulsa beworben hätten. Tatsächlich blieben Tausende Plätze leer. (dpa/TT.com)


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