Schlaganfall: Bei Kathetereingriff kürzere Beatmungsdauer besser

Alle sechs Minuten erleidet in Österreich jemand einen Schlaganfall. Die Entfernung des Blutgerinnsels aus dem betroffenen Gehirngefäß kann lebensrettend sein. Für den Verlauf und die Genesung spielt auch die Dauer der künstlichen Beatmung nach dem Eingriff eine wichtige Rolle, fanden Forscher heraus.

(Symbolbild)
© Getty Images/iStockphoto

Graz – Bei schweren Schlaganfällen kann die Entfernung des Blutgerinnsels aus dem betroffenen Gehirngefäß per Katheter (Thrombektomie) lebensrettend sein. Für den Krankheitsverlauf und die Genesung spielt auch die Dauer der künstlichen Beatmung nach dem Eingriff eine wichtige Rolle, haben Experten der Med-Uni Graz erkannt. Ihre Erkenntnisse haben sie im European Journal of Neurology dargelegt.

Rund alle sechs Minuten erleidet in Österreich jemand einen Schlaganfall. Bei den meisten Schlaganfällen liegt eine plötzlich auftretende Durchblutungsstörung im Gehirn vor, die durch einen Gefäßverschluss verursacht wird. Dann geht es darum, das Gerinnsel so schnell wie möglich zu beseitigen. Wenn große Gerinnsel (Thrombus), die Hirngefäße verstopfen, steht in größeren Kliniken die Möglichkeit der mechanischen Thrombektomie per Katheter zur Verfügung. Am LKH-Universitätsklinikum Graz werden solche diffizilen Eingriffe bei schweren Schlaganfällen mit Verschlüssen großer Gehirngefäße seit mehreren Jahren von der Klinischen Abteilung für Neuroradiologie, vaskuläre und interventionelle Radiologie durchgeführt. Für kleinere Gefäßverschlüsse ist die medikamentöse Auflösung des Gerinnsels (Thrombolyse) die Standardtherapie, schilderte Simon Fandler-Höfler von der Uniklinik für Neurologie im Gespräch mit der APA.

"Die mechanische Thrombektomie wird häufig unter Vollnarkose durchgeführt, was eine künstliche Beatmung erforderlich macht", berichtete der Erstautor der Studie. Er hat gemeinsam mit Grazer Kolleginnen und Kollegen der Klinischen Abteilung für Neuroradiologie, vaskuläre und interventionelle Radiologie und der Uniklinik für Anästhesie und Intensivmedizin untersucht, welchen Einfluss die Beatmungsdauer nach dem Kathetereingriff auf den langfristigen Behandlungserfolg hat. Dazu wurden rund 450 Schlaganfallpatienten in eine Studie eingeschlossen, die innerhalb der vergangenen acht Jahre in Graz mittels mechanischer Thrombektomie unter Vollnarkose behandelt wurden. Als guter Erfolg wurde definiert, wenn Patienten drei Monate nach dem Schlaganfall wieder ein unabhängiges Leben führen konnten. Zusätzlich wurde die Rate der aufgetretenen Lungenentzündungen erhoben.

"Durch kürzere Beatmungszeit geringere Langzeitfolgen"

"Unsere Beobachtungen haben gezeigt, dass eine kürzere Beatmungszeit mit einer besseren Prognose und geringeren Langzeitfolgen des Schlaganfalls verbunden war", fasste Fandler-Höfler zusammen. Eine längere Beatmungszeit (mehr als sechs Stunden) war mit einem höheren Risiko für Lungenentzündungen während des Aufenthalts auf der Intensivstation bzw. der Stroke Unit verbunden. Verglichen mit einer raschen Beendigung der künstlichen Beatmung und Narkose, stieg die Rate an Lungenentzündungen bei verzögerter Extubation auf den dreifachen Wert an.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

"Für uns war es überraschend zu sehen, welchen großen Unterschied die Beatmungszeit macht. Ideal wäre es daher, wenn die Extubation so früh wie 'sicher möglich' erfolgt", resümierte der Mediziner. Zur Absicherung der bisherigen Ergebnisse wäre eine weitere, prospektive Studie ideal, so Fandler-Höfler.

Auch Blutdruck spielt wichtige Rolle

In einer weiteren Untersuchung erkannten die Forscher an der Med-Uni Graz, dass auch der Blutdruck eine wichtige Rolle spielt. Hier zeigte sich, dass ausgeprägte Blutdruckabfälle während des Eingriffs mit einer schlechteren Prognose verbunden sind. Aus Sicht der Grazer Experten dürften sich auch daraus Schlüsse über eine individuellere Narkoseführung während der mechanischen Thrombektomie ableiten lassen.

Weitere Forschungsvorhaben zur verbesserten und individualisierten Schlaganfallbehandlung werden in Graz von Thomas Gattringer (Leiter der Forschungsgruppe) und Christian Enzinger, dem supplierenden Leiter der Klinischen Abteilung für allgemeine Neurologie, koordiniert. Dabei will man die Gehirndurchblutung nach Thrombektomie mittels Ultraschall und Magnetresonanztomographie näher untersuchen, prognoserelevante Blut-Biomarker finden und den Einfluss von Begleiterkrankungen wie Nieren- und Leberfunktionsstörungen auf Schlaganfallpatientinnen und -patienten beleuchten. (APA)


Kommentieren


Schlagworte