Putin schlägt Steuererhöhung für wohlhabendere Russen vor

Wladimir Putin will reiche Russen stärker besteuern. Die Corona-Krise und deren Folgen haben ein tiefes Loch in die russische Staatskassa gerissen.

Russlands Präsident Wladimir Putin.
© Alexey NIKOLSKY / SPUTNIK / AFP

Moskau – Russlands Präsident Wladimir Putin hat eine Steuererhöhung für wohlhabendere Bürger vorgeschlagen. Für Jahreseinkünfte über fünf Millionen Rubel (etwa 64.300 Euro) solle ab Jänner eine Einkommenssteuer von 15 Prozent statt gegenwärtig 13 Prozent gelten, sagte Putin am Dienstag in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache.

Die Corona-Pandemie und die niedrigen Ölpreise haben die Wirtschaftskrise in Russland massiv verschärft. Der Staat braucht dringend Geld, um die versprochenen sozialen Wohltaten zu bezahlen. Putin begründete die Steuererhöhung offiziell damit, dass kranke Kinder besser behandelt werden und gute Medikamente bekommen sollten.

Die zusätzlichen Einnahmen würden dem Haushalt etwa 60 Milliarden Rubel (770 Millionen Euro) im Jahr bringen, sagte er. Durch die Massenarbeitslosigkeit infolge der Corona-Krise brechen dem Haushalt etwa Einnahmen aus der Einkommensteuer weg. Um die Staatskassen zu füllen, hatte Russland Anfang 2019 auch die Mehrwertsteuer von 18 auf 20 Prozent erhöht. Das hatte zu massiver Kritik geführt.

Tiefes Loch im Staatshaushalt

Der niedrige Ölpreis hatte zur Entwertung des Rubels gegenüber dem Dollar und dem Euro geführt. Im Haushalt entstand damit ein großes Defizit, weil der Staatsetat der Rohstoffgroßmacht zu großen Teilen auf Grundlage des Dollar-Ölpreises berechnet wird.

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Gut eine Woche vor der Abstimmung zur größten Verfassungsänderung der russischen Geschichte, mit der Putin seine Macht bis 2036 sichern kann, kündigte er in der TV-Ansprache vorübergehend weitere Gehaltszuschläge für medizinisches Personal und Beschäftigte in sozialen Berufen wie Lehrer und Pfleger an. Zudem gibt es im Juli und August noch einmal mehr Arbeitslosengeld.

Für Juli versprach Putin wegen der Corona-Krise Familien außerdem erneut eine Sonderzahlung von 10.000 Rubel (128 Euro) je Kind. Auch Unternehmen sollen weiter vom Staat unterstützt werden. "Niemand wird dem Elend überlassen, ganz Russland kommt auf jeden Fall zu Hilfe."

Putin will Jugendlichen Recht zu Selbständigkeit einräumen

Der Kremlchef will zugleich die IT-Wirtschaft ankurbeln. Sie solle steuerlich entlastet werden. Außerdem sollen sich bereits Jugendliche selbstständig machen können. Dies solle künftig mit 16 Jahren möglich sein statt wie bisher mit 18. "Schätzungsweise könnten etwa drei Millionen Bürger von diesem Recht Gebrauch machen", meinte Putin.

Das Durchschnittseinkommen pro Monat lag zuletzt laut Statistikbehörde Rosstat bei 47.254 Rubel (606,74 Euro). (APA, dpa, Reuters)


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