Grünes Licht für Schwimmhalle: Innsbruck bekommt nun doch 50-m-Becken

Dem Nein von Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi zu einem 50-m-Hallenbad folgte eine hitzige Diskussion im Gemeinderat – und demnächst eine Fortsetzung.

Ohne Trainingsmöglichkeit werden Tirols Talente wie Xaver Gschwentner (Bild) auch weiter in andere Bundesländer auswandern.
© GEPA pictures/ Hans Oberlaender

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Bis kurz nach Mitternacht gingen am Donnerstag im Innsbrucker Gemeinderat die Wogen hoch: Das Projekt „50-m-Schwimhalle“ erhitzte rund zweieinhalb Stunden die Gemüter. Bürgermeister Georg Will­i hatte den Bad-Plänen am 6. Juni bekanntlich eine Absage erteilt. In einem dringenden Antrag (FPÖ und Abänderung SPÖ) ging es um die Fortsetzung der Gespräche. Und Willi wehrte sich emotional: „Wo sollen die elf Millionen herkommen? Wir können gerne ,Wünsch dir was‘ spielen.“ Man könne ihm aber den Auftrag geben zu verhandeln: „Ich werde leere Kilometer und Runden im Land machen und jede Woche dieselbe Geschichte erzählen.“

Man müsse bei einer Umsetzung woanders streichen: „Wenn dann alle lustig in das Becken reinhupfen und wir ein Bundesleistungszentrum im Schwimmen, aber leider keine Kindergartenplätze haben, dann könnt ihr euch bei der Mehrheit im Gemeinderat bedanken.“

Klagenfurt und Salzburg stehen schon bereit

Die Reaktionen folgten wie nach dem Startschuss bei einem Wettkampf: Abänderungsantragstellerin und Sportstadträtin Elisabeth Mayr (SPÖ) kritisierte die Polemik des Bürgermeisters, da das Projekt ja auch im Arbeitsübereinkommen festgeschrieben sei. Es gehe nicht nur um Spitzensportler, sondern vor allem um Wasserfläche für alle. Mayr sprach von einem Ausspielen der Themen und forderte, die Chance durch Zusagen des Bundes (5 bis 6 Mio. €) müsse jetzt genutzt werden: „Das Zeitfenster ist klein. Klagenfurt und Salzburg stehen schon bereit.“

FPÖ-Stadträtin Andrea Dengg meinte indes, Will­i möge die Kalkulationen doch allen mitteilen und „zu den Grün-Kollegen und dem Sportminister nach Wien fahren“: um zu sehen, was möglich sei. Als Henne-Ei-Problem bezeichnete Klubobmann Lucas Krackl (Für Innsbruck) die Projektentwicklung und hält Willis Vorgehen jetzt für das falsche Signal: „Es wird eine Vorleistung der Stadt nötig sein.“ Zumal es energetisch problematisch sei, in das stark sanierungsbedürftige Höttinger-Au-Bad noch viel Geld zu investieren.

Mesut Onay (Alternative Liste) hielt es für eine Dreistigkeit zu fragen, wo das Geld herkommen solle, Willi möge doch die Karten, also Finanzen, der Stadt offenlegen.

Gerald Depaoli (Gerechtes Innsbruck) kritisierte vor allem den Alleingang des Bürgermeisters: „Für mich ist es ein Misstrauensantrag gegen die voreilige Entscheidung.“ Nicht einmal den eigenen Partner in der Koalition zu informieren, sei ein „No-Go“.

Gerhard Fritz (Grüne) stand dem Bürgermeister naturgemäß zur Seite: Sich das Bad zu leisten, sei ein Luxus, und im Schwimmen zur Weltspitze zu gehören, „kein wesentlich stadtpolitisches Thema“.

OSV-Vizepräsident Opatril: „Emotional erleichtert"

Um 0.06 Uhr wurde schließlich ein neuerlich abgeänderter Antrag mit den Stimmen der Grünen angenommen: Die Stadt Innsbruck bekennt sich erneut zum Vorhaben, vor dem Grundsatzbeschluss keine weitere Badsanierungen vorzunehmen – Bürgermeister Willi wird beauftragt, ehestmöglich in Verhandlungen zu treten, eine Arbeitsgruppe zu errichten und dem Stadtsenat monatlich zu berichten. Die seit nunmehr knapp 40 Jahren laufenden Planungen gehen damit in die nächste Runde – eine weitere.

Das freut jedenfalls den Tiroler Stefan Opatril, ehemaliger Olympiateilnehmer und Vize­präsident der österreichsichen Schwimmverbandes: „Ich bin emotional erleichtert, dass jetzt auch die Bürgermeisterpartei zugestimmt hat und alle an einem Strang ziehen wollen – trotz schräger Meldungen in der Gemeinderatssitzung. Ich hoffe, Bürgemeister Willi hat den Auftrag jetzt richtig verstanden, und er fährt nicht nur zum Betteln nach Wien, sondern stellt als Finanzreferent der Stadt dann auch die Mittel zur Verfügung. Jetzt bin ich aber erst einmal froh und freue mich. Wer aufgibt, wird sonst einfach vergessen.“

Auf seine Zusage hat Tirols LHStv. und Sportreferent Josef Geisler jedenfalls nicht vergessen: „Das Land Tirol steht nach wie vor zum bereits mündlich mehrfach zugesagten Landesbeitrag für die Errichtung der leistungssportrelevanten Anlagenteile des Projekts in Höhe von 8,33 Millionen Euro.“


Kommentieren


Schlagworte