Steiermark-Wahlen: ÖVP und SPÖ legten zu, FPÖ verliert stark

Die ÖVP und die SPÖ dürfen sich zu den Gewinnern der steirischen Gemeinderatswahlen am Sonntag rechnen, die Blauen verloren in vielen Kommunen. Wermutstropfen: Eine um rund zehn Prozentpunkte gesunkene Wahlbeteiligung.

Eine Wählerin mit Schutzmaske.
© ERWIN SCHERIAU

Graz – Die Gemeinderatswahlen in der Steiermark vom Sonntag haben landesweit starke Gewinne für die ÖVP, einen leichten Zuwachs für die SPÖ und Grüne sowie herbe Verluste für die FPÖ gebracht. Die ÖVP kam insgesamt auf ein Ergebnis von 47,18 Prozent bei einem Plus von 4,46 Prozentpunkten. SPÖ erreichte insgesamt 31,86 und die FPÖ 8,20 Prozent. Die Grünen kamen auf 4,75 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung sank um rund 10 Prozentpunkte.

Die ÖVP war in allen der 285 steirischen Gemeinden (ohne Graz, wo nicht gewählt wurde) angetreten, die SPÖ in 278. Die Sozialdemokratie legte insgesamt um 0,29 Prozentpunkte minimal zu, die Grünen (in 102 Gemeinden angetreten) steigerten sich um 1,42 Prozentpunkte.

Großer Verlierer bei den Gemeinderatswahlen war die FPÖ (in 233 Gemeinden kandidiert), die ein Minus von 5,66 Prozentpunkten hinnehmen musste - nachdem sie 2015 bei den Wahlen im Zeichen der Gemeindezusammenlegungen und beginnenden Flüchtlingskrise stark zugelegt hatte.

© APA-Grafik

In einigen Städten kam es zu überraschenden Machtwechsel, wie etwa im oberstirischen Wallfahrtsort Mariazell von SPÖ zu ÖVP oder in der Eisenbahnerstadt Selzthal von SPÖ zu ÖVP - auf lokaler Ebene eine absolute Sensation. Auch das tiefrote Eisenerz ging den Sozialdemokraten an die Schwarzen verloren, die traditionell starke KPÖ büßte hier ebenfalls Mandate ein. Die Kommunisten schwangen sich dafür im obersteirischen Trofaiach zur deutlich zweistärksten Partei hinter der SPÖ auf.

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Die SPÖ konnte überhaupt in den meisten ober-, west- und oststeirischen Industriestädten ihre Mehrheit ausbauen und oft sogar eine Zweidrittelmehrheit erringen - was bei vergangenen Wahlen nicht selbstverständlich gewesen war. Die ÖVP lukrierte zwar viele Zugewinne, verlor aber auch vereinzelt: In Schladming und Haus im Ennstal ging die Mehrheit an Bürgerlisten.

Die KPÖ hielt ihre Mandatszahl, die FPÖ musste herbe Verluste hinnehmen, die Grünen sprangen deutlich über 100 Sitze in den Gemeindestuben. Auch NEOS reüssierten im bescheidenen Bereich.

📽 Video | Wahlen im Schatten von Corona:

Einziger FPÖ-Bürgermeister ist Geschichte

Der einzige FPÖ-Bürgermeister in der Bergbaugemeinde Breitenau (bisher Halbzeitlösung mit der ÖVP) ist Geschichte. Die ÖVP holte die Absolute von 33,65 auf 57,68 Prozent. SPÖ und FPÖ (diesesmal als Liste) verloren stark. In Neuberg an der Mürz – Heimatgemeinde von FPÖ-Abg. Hannes Amersbauer – hat die ÖVP die Absolute, die FPÖ büßte eines von drei GR-Mandaten ein.

In Spital am Semmering, wo die FPÖ stets gegen ein Asylwerberquartier aufgetreten war, verloren sie von 17,4 Prozent auf 6,95 Prozent. Hier baute die SPÖ ihre Bastion aus. Die SPÖ überraschte da und dort: In Turnau (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag) verdoppelte der junge und engagierte Bürgermeister und LAbg. Stefan Hofer von 48,32 auf 80,07 Prozent und zertrümmerte Schwarze und Blaue.

Beinah ungetrübte Freude auf Bundesebene

Freudige Reaktionen kamen nach den steirischen Gemeinderatswahlen aus den Parteien auf Bundesebene. SPÖ, Grüne und NEOS freuten sich ob der Zugewinne. Einzig die FPÖ, die beinahe halbiert wurde, kommentierte das Ergebnis äußerst knapp.

"Die Rekordergebnisse von 2015 konnten nicht erreicht werden", sagte ein FPÖ-Sprecher der APA. Dennoch freue man sich über einzelne positive Ergebnisse, etwa über das Plus in Deutschfeistritz oder Stainz.

Die SPÖ freute sich über ein Plus trotz der Corona bedingt schwierigen Bedingungen. "Besonders erfreulich" sei der "Aufschwung in vielen Städten", betonte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch.

"Kräftiger Wachstumsschub" für NEOS

Über die "großartigen Ergebnisse" freute sich auch Grünen-Bundesgeschäftsführerin Angela Stoytchev. Man habe mit guter Politik in den vergangenen Jahren sowie mit den wichtigen Zukunftsthemen Klima- und Umweltschutz im Wahlkampf punkten können.

Einen "kräftigen Wachstumsschub" für NEOS sah Generalsekretär Nick Donig. "Beachtlich" sei, das in einigen Gemeinden das Ergebnis im Vergleich zu den Landtagswahlen mit so kurzer Vorbereitungszeit noch einmal "deutlich" gesteigert werden konnte, meinte der pinke Generalsekretär. (APA)


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