Erinnerung an Sklaverei: Mississippi trennt sich von umstrittener Flagge

Die Flagge des US-Bundesstaats Mississippi war die letzte, die an die einstigen Südstaaten erinnerte. Im Bürgerkrieg hatten die Konföderierten für den Erhalt der Sklaverei gegen den Norden der USA gekämpft. Nun wird die Flagge ausgetauscht.

Die ehemalige Flagge von Mississippi wird nun abgehängt.
© RORY DOYLE

Jackson (Mississippi) – Inmitten der Rassismusdebatte in den USA haben sich beide Kammern des Parlaments in Mississippi mit großer Mehrheit für eine Änderung der umstrittenen Flagge des südlichen Bundesstaats ausgesprochen. Die seit 1894 gültige Fahne erinnert an die einstigen Sklavenhalter im amerikanischen Süden, die sogenannten Konföderierten.

Medienberichten zufolge war Mississippi der letzte US-Staat, dessen offizielle Fahne noch an die Konföderierten erinnerte. Der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai und die darauffolgenden Proteste gegen Rassismus hatten Gegnern der Flagge neuen Rückenwind verliehen.

Die Südstaaten hatten im Bürgerkrieg mit dem Norden von 1861 bis 1865 vergeblich für den Erhalt der Sklaverei gekämpft. Der Senat von Mississippi stimmte mit 37 gegen 14 Stimmen für die Entfernung der Südstaaten-Symbolik aus der Fahne. Kurz zuvor hatte bereits das Repräsentantenhaus des Bundesstaats mit 91 gegen 23 Stimmen für diese Maßnahme gestimmt.

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Neue Fahne muss noch gefunden werden

In die bisherige Flagge von Mississippi ist die frühere Konföderierten-Fahne mit dem sternenbesetzten blauen Kreuz auf rotem Grund integriert. Wie die neue Fahne aussehen soll, ist noch nicht geklärt. Dem Gesetz zufolge soll nun eine Kommission bis Mitte September die neue Flagge ausarbeiten. Sie soll das Motto "Wir vertrauen auf Gott" enthalten und am 3. November – parallel zur Präsidentenwahl – den Wählern zur Abstimmung vorgelegt werden.

Senator John Horhn von der Demokratischen Partei sagte, die bloße Änderung der Fahne reiche zwar nicht aus, um die fortbestehenden Auswirkungen der rassistisch geprägten Vergangenheit zu beheben. Doch handle es sich um einen "großen Schritt" auf dem Weg zur Anerkennung der Würde aller Menschen.

Im Zuge der seit Wochen in den USA anhaltenden Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt hat sich auch die Debatte um den Umgang mit dem Erbe der Sklaverei verschärft. Wiederholt wurden bei den Protesten etwa die Denkmäler von Politikern und Militärs angegriffen, die mit diesem Erbe in Verbindung stehen. In der Konföderierten-Fahne sehen viele Kritiker ein eklatantes Symbol des Rassismus und der Sklaverei.

Die landesweiten Proteste gegen Rassismus waren durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd Ende Mai bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota ausgelöst worden.

Biden sieht "Sieg der Moral"

Der örtliche Fernsehsender WLBT 3 berichtete, die Flagge über dem Parlament sei nur Minuten nach der Abstimmung eingeholt worden – trotz Demonstranten, die vor dem Gebäude für den Erhalt der Fahne warben. Der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden, bezeichnete die Abstimmungen in Mississipi als einen Sieg der Moral. Die bisherige Flagge des Bundesstaates hat oben links eine Abbildung einer Kriegsflagge der Konföderierten, die häufig vereinfacht als Südstaatenflagge bezeichnet wird.

Die in den südlichen Bundesstaaten zum Teil immer noch beliebte Flagge des einstigen Unterdrückerregimes kommt wegen ihrer rassistischen Vergangenheit zunehmend unter Druck. Die beliebte Motorsportserie Nascar etwa verbot wenige Wochen nach Floyds Tod den Zuschauern, die Flagge zu Rennen mitzubringen. (APA, AFP, dpa)

Demokraten wollen John-Wayne-Flughafen umbenennen

Im Zuge der Rassismusdebatte in den USA wollen die Demokraten im Orange County in Kalifornien einen nach Western-Legende John Wayne benannten Flughafen umbenennen. Grund seien Interviewäußerungen, in denen der 1979 verstorbene Hollywoodstar gesagt hatte, dass er an die Überlegenheit der Weißen ("white supremacy") glaube und Schwarze noch der Erziehung bedürften, wie CNN am Montag berichtete.

Nach einem Antrag der Demokraten, über den die Regierung des Verwaltungsbezirks nun entscheiden muss, soll der rund 65 Kilometer südöstlich von Los Angeles gelegene Flughafen einfach Orange County Airport heißen.

Oscar-Preisträger John Wayne ("Der Marshall") personifizierte als Schauspieler die traditionellen Wertvorstellungen der US-Pionierzeit und war für seine konservativen politischen Positionen bekannt. Der Orange County gab dem schon 1923 eröffneten Flughafen gleich nach dem Tod Waynes den Namen des Schauspielers. 1982 wurde auch eine 2,70 Meter hohe Statue John Waynes errichtet. Dessen Sohn Ethan Wayne hatte CNN zufolge im vorigen Jahr gesagt, die Zitate seines Vaters würden aus dem Kontext gerissen.


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