NGOs: 122 Kinder in philippinischem Anti-Drogenkrieg getötet

Präsident Rodrigo Duterte führt seit 2016 einen erbarmungslosen Kampf gegen die Drogenkriminalität. Nach Angaben der Polizei wurden seitdem mehr als 5000 Drogenkriminelle getötet - Menschenrechtsgruppen gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl etwa dreimal so hoch ist.

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte.
© AFP

Genf, Manila – Im Anti-Drogenkrieg des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte sind nach Angaben zweier Menschenrechtsorganisationen mindestens 122 Kinder und Jugendliche von Polizisten oder getötet worden.

In ihrem am Montag in Genf veröffentlichten Bericht dokumentieren die Weltorganisation gegen Folter (OMCT) und das philippinische Kinderrechtszentrum CLRDC das Schicksal der zwischen ein und 17 Jahre alten Opfer.

Demnach wurden einige bewusst getötet, unter anderem, um sie als Zeugen anderer Morde aus dem Weg zu räumen. Andere fielen einer Verwechslung zum Opfer oder wurden bei Polizeieinsätzen von Querschlägern getroffen. Die 122 Opfer seien jedoch nur "die Spitze des Eisbergs", sagte OMCT-Generalsekretär Gerald Staberock. Die Zahl der Toten dürfte in Wirklichkeit deutlich höher liegen.

In Anspielung auf den Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz im Mai in den USA fügte Staberock hinzu, "stellen Sie sich vor, was es für einen Aufschrei gegeben hätte, wenn diese 122 Fälle von einer Kamera aufgenommen worden wären".

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Seit 2016 mehr als 5000 Drogenkriminelle getötet

Präsident Rodrigo Duterte führt seit 2016 einen erbarmungslosen Kampf gegen die Drogenkriminalität. Nach Angaben der Polizei wurden seitdem mehr als 5000 Drogenkriminelle getötet - Menschenrechtsgruppen gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl etwa dreimal so hoch ist. Kritiker werfen Duterte vor, den Sicherheitskräften in der Regel freie Hand in ihrem brutalen Vorgehen zu lassen und damit der Willkür Tür und Tor zu öffnen.

Der am Montag veröffentlichte Bericht dokumentiert die Morde an Kindern und Jugendlichen zwischen Juli 2016 und Dezember 2019. Über 40 Prozent von ihnen wurden demnach von Polizisten, die anderen 60 Prozent von Unbekannten getötet, die oft maskiert waren. Viele von ihnen hätten direkte Verbindungen zur Polizei unterhalten.

Staberock warf der internationalen Gemeinschaft vor, die Menschenrechtsverletzungen der Philippinen zu ignorieren. Er forderte von dem ab Dienstag in Genf tagenden UN-Menschenrechtsrat die Einrichtung einer internationalen Untersuchungskommission. Bei der Sitzung dürfte es auch um die Lage in den Philippinen gehen. (APA/AFP)


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