WM-Auftakt in Spielberg: Fragen und Antworten vor den Österreich-Rennen

Das Auftakt-Doppel der Formel 1 in Spielberg ist in vielerlei Hinsicht historisch, Rennen unter solchen Bedingungen gab es noch nie. Wir haben für euch die wichtigsten Fragen und Antworten vor den ersten beiden Veranstaltungen im Corona-Betrieb.

Ab Freitag drehen die Formel-1-Boliden die ersten Runden in Spielberg.
© GEPA pictures/ Christian Walgram

Welche Einschränkungen gelten vor Ort?

Das Gelände rund um den Red-Bull-Ring ist eine Hochsicherheitszone. Der Zugang ist streng limitiert, nur rund 3.000 Leute dürfen an die Strecke. Die zehn Teams dürfen mit höchstens 80 Mitarbeitern anrücken, dazu kommen Offizielle, Streckenposten, wenige Medienvertreter sowie die Mitwirkenden der Rahmenserien, die ebenfalls stattfinden. Es gibt keine Zuschauer, keine Sponsoren-oder VIP-Gäste, Zelte statt den "Motorhomes", die soziale Interaktion ist sogar zwischen Teamkollegen reduziert. Alle Teilnehmer müssen laufend negativ auf das Coronavirus getestet werden.

Wie läuft die Einreise der Fahrer ab?

Die Teams kommen hauptsächlich aus England und Italien per Charterflügen am Flughafen in Zeltweg an. Falls möglich, soll die Anreise schon in der Gruppe erfolgen, die dann bis zum 12. Juli, nach dem zweiten Rennen, zusammenbleibt. Beim erstmaligen Eintreffen auf dem Ring-Gelände muss ein Attest über einen negativen Corona-Test vorgelegt werden, das nicht älter als vier Tage ist. Die Teams residieren alle in eigenen Hotels, die auch in der Freizeit nur selten verlassen werden dürfen.

Warum sind die Vorschriften so streng?

Als die Regeln ausgearbeitet wurden, war die Covid-19-Situation besorgniserregender, die Formel-1 mit Sitz in London stand noch dazu ständig unter dem Eindruck der dramatischen Lage in England. Einerseits soll so garantiert werden, dass der Grand Prix trotz Corona-Infektionen im Fahrerlager stattfinden kann. Andererseits will man genau das verhindern, da man ein PR-Desaster wie wegen der Adria-Tour der Tennisprofis tunlichst vermeiden möchte.

Wer wird wann getestet?

Die Mitarbeiter der in die Grands Prix involvierten Unternehmen (Stakeholder) werden in mehrere Kategorien geteilt. Wer in Hochsicherheitszonen arbeitet, ist Profil 1 und muss u.a. alle fünf Tage einen PCR-Test machen lassen und strikte Distanz zu anderen Gruppen einhalten. Auch in den Tagen zwischen den beiden Rennen. Auf dem Gelände stehen 20 Test-Stationen zur Verfügung, das beauftragte Unternehmen Eurofins schafft pro Rennwochenende 5.000 Abstriche.

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Was passiert bei einem positiven Test?

Es werden eigene Stationen eingerichtet, um die Betroffenen zu isolieren. Alle, die mit positiv Getesteten Kontakt hatten, werden neu kontrolliert. Im Fall eines positiv getesteten Fahrers würde das betroffene Team durchgetestet werden. Der Grand Prix würde dann trotzdem stattfinden. Jedes Team hat Ersatzfahrer, die einspringen würden. Wie viele Personen nachweislich infiziert sein müssten, damit die Veranstaltung abgebrochen wird, ist nicht bekannt.

Wo ist ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen?

Vorgesehen ist, dass alle Beteiligten dort, wo sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten, einen Schutz tragen. Das betrifft auch die Mechaniker in den Boxen - und das könnte bei hohen Temperaturen problematisch werden. Nicht ohne Grund haben einige Rennställe ihren Boxencrews Atemübungen vorgeschrieben.

Wie laufen die Siegerehrungen ab?

Die Siegerehrung wird gleich nach den Rennen auf der Start-Ziel-Geraden erfolgen, die üblichen Zeremonien fallen aus. Auch die obligatorische Sektdusche wird es somit nicht geben.

Wieso ist das zweite Rennen offiziell der "Grand Prix der Steiermark"?

Red-Bull-Firmenchef Dietrich Mateschitz und Ex-Rennfahrer Helmut Marko, der als Vermittler zwischen dem Projekt Spielberg, der Formel 1 und den österreichischen Behörden eine Schlüsselrolle hatte, haben diese Bezeichnung mit den Formel-1-Verantwortlichen erwirkt. Geld hat das Land Steiermark dafür nicht bezahlt. Nachdem es in Spielberg zwei Rennen gibt, musste das zweite einen anderen Namen bekommen als das erste.

Wie geht es nach Spielberg weiter?

Direkt danach übersiedelt der Formel-1-Tross per Autobahn nach Budapest, wo eine Woche später der dritte Lauf der WM-Saison stattfindet. Dieser "Tripleheader" ist für die Logistik-Verantwortlichen der Rennställe eine immense Herausforderung.

Wie viele Rennen wird es dieses Jahr noch geben?

Die Formel-1-Bosse streben mindestens 15 Grands Prix an. Damit wären die Vertragspflichten erfüllt und der Großteil der vereinbarten Beträge von TV-Partnern und Sponsoren würde fließen. Kommuniziert wurden vorerst nur die ersten acht WM-Läufe in Europa. Doch auch danach hat die Formel 1 hauptsächlich Europa im Visier, wenn die Pandemie-Situation unter Kontrolle bleibt. Mugello und Imola in Italien, der Hockenheimring in Deutschland, Portimao in Portugal sind als Standorte im Gespräch. Außerhalb Europas findet laut Red-Bull-Berater Marko bisher nur der Große Preis von China in Shanghai fix statt. Weitere Termine sollen im Juli bekanntgegeben werden.

Bleibt Spielberg nach dieser Saison im Formel-1-Kalender?

Es ist davon auszugehen, dass der heuer auslaufende Sieben-Jahres-Vertrag der Formel 1 mit Mateschitz verlängert wird. Denn auch punkto TV-Rechte (Servus TV) ab 2021 wird Mateschitz, der auch über zwei Teams, eine Rennstrecke und einen Grand Prix verfügt, Interesse nachgesagt. Die Formel 1 muss in (Post-)Corona-Zeiten jedem Veranstalter, der bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen, den Roten Teppich ausrollen und verzichtet derzeit bei Rennen ohne Zuschauer weitgehend auf die hohen Antrittsgelder. Red Bull andererseits generiert durch das noch größere Schaufenster in diesem Jahr unbezahlbare Werbung. Die Verkündung einer Verlängerung der Partnerschaft erfolgt vielleicht während der zwei Wochen in Spielberg.

Wer startet als Favorit in die Saison?

Lewis Hamilton und Mercedes sind das Maß der Dinge. Der Weltmeister kann in diesem Jahr mit seinem siebenten Titel den Rekord von Michael Schumacher einstellen. Die Silberpfeile könnten mit der siebenten Team-WM in Serie für eine neue Bestmarke sorgen. Red Bull und Ferrari sind wie in den vergangenen Jahren die Herausforderer. Red Bulls Max Verstappen und Ferrari-Youngster Charles Leclerc (beide 22) können heuer jüngster Weltmeister der Geschichte werden. Einer von beiden würde damit Leclercs Teamkollegen Sebastian Vettel den Rang ablaufen, der Ferrari nach dieser Saison mit Ziel unbekannt verlässt. (APA)


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