Derzeit fünf Neuinfizierte pro Tag: Die Sorgen beginnen ab 50

Bei 50 bis 60 Neuinfizierten pro Tag müsse man sich überlegen, Lockerungen zurückzunehmen, meint LH Platter. Derzeit liegt Tirol bei fünf Neuinfizierten pro Tag.

Krank arbeiten zu gehen, dürfte Geschichte sein. Wer selbst nicht zu Hause bleibt, dürfte den Druck des Chefs oder der Kollegen spüren
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Innsbruck – Zum letzten Mal mit Maske trat gestern in Innsbruck LH Günther Platter flankiert von den medizinischen Experten Günter Weiss und Cornelia Lass-Flörl vor die Presse. Lockerungen ab 1. Juli (siehe Artikel rechts) also auch bei Pressekonferenzen im Landhaus.

Trotz der leicht gestiegenen Zahl der Infizierten auf 16 Fälle in Tirol zeigte sich Virologe Weiss nicht beunruhigt, mahnte aber zur Vorsicht, insbesondere bei Auslandsreisen. Die Lockerungen in der Gastronomie sieht er entspannt. „Beim Sport habe ich mehr Bedenken. Das könnte ein Super-Spreading-Event sein.“ Jemand, der das Virus rasant verbreitet und sehr viele ansteckt, ist ein Super-Spreader, auf Deutsch ein Superverbreiter.

Auch den können die Wissenschafter jetzt schon näher definieren: Er ist bereits krank, geht trotz Symptomen arbeiten, also unter Leute, singt, schreit oder – das ist noch eine Variable – hat eine Komponente, die die Verbreitung der Viren begünstigt. „Jemand, der kaum oder keine Symptome hat, ist weit weniger ansteckend“, erklärte Mikrobiologin Cornelia Lass-Flörl. Wo sich die letzten Neuinfizierten in Tirol angesteckt haben, ist noch nicht klar. Die Spurensuche dauert noch. In einem Fall wisse man, dass die Ansteckung innerhalb der Familie passiert sei.

Obwohl die Zahl der Neuinfizierten zuletzt gestiegen ist, könne er noch ruhig schlafen, meinte LH Platter. Die kritische Marke sieht er ab 50 bis 60 Neuinfizierten pro Tag. „Dann würde ich mir Sorgen machen.“ Dann müsse man Lockerungen überdenken. Platter mahnte zu einem sorgsamen Umgang miteinander. Abstand halten, Hände waschen, das seien die Gebote der Stunde.

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Eine Million Euro machte die Landesregierung gestern für Corona-Schnelltests locker. In Alten- und Pflegeheimen startet der dritte Durchlauf von flächendeckenden Tests. „Wir werden lernen müssen, mit dem Virus zu leben.“ Ein effektives Gegensteuern sei nur möglich, wenn lokal und schnell Erstinfektionen erkannt und isoliert würden. Um schnell und viel testen zu können, sollen Spitäler und Hausärzte ins Boot geholt werden.

Im Herbst werde sich einiges ändern, meinten Weiss und Lass-Flörl. Jemand, der huste oder niese, werde wissen wollen, ob er mit Corona infiziert sei. Die Zahl der Abklärungen werde also steigen, sagte Weiss. „Wichtig ist, dass der, der Symptome hat, nicht arbeiten geht und zu Hause bleibt“, sagte Lass-Flörl. Der Vorwurf, wegen jedem Zipperlein zu Hause zu bleiben, werde verstummen. (aheu)


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