Es schneit in den Kristallwelten: Riese erwacht mit neuer Wunderkammer

Echte Schneeflocken fallen auf eine Winterlandschaft in den Swarovski Kristallwelten. Während es draußen über 20 Grad hat, kühlt es in der neuen Wunderkammer bis auf minus 10 Grad. Eine weltweit einzigartige Technologie macht den Winterzauber möglich und soll Besucher anlocken. Die Kristallwelten wollen auch verstärkt Tiroler ansprechen.

Tord Boontje und Alexander McQueen hatten einen komplett vereisten Baum in einer klirrend kalten Winterlandschaft im Kopf, als sie vor über 15 Jahren den Kristallbaum „Silent Light“ entwarfen. Diese künstlerische Vision wurde nun in einer Installation mit echtem Schneefall in den Swarovski Kristallwelten umgesetzt.
© Swarovski Krisallwelten

Wattens – Wer diesen Sommer den Swarovski Kristallwelten in Wattens im Sommerkleid, kurzen Hosen und Sandalen einen Besuch abstattet, der wird eine frostige Überraschung erleben. Ab 1. Juli werden die Gäste in eine echte Schneelandschaft entführt – Minusgrade, Schneefall und Stapfspuren inklusive. Im Zentrum der neuen Wunderkammer steht der von Tord Boontje und Alexander McQueen 2003 entworfene und auf den Namen „Silent Light" getaufte Kristallbaum. Der nun vereiste Baum steht inmitten einer einzigartigen Schneeinstallation, deren Highlight erst jetzt durch neue Technologien möglich ist: Es schneit. Und zwar echte Schneeflocken.

📽 Video | Neue Wunderkammer „Silent Light"

Carla Rumler, Cultural Director bei Swarovski, erklärt bei der Präsentation am Mittwoch in Wattens: „Der Künstler Boontje hatte ja schon ursprünglich die Intention, dass man den Baum, der seit 2015 bei uns in Wattens ist, inklusive Schnee, Kälte und somit mit allen Sinnen erleben kann." Bisher sei das vor allem auch an der technischen Machbarkeit gescheitert, so Rumler. „Erst durch die Kooperation mit der Firma Technoalpin Austria ist diese Idee 2018 realistisch geworden", hob sie hervor.

„Der Weg zur Installation in ihrer jetzigen Form, die vor allem bei sommerlichen Temperaturen surreal-poetisch anmutet, war herausfordernd. Hätten wir zuvor gewusst, was mit diesem Projekt auf uns zu kommt, hätten wir vielleicht abgelehnt", scherzt Matthias Illmer, Geschäftsführer von Technoalpin Austria. Jetzt sei er allerdings froh, die Herausforderung angenommen zu haben. In einem Zeitraum von zwei Jahren habe man vor allem auch daran gearbeitet, dass die Technik für die Besucher möglichst wenig sichtbar und vor allem leise sei – und das Ergebnis naturnah. Vier neu entwickelte Schneidüsen sorgen in der Nacht für frischen Pulverschnee in der Kammer. Die Technologie für den permanenten natürlichen Schneefall sei bisher weltweit einzigartig.

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Eindrücke der neuen Wunderkammer in den Swarovski Kristallwelten.

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Bereits der Abgang zur neuen Wunderkammer entführt die Besucher in eine winterliche Welt.

© Swarovski Kristallwelten

Erkundeten die Echtschnee-Wunderkammer „Silent Light“ (v.l.): Stefan Isser (Geschäftsführer der D. Swarovski Tourism Services GmbH), Carla Rumler (Cultural Director Swarovski und Kuratorin Swarovski Kristallwelten) und Erich Gummerer (Geschäftsführer TechnoAlpin SpA).

© Swarovski Kristallwelten

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Wertvolles Gut als Museumsrelikt?

Man wolle mit dem Projekt auch zu Diskussionen und zur Selbstreflexion anregen, sagt Stefan Isser, Geschäftsführer der Swarovski Tourism Services GmbH: Die Vergänglichkeit von Eis und Schnee erlebbar zu machen, bedeutet auch auf deren Bedeutung im Alpenraum aufmerksam zu machen. Ist Schnee ein kostbares Museumsrelikt, weil er zu einem kostbaren Gut geworden ist? Wie gehen wir mit unseren wertvollsten Ressourcen um?

Auch bei der Umsetzung des Projektes hatte Nachhaltigkeit oberste Priorität, erklärt Isser. „Mit den verwendeten Materialien zur Isolation, den Erfindungen und den speziellen Technologien wurde eine hohe Energieeffizienz erreicht. Der Kälteverlust ist äußerst gering", so Isser. Aus einem Liter Wasser würden fünf Liter Schnee, ergänzt Technoalpin-Chef, Illmer. „Der Schnee wird 1:1 aus Wasser hergestellt, wie in der Natur."

Wie oft in der Nacht beschneit werden müsse, um eine Neuschnee-Atmosphäre zu schaffen, werde sich erst zeigen. In den letzten zwei Wochen lief die Schneeinstallation im Probebetrieb, erläutert Isser. „Viele Besucher sorgen für einen leichten Temperaturanstieg und fassen den Schnee natürlich auch an – aber das sollen sie auch", betont er.

Schnee als Ausstellungselement in die Kristallwelten zu bringen, sei ein einmaliges Erlebnis für die Gäste. Manche hätten noch niemals Schnee gesehen.

📽 Video | Swarovski eröffnet neue Winter-Wunderkammer

Besucher aus Indien fehlen

Dabei müssen die Swarovski Kristallwelten derzeit noch auf viele Besucher aus dem Ausland verzichten – so zum Beispiel auf Gäste aus Indien, die sich jährlich mit rund 100.000 Besuchern in Wattens zu Buche schlugen. Seit der Wiedereröffnung am 11. Juni sind die Besucherzahlen um fast die Hälfte zurückgegangen. Deutschland, Schweiz und Italien sind laut Isser derzeit im Fokus.

„Ich gehe aber davon aus, dass später Schritt für Schritt auch Holland, England und die nordischen Länder als weitere Märkte dazukommen", fügte Isser hinzu. Die Besucherzahl werde aber dennoch noch länger nicht an die Zeiten vor Corona herankommen. „Das dauert meiner Ansicht nach noch bis mindestens Ende 2022", wagte er eine Prognose. 2021 werde sich der Markt aber langsam erholen.

Angebote sollen Tiroler locken

Aktuell strebt man daher auch eine Veränderung der Gästestruktur an. „Bis dato hatten wir zehn Prozent Einheimische und 90 Prozent Touristen", konstatierte Isser. Unter anderem mit „kulinarischen Veranstaltungen, Workshops und Musik" wolle man im heurigen Sommer und darüber hinaus verstärkt Besucher aus Tirol ansprechen. Waren es bisher etwa 70.000 Tiroler im Jahr, so will man diese Zahl mit 100.000 pro Jahr künftig kräftig nach oben schrauben, strich Isser hervor.

Dadurch und mit dem „Ausschöpfen des vollen Potenzials der Märkte Italien, Deutschland, Schweiz und Österreich" will man gut durch die Zeit bis zur Post-Corona-Normalität kommen. Vor allem die Wichtigkeit von Deutschland und Österreich im gesamten sei nicht zu unterschätzen. Schon bisher waren pro Jahr bis zu 200.000 Kristallwelten-Besucher deutsche Staatsbürger und etwa 160.000 aus Österreich.

Ziel: 4000 bis 5000 Besucher pro Tag

Insgesamt strebt man laut Isser große Ziele an: „2000 bis 3000 Besucher pro Tag sind aus meiner Sicht nicht unrealistisch." Längerfristig wolle man wieder auf 4000 bis 5000 Gäste pro Tag kommen. Derzeit schwankt die Besucherzahl aber noch. „Im Durchschnitt sind aktuell gerade 700 bis 1200 Gäste am Tag bei uns", so Isser. Am gestrigen Dienstag seien es aber beispielsweise 1600 Besucher gewesen, erklärte der Geschäftsführer der D. Swarovski Tourism Services GmbH. (TT.com/vags, APA)


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