Anwalt erhebt schwere Vorwürfe: 800 neue Hinweise zu Maddie bei „Aktenzeichen XY“

Die Ermittler im Fall Maddie bekommen nach der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst" Hunderte neue Hinweise. Der Anwalt des Verdächtigen sieht im Vorgehen des BKA dagegen einen verzweifelten Versuch, die Beweisnot „auf Biegen und Brechen" zu beheben.

Die Fahnder suchten über die ZDF-Sendung nach dem Nutzer einer portugiesischen Handynummer.
© ZDF

London/Lissabon – Nach dem erneuten Zeugenaufruf zum Fall des vor 13 Jahren verschwundenen Mädchens Maddie McCann sind seit Anfang Juni mehr als 800 Hinweise beim Bundeskriminalamt (BKA) eingegangen. Noch während einem erneuten Aufruf in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ am Mittwochabend kamen nach Angaben BKA weitere 16 Meldungen hinzu. Einige seien jetzt schon als weiterführend für die Ermittlungen zu bezeichnen, sagte BKA-Ermittler Christian Hoppe.

Die zuständige Staatsanwaltschaft in Braunschweig bestätigte am Donnerstag den Eingang weiterer Hinweise. „Inhaltlich können und wollen wir diese aber noch nicht bewerten“, sagte Behördensprecher Hans Christian Wolters. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen 43 Jahre alten Deutschen wegen Mordverdachts. Der Mann, der wegen anderer Delikte inhaftiert ist, steht im Verdacht, die dreijährige Britin am 3. Mai 2007 aus einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz entführt zu haben. Auf seine Spur kamen die Ermittler nach eigenen Angaben bereits durch einen Hinweis nach einer ZDF-Sendung zum Fall Maddie im Oktober 2013.

Am 3. Mai 2007 soll der Verdächtige zu „tatrelevanter“ Zeit in Praia da Luz mit dem Handy telefoniert haben. Die Fahnder sind daher immer noch auf der Suche nach dem Nutzer einer portugiesischen Handynummer, die am Mittwoch in der ZDF-Sendung eingeblendet wurde. BKA-Ermittler Hoppe appellierte an alle Zuschauer, die bis Juni 2007 Kontakt zu portugiesischen Telefonnummern hatten, in ihren alten Handys, Telefonbüchern oder Rechnungen nach der Nummer zu suchen. Konrekt gehe es um die Rufnummer + 351 916 510 683. Auf Nachfrage wollte er sich nicht dazu äußern, ob die vorliegenden Indizien gegen den 43-Jährigen bereits für eine Anklage ausreichen. Ein Ansatz für weitere Ermittlungen könnte die Aufladung der Prepaid-Karte in Portugal sein, hieß es am Abend.

Die kleine Maddie verschwand als Dreijährige aus einem Ferienressort in Portugal.
© JOHANNES EISELE

Anwalt erlebt Verdächtigen als „freundlich"

Derweil kritisierte der Anwalt des Verdächtigen die ermittelnde Staatsanwaltschaft Braunschweig nach der Sendung scharf. „Die Staatsanwaltschaft hat sich offensichtlich auf unseren Mandanten eingeschossen und probiert nun auf Biegen und Brechen, ihre Beweisnot zu beheben“, sagte Rechtsanwalt Friedrich Fülscher am Mittwochabend RTL/n-tv. Auf den beweisgestützten Verdacht der Staatsanwaltschaft sei er sehr gespannt. „Ich halte diese Aussage der Staatsanwaltschaft Braunschweig für unheimlich gewagt.“

Fülscher verteidigt Christian B. gemeinsam mit dem Hamburger Rechtsanwalt Johann Schwenn. Fülscher sagte, sein Mandant sei völlig anders als in der Öffentlichkeit dargestellt. „Ich erlebe ihn als sehr ruhigen und freundlichen Gesprächspartner.“ Sein Mandant wolle auf sein Anraten hin weiter keine Angaben zu den Vorwürfen machen.

Antrag auf vorzeitige Haftentlassung

Derzeit liegt ein Antrag des Verdächtigen auf vorzeitige Haftentlassung beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Denn zwischen den Gerichten in Kiel und Braunschweig bestehen unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Strafvollstreckungskammer örtlich zuständig ist. Noch sei dazu keine Entscheidung vom BGH bekannt, sagte eine Braunschweiger Gerichtssprecherin am Donnerstag.

Als Maddie verschwand, war der Mann 30 Jahre alt. Er hielt sich zwischen 1995 und 2007 regelmäßig in der Region auf. Sowohl in Deutschland als auch Portugal wurde er mehrmals straffällig. Laut Spiegel weist sein Strafregister 17 Einträge auf.

Für die Polizei in Großbritannien gilt Maddie weiterhin als vermisst. Die Annahme der deutschen Ermittler, dass sie nicht mehr am Leben ist, hatte dort viel Aufsehen und Verwirrung hervorgerufen. Zahlreiche Medien hatten daraufhin spekuliert, in Deutschland müssten eindeutige Beweise für Madeleines Tod vorliegen.


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