Bub auf Kärntner Alm von Holzfigur erschlagen: Prozess vertagt

Ein Fünfjähriger aus Wien war im Sommer 2017 bei einer Wanderung auf der Kärntner Gerlitzen ums Leben gekommen, als eine Holzfigur auf ihn stürzte. Drei Männer stehen deswegen vor Gericht. Alle drei Angeklagten bekannten sich nicht schuldig.

(Symbolfoto)
© TT/Thomas Böhm

Klagenfurt, Wien – Nachdem vor fast drei Jahren ein fünfjähriger Bub aus Wien auf einer Kärntner Alm von einer Holzfigur erschlagen worden ist, ist am Donnerstag am Landesgericht Klagenfurt der Prozess gegen drei Männer fortgesetzt worden. Ihnen werden grob fahrlässige Tötung und fahrlässige Gemeingefährdung vorgeworfen. Der Prozess wurde vertagt.

Der Unfall hatte sich im August 2017 ereignet. Der Bub war mit seiner Mutter und seinen Großeltern auf der Gerlitzen bei Villach unterwegs. Vor einem Museum stürzte eine 1,60 Meter hohe und 80 Kilogramm schwere Koboldfigur um und traf das Kind. Was genau passiert ist, ist bis heute unklar, da Mutter und Großeltern ein paar Schritte vorausgegangen waren. Der Bub wurde reanimiert, starb aber später im Krankenhaus.

Wegen grob fahrlässiger Tötung angeklagt sind nun der 54-jährige Pächter der Hütte neben dem Almmuseum und der ebenfalls 54-jährige Obmann der Agrargemeinschaft, die Hütte und Almmuseum verpachtet hatte. Sie sollen die Figuren aufgestellt beziehungsweise nicht gesichert stehen haben lassen. Dem 71-jährigen ehemaligen Obmann der Agrargemeinschaft wird fahrlässige Gemeingefährdung vorgeworfen, ihm sollen die Figuren gehört haben.

Die Angeklagten wiesen – wie schon beim Prozessauftakt im vergangenen Jahr – jede Schuld von sich. Der 54-jährige Obmann betonte, dass er zum Zeitpunkt des Unfalls gar keine Funktion in der Agrargemeinschaft gehabt habe, er habe lediglich seinen Vater unterstützt, der dort tätig war. Der Pächter der Hütte sagte, dass er die Figuren nicht aufgestellt habe und darüber hinaus 2017 gar nicht mehr für das Almmuseum zuständig gewesen sei. Dieses hätte ein Seilbahnbetreiber übernommen, berief er sich auf Informationen, die er von der Agrargemeinschaft bekommen haben will. Und der 71-Jährige gab an, dass er schon lange vor dem Vorfall die Holzfigur der Agrargemeinschaft verschenkt habe.

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Unklar, wer für Sicherung der Figur verantwortlich war

Am Donnerstag stand die Einvernahme des 54-Jährigen durch Richterin Ute Lambauer auf dem Plan. Ob er denn auch schon zum Unfallzeitpunkt Verantwortlicher bei der Agrargemeinschaft gewesen sei, konnte noch immer nicht restlos geklärt werden – der Mann bestreitet das, es gibt aber Mitschriften von Sitzungen, die Anderes aussagen. Zweiter wichtiger Punkt, der ebenfalls noch unklar war: Wer war 2017 offizieller Pächter des Museums und wer war für die Sicherung der Figur verantwortlich? Ins Spiel gebracht wurden sowohl der Hüttenpächter, als auch die Agrargemeinschaft und die Seilbahngesellschaft.

Wie der Obmann am Donnerstag sagte, seien "sowohl der Pächter der Hütte als auch die Verantwortlichen der Seilbahn" zuständig gewesen. Im Ermittlungsverfahren habe er noch angegeben, dass ausschließlich der Hüttenpächter zuständig gewesen sei, konfrontierte Staatsanwältin Denise Ebner den Mann mit seiner Aussage von 2019. "Ich habe selbst erst durch Recherchen herausgefunden, dass die Seilbahn das Museum betrieben hat", antwortete der Angeklagte.

Weil dazu aber kein Vertrag vorlag, wurde die Verhandlung auf Ende August vertagt. Dann sollen der Verantwortliche der Seilbahn ebenso aussagen, wie alle Mitglieder der Agrargemeinschaft, die bei der Sitzung waren, bei der über eine etwaige Verpachtung des Museums an die Seilbahn gesprochen wurde. (APA)


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