Einblicke in Tönnies-Fabrik: Frau verliert Job nach Kantinen-Video

Im Stammwerk des Tönnies-Fleischkonzerns infizieren sich mehr als 1000 Mitarbeiter mit dem Coronavirus. Ein YouTube-Video legt anschließend die Arbeitsbedingungen im Unternehmen offen – der mutmaßlichen Urheberin wird in der Folge gekündigt.

Tönnies erklärte, das Video sei in einer Phase der Pandemie entstanden, in der es keine vermehrten Positivfälle gegeben hat.
© David Inderlied

Bielefeld – Anfang Juni wird ein Video über die Zustände in der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück auf YouTube veröffentlicht. Darauf zu sehen sind zahlreiche Verstöße gegen die Corona-Regeln innerhalb der Firmenkantine. Das Video wurde von einer Mitarbeiterin eines Caterers gemacht, der den Betrieb beliefert. Von ihrem Arbeitgeber wurde die Frau auf Grund dessen nun gekündigt.

Gegen diese Entscheidung will sie nun vor das Arbeitsgericht Bielefeld ziehen. Berichten zufolge bestreitet die Frau nicht, dass sie das Video bei YouTube hochgeladen hat. Sie gibt allerdings nicht zu, es gedreht zu haben.

Das Video zeigt die Mitarbeiter in einem Kantinenraum. Sie sitzen an Tischen nebeneinander und essen. Laut Tönnies hatten sich die Arbeiter damals in der Kantine nur mit Kollegen aufgehalten, mit denen sie auch in einer Abteilung zusammen gearbeitet hatten. Dieses Verhalten, das sogenannte Clustern, sei mit dem Arbeitsschutz abgestimmt gewesen.

Das Unternehmen erklärte zudem, das Video sei bereits seit dem 28. März bekannt – eine Phase der Pandemie, in der es keine vermehrten Positivfälle gegeben habe. Seitdem seien die Plätze „erheblich" reduziert und eine Mundschutzpflicht in der Kantine eingeführt worden. „Wir waren uns bewusst, dass bei all unseren Maßnahmen wir einen Zielkonflikt zwischen der Pandemie-Prävention und der Lebensmittelversorgung haben. Dazu gehört auch eine angemessene Versorgung unserer Mitarbeiter in ihren Pausen", erklärte Tönnies weiter.

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Mängel auch noch im Mai

Bei Kontrollen in der Kantine hatte der Arbeitsschutz auch noch zwischen dem 11. und 18. Mai Mängel festgestellt. Zwischen den Nutzern einer Kantine seien die Abstände zu gering gewesen, teilte ein Sprecher der Bezirksregierung Detmold mit. Bei einer Nachkontrolle am 29. Mai seien die Mängel bei den Hygienevorgaben abgestellt gewesen. Auch sei die Zahl der Sitzplätze wie verlangt reduziert worden.

Der Ausbruch im Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück mit mehr als 1000 Infizierten hatte zu einem Produktionsstopp in der Fabrik und zu einem regionalen Lockdown im Kreis Gütersloh geführt. Zudem trat Clemens Tönnies als Vorstandsvorsitzender beim Fußball-Klub FC Schalke 04 zurück. (dpa)


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