Kühe erschrecken als Trend: „TikTok“ löscht Videos, Köstinger mahnt zu Eigenverantwortung

Nach heftigem Gegenwind hat das soziale Netzwerk „TikTok" reagiert und die umstrittenen Videos, in denen Kühe erschreckt werden, gelöscht. Landwirtschaftsministerin Köstinger hatte die Challenge als „absurd und vollkommen unverantwortlich" bezeichnet und auf die klar festgelegten Alm-Regeln verwiesen.

300.000 Rinder verbringen den Sommer auf Österreichs Almen.
© BARBARA GINDL

Wien, München – Das soziale Netzwerk TikTok hat Videos der umstrittenen „Kulikitaka-Challenge“ gelöscht. „Wie unsere Community Richtlinien deutlich machen, dulden wir keine Inhalte, die unnötig schockierend und grausam sind, sowohl gegenüber Menschen als auch Tieren“, sagte eine Unternehmenssprecherin am Montag der Deutschen Presse-Agentur. „Die Videos unter den genannten Hashtags haben wir entfernt.“ Zahlreiche Nutzer hatten solche Videos gepostet, auf denen vor allem Kühe, aber auch andere Tiere erschreckt werden.

Der Name „Kulikitaka-Challenge“ ergibt sich aus dem Merengue-Titel „Kulikitaka“ des Sängers Tono Rosario, mit dem das Erschrecken der Tiere unterlegt wird. Landwirte in Deutschland hatten davor gewarnt, diese Videos nachzuahmen – nicht nur, weil sie die Tiere unter Stress setzen, sondern auch Menschen, die sie erschrecken, in Lebensgefahr bringen können. Kühe seien zwar friedliebend, könnten aber aggressiv werden – gerade wenn es darum gehe, den Nachwuchs zu verteidigen.

📽️ Video | „Kulikitaka-Challenge" auf TikTok

Köstinger mahnt zu mehr Eigenverantwortung beim Umgang mit Almtieren

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) bezeichnete die TikTok-Videos als „absurd und vollkommen unverantwortlich" und rief nach mehreren Fällen von unachtsamen Umgang mit Almtieren zu mehr Eigenverantwortung auf.

„Die Alm ist kein Streichelzoo und auch kein Abenteuerspielplatz“, so Köstinger.
© HANS KLAUS TECHT

Die damalige Regierung hatte bereits im Vorjahr nach dem „Kuh-Urteil" in Tirol die Gesetzeslage geändert und die Eigenverantwortung der Gäste auf Almen gesetzlich festgeschrieben. „Jeder, der eine Alm besucht oder durchwandert, muss wissen: Das ist kein Streichelzoo und auch kein Abenteuerspielplatz. Es gibt klare und sehr einfache Verhaltensregeln, die sicherstellen, dass Mensch und Tier nicht gefährdet werden und die Almen weiterhin für Gäste geöffnet bleiben können", so Köstinger. Auf der Seite www.sichere-almen.at sind die zehn Alm-Regeln zusammengefasst und auch in kurzen Videos anschaulich erklärt.

Derzeit gibt es in Österreich rund 8000 bewirtschaftete Almen, 25.000 landwirtschaftliche Betriebe treiben Vieh auf. 300.000 Rinder verbringen den Sommer auf den Almen, dazu kommen noch 100.000 Schafe, 10.000 Pferde und 11.000 Ziegen. „Ich appelliere an Vernunft und Hausverstand der Gäste. Die Almen sind Lebensraum der Tiere und Arbeitsplatz der Almbäuerinnen und -bauern. Ein gutes Miteinander ist nur möglich, wenn sich alle an die Regeln halten", so Köstinger. (APA)


Kommentieren


Schlagworte