Rückkehr in Motorsport-Königsklasse perfekt: Alonso erhält Vertrag bei Renault

Der mittlerweile 38-jährige Spanier übernimmt das Cockpit des Australiers Daniel Ricciardo, der zu McLaren wechselt.

Nach Abstechern in andere Motorsport-Serien feiert Fernando Alonso sein Comeback in der Formel 1.
© Frédéric Le Floc'h via www.imago-images.de

Boulogne-Billancourt - Fernando Alonso gibt in der kommenden Saison sein Formel-1-Comeback. Der Ex-Weltmeister aus Spanien kehrt 2021 zu seinem früheren Rennstall Renault zurück. Wie das französische Werksteam am Mittwoch mitteilte, schließt sich Alonso dem Team "für die nächsten Saisonen" an. Der Asturier, der am 29. Juli bereits 39 Jahre alt wird, übernimmt das Cockpit von Daniel Ricciardo, der zu McLaren wechselt.

Alonso wurde mit Renault 2005 und 2006 Weltmeister und fährt künftig an der Seite des Franzosen Esteban Ocon. Sein bisher letztes Formel-1-Rennen bestritt Alonso beim Saisonfinale 2018 in Abu Dhabi. Danach hatte er als Toyota-Werkspilot 2019 seinen Titel beim Langstreckenklassiker 24 Stunden von Le Mans erfolgreich verteidigt und heuer zu Jahresbeginn die Rallye Dakar die Saudi-Arabien auf dem 13. Platz der Autowertung beendet.

"Renault ist meine Familie und steht für meine liebsten Erinnerungen in der Formel 1 mit meinen beiden Weltmeistertiteln, ich blicke aber nun nach vorne", betonte Alonso, der schon 2003 bis 2006 sowie 2008 bis 2009 für die Franzosen in der Motorsport-Königsklasse unterwegs war. "Ich werde meine Rennerfahrung mit jedem teilen, von den Ingenieuren über die Mechaniker bis zu meinem Teamkollegen." Renault habe das Ziel, "wieder auf das Podium zurückzukehren, und das will ich auch", versicherte der Gewinner von 32 Formel-1-WM-Läufen.

Renault kämpft seit der Rückkehr als Werksteam 2016 um den Anschluss an Mercedes, Ferrari und Red Bull Racing. Anstatt 2019 jedoch die großen Drei anzugreifen, rutschten die Franzosen in der Konstrukteurswertung sogar noch hinter McLaren auf Position fünf zurück. Viel zu wenig für den Rennstall aus Viry-Chatillon.

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Eine Auswahl spektakulärer Formel-1-Comebacks:

NIKI LAUDA: Der Österreicher überlebt einen schrecklichen Feuerunfall 1976 auf dem Nürburgring nur knapp. Lauda bekommt damals vom Pfarrer schon die Letzte Ölung. Doch nur 42 Tage nach dem Horror-Crash wird der schwer gezeichnete Pilot bei seinem Comeback im Grand Prix von Italien sogar Vierter. 1979 beendet Lauda seine Karriere nach zwei WM-Titeln (1975, 1977) und baut unter anderem eine Fluglinie auf. Zweieinhalb Jahre später kehrt Lauda zurück - und triumphiert 1984 zum dritten Mal in der WM. ALAIN PROST: 1991 verabschiedet sich der Franzose im Unfrieden von Ferrari und nimmt eine Auszeit - auch weil er kein siegfähiges Auto für sich sieht. Alain Prost kommt 1993 aber zurück und gewinnt sogar prompt für Williams die WM. Es ist sein vierter und letzter Titel. NIGEL MANSELL: Nach seinem WM-Triumph 1992 wechselt der Brite in die nordamerikanische ChampCar-Serie und holt dort auf Anhieb den Titel. 1994 kehrt Mansell für den tödlich verunglückten Ayrton Senna zu Williams zurück und gewinnt sogar das Saisonfinale in Australien. Peinlich ist der Kurzauftritt des damals 41-Jährigen bei McLaren 1995. Nach nur zwei Grand-Prix-Einsätzen ist wieder Schluss: Der stämmige Bartträger passt nicht so recht ins enge Cockpit, und auch sonst läuft es nicht so richtig. MICHAEL SCHUMACHER: Nach seinem 250. Grand Prix am 22. Oktober 2006 in Brasilien ist für den damaligen Ferrari-Piloten erst einmal Schluss. Lange weist der siebenfacheWeltmeister dann jegliche Spekulationen über eine Rückkehr entschieden von sich. 2010 feiert Michael Schumacher aber doch sein Comeback. Nur einmal schafft er es jedoch auf das Podium - Mercedes ist damals weit von der Spitze entfernt. Nach drei Jahren macht der Deutsche für Lewis Hamilton Platz. Von der Aufbauarbeit Schumachers profitieren die Silberpfeile immens und sind seit 2014 Serienchampion in der Formel 1. Schumacher lebt seit seinem schweren Ski-Unfall im Dezember 2013 von der Öffentlichkeit abgeschirmt. ROBERT KUBICA: Der Pole gilt als potenzieller Weltmeister. Bei einem Rallye-Gaststart in Italien am 6. Februar 2011 verunglückt er aber schwer, in Notoperationen kann sein rechter Arm gerade noch gerettet werden. 2019 gibt Robert Kubica im unterlegenen Williams ein einjähriges Gastspiel als Stammpilot. Mittlerweile hat er ein DTM-Cockpit bei BMW und ist Formel-1-Testfahrer für Alfa Romeo.

"Seine Erfahrung und Entschlossenheit wird es uns ermöglichen, aus jedem von uns das Beste rauszuholen", sagte Renault-Teamchef Cyril Abiteboul. "Er wird in unser Team, das schnell gewachsen ist, auch eine Kultur des Rennfahrens und Gewinnens einbringen, um zusammen Hürden zu meistern."

Alonso selbst dürfte nicht allzu große Umstellungsprobleme haben, schließlich kennt er die aktuelle Formel-1-Auto-Generation noch. Die Regelrevolution wurde wegen der Coronakrise auf 2022 verschoben.

Bereits die dritte Alonso-Ehe mit Renault

Zuletzt war Alonso in der Königsklasse weniger durch Erfolge als durch leidenschaftliches Raunzen aufgefallen. Entweder entwickelte sich nach seinem Empfinden die Formel 1 in die falsche Richtung oder sein Bolide war für seine Ansprüche zu langsam.

Während seines einjährigen Intermezzos 2007 bei McLaren führte Alonso das englische Traditionsteam sogar an den Rand des Zusammenbruchs. Er überwarf sich damals mit seinem Stallrivalen Lewis Hamilton und spielte dem Automobil-Weltverband FIA in einer Spionage-Affäre Insider-Informationen zu. McLaren wurde wegen des Besitzes geheimer Ferrari-Daten zu 100 Millionen US-Dollar Strafe verdonnert, der Spitzel flüchtete zu Renault.

Nun kommt es zur bereits dritten Liason zwischen Alonso und den Franzosen. Zuvor will der Mann aus Oviedo aber noch den nächsten Anlauf auf die Triple Crown nehmen. Erfolge beim Formel-1-Rennen in Monaco und Langstreckenklassiker von Le Mans hat Alonso längst, ihm fehlt nur noch der Triumph beim Indy 500, das im August auf dem Programm steht. (APA/dpa)


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