Proteste gegen Lockdown in Serbien: Demonstranten stürmten Parlament

Wegen steigender Infektionszahlen verhängte der serbische Präsident Aleksandar Vucic eine mehrtägige Ausgangssperre, gültig ab Freitag. Das trieb Tausende Menschen auf die Straße, um zu protestieren – dabei kam es auch zu Gewalt.

In Belgrad kam es zu Ausschreitungen.
© OLIVER BUNIC

Belgrad – Bei Protesten gegen eine geplante neue Corona-Ausgangssperre in Serbien ist es zu Ausschreitungen gekommen. Demonstranten warfen am Dienstagabend in Belgrad Steine auf Polizisten und feuerten Leuchtraketen ab, wie Fernsehbilder zeigten. Eine Gruppe Demonstranten stürmte das Parlamentsgebäude. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Kurz zuvor hatte Präsident Aleksandar Vucic die neue Ausgangssperre angekündigt, die von Freitag bis Montag gelten soll.

In den frühen Morgenstunden hatte die Polizei die Demonstranten aus der Umgebung des Parlaments in Belgrad verdrängt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tanjug am Mittwoch berichtete. Anschließend soll sich die Lage wieder beruhigt haben.

Polizisten stellten sich vor dem Parlament den Demonstranten entgegen.
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Tausende protestierten gegen Ausgangssperre

Mehrere tausend Menschen hatten vor dem Gebäude gegen die Ankündigung neuer Ausgangssperren wegen der Corona-Pandemie protestiert. An der Auflösung der Menge war auch berittene Polizei beteiligt. Nach Angaben der Rettungsdienste wurden 13 Polizisten und sieben Demonstranten verletzt.

Präsident Aleksandar Vucic hatte wenige Stunden zuvor erklärt, dass seine Regierung über das kommende Wochenende wieder eine generelle Ausgangssperre verhängen werde. Diese werde von Freitagabend bis Montagfrüh gelten. Es ist die erste Ausgangssperre seit Aufhebung des Ausnahmezustands im Mai. Vucic begründete die Maßnahme mit den zuletzt gestiegenen Infektionszahlen. Die Krankenhäuser seien wegen der vielen Neuerkrankungen voll und an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, sagte er.

Die Demonstranten forderten Vucic in Sprechchören zum Rücktritt auf. Die Partei des Präsidenten hatte Parlamentswahlen am 21. Juni klar gewonnen. Vor den Wahlen waren die Corona-Restriktionen weitgehend aufgehoben worden, es fanden Sportveranstaltungen mit tausenden Zuschauern statt.

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13 Tote binnen eines Tages in Serbien

Zuletzt erreichte die Zahl der neuen Todesfälle durch die Coronavirus-Infektion in dem Balkanstaat jedoch einen Rekordstand. Kurz vor Ankündigung der Ausgangssperre wurden 13 Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet - so viele wie noch nie seit Beginn der Ausbreitung des neuartigen Virus in Serbien.

Zunächst war noch unklar, ob die neue Ausgangssperre nur für Belgrad gelten soll oder das ganze Land. Dies werde der Krisenstab der Regierung entscheiden, sagte Vucic in einer Pressekonferenz. Nach Angaben des Staatschefs werden derzeit fast 4.000 Corona-Patienten in Krankenhäusern behandelt. "Niemand kann diese Zahlen aushalten", sagte Vucic. "Wir wollen nicht unsere Ärzte töten."

Bereits vergangene Woche hatte die Regierung verschiedene Corona-Einschränkungen in mehreren Städten wieder eingeführt. Besonders schwierig ist die Lage laut örtlichen Medien in der südwestserbischen Stadt Novi Pazar. Dort klagten Krankenhäuser Berichten zufolge über einen massiven Patientenandrang und einen Mangel an medizinischer Ausrüstung.

In Serbien war erstmals am 6. März eine Corona-Infektion nachgewiesen worden. Seither wurden in dem Balkanstaat mehr als 16.700 Infektions- sowie 330 Todesfälle gezählt. Bereits im März hatte die Regierung landesweit strenge Ausgangsbeschränkungen verhängt. Diese wurden jedoch im Juni aufgehoben. Kritiker erheben den Vorwurf, dass dies nicht zuletzt mit Blick auf die damals bevorstehende Parlamentswahl geschehen sei. (APA, AFP)


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