Streit über Maskenpflicht: Busfahrer-Angreifer des Totschlags bezichtigt

Weil sie im Bus keine Maske tragen wollen, kommt es in Südfrankreich zum Streit mit dem Busfahrer. Mehrere Männer greifen ihn an, prügeln so lange auf ihn ein, dass er für hirntot erklärt werden muss. Nun sitzen zwei von ihnen in Untersuchungshaft, ihnen wird Totschlag vorgeworfen.

Auch in französischen Bussen herrscht Maskenpflicht.
© ALAIN JOCARD

Bayonne – Nach einem Streit über die Maskenpflicht haben Gewalttäter einen Busfahrer in Frankreich so heftig geschlagen und getreten, dass er für hirntot erklärt werden musste – nun hat die Justiz zwei junge Männer wegen Totschlags beschuldigt. Ein Richter in Bayonne im Südwesten des Landes ordnete Untersuchungshaft für die 22 und 23 Jahre alten Verdächtigen an. Zwei weiteren Männern wird Beihilfe und unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen.

Die beiden mutmaßlichen Angreifer sind der Polizei durch frühere Vergehen bekannt. Die Staatsanwaltschaft betonte, nichts erkläre ihre „extreme Gewalt". Demnach eskalierte die Lage am Sonntagabend, als der 59-jährige Busfahrer die Fahrkarte eines Zusteigenden kontrollieren wollte und drei weitere Männer im Bus aufrief, wie vorgeschrieben Masken aufzusetzen.

„Nicht mein Vater atmet, sondern die Maschinen"

Daraufhin sei es zu Beleidigungen und einem Handgemenge gekommen, legte die Staatsanwaltschaft dar. Die Verdächtigen hätten den Fahrer aus dem Bus gestoßen, und die beiden jungen Männer hätten ihn mit Tritten und Schlägen gegen den Kopf und den Oberkörper traktiert. Die vier Männer seien dann zusammen in die Wohnung eines der Beschuldigten geflohen und hätten den Busfahrer bewusstlos auf dem Bürgersteig zurückgelassen. Im Krankenhaus wurde sein Hirntod festgestellt.

Die Familie des Busfahrers zeigte sich erschüttert über die Gewalt. Seine 18-jährige Tochter sagte der Zeitung Sud France: „Wir wissen, dass es zu Ende ist. Nicht mein Vater atmet, sondern die Maschinen." Der 59-Jährige hat drei Töchter, die beiden älteren sind 21 und 24 Jahre alt.

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Trauermarsch geplant

Der französische Verkehrs-Staatssekretär Jean-Baptiste Djebbari sagte bei einem Treffen mit den Busfahrern in Bayonne, in der Corona-Krise gebe es „Unhöflichkeiten bis hin zu Aggressionen". Die Gewaltbereitschaft habe nach dem Ende der Ausgangssperre am 11. Mai offenbar zugenommen.

Die Stadt hat für 19.30 Uhr einen Trauermarsch angekündigt. Die Busfahrer von Bayonne wollen dann mit einer Schweigeminute an ihren hirntoten Kollegen erinnern. Sie hatten nach der Gewalttat spontan die Arbeit niedergelegt. Auch in ganz Frankreich sollen die öffentlichen Verkehrsmittel nach einem Aufruf der Gewerkschaften für kurze Zeit still stehen. (AFP, TT.com)


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