Nach tödlichem Felssturz in Klamm: Alpinpolizei ermittelt, mehr Verletzte

Zwei Menschen sind am Mittwoch bei einem Felssturz in der steirischen Bärenschutzklamm ums Leben gekommen. Nach wie vor ermittelt die Alpinpolizei. Indes stieg die Zahl der Verletzten weiter.

Eine 50-jährige Frau aus Ungarn und eine 21-Jährige aus dem Bezirk Graz-Umgebung wurden bei dem Unfall getötet.
© STRINGER

Pernegg – Nach dem tödlichem Felssturz Mittwochmittag in der steirischen Bärenschützklamm in Pernegg sind die Erhebungen der Alpinpolizei noch am Laufen, wie ein Polizeisprecher am Donnerstag sagte. Die Zahl der Verletzten wurde indes nach oben korrigiert. Neun Personen wurden von Felsstücken getroffen, sechs Männer, zwei Frauen und ein Kind (9). Bis auf einen Mann aus Ungarn sind alle aus Österreich.

Bei dem Unglück sind zwei Frauen – eine 50-jährige Ungarin und eine 21-Jährige aus dem Bezirk Graz-Umgebung – ums Leben gekommen. Die nach oben korrigierte Zahl der Verletzten ergibt sich daraus, dass schon einige Opfer des Felssturzes ins Spitäler gebracht wurden, bevor die Polizei am Unglücksort eintraf, wie es am Donnerstag hieß.

Zur Ursache des Felssturzes in der Klamm in Mixnitz (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag) konnte noch nichts gesagt werden. Die Alpinpolizei hat in Zusammenarbeit mit einem Geologen die Abbruchstelle – die eindeutig festgestellt werden konnte – von einem Hubschrauber aus fotografisch dokumentiert. Die Ergebnisse werden der Staatsanwaltschaft vorgelegt, die dann über die weitere Vorgangsweise, etwa die Bestellung eines Gutachters entscheidet.

📽 Video | Felssturz: Erhebungen laufen auf Hochtouren

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Bürgermeisterin: Klamm wird jedes Jahr im Frühling überprüft

Die Bürgermeisterin von Pernegg, in deren Gemeindegebiet die Bärenschützklamm liegt, zeigte sich am Donnerstag betroffen von dem Felssturz. "Die Klamm wird jedes Jahr im Frühling vom örtlichen Alpenverein und der Bergrettung überprüft, bevor sie freigegeben wird", sagte Ortschefin Eva Schmidinger. Nun müsse man die Ermittlungen abwarten.

Der Grund in und um die Klamm gehört der Familie Mayr-Melnhof, einem der größten Forstbesitzer in der Steiermark. Die Klamm selbst mit dem Steig wird vom Alpenverein Mixnitz betrieben, erklärte Schmidinger. Sie als Vertreterin der Baubehörde habe sofort die Sperre der Klamm verfügt, dies sei mit Hinweisschildern kundgemacht und mit Sperrmaßnahmen durchgeführt worden.

"Wir haben leider Gottes zwei Todesopfer und neun Verletzte zu beklagen", zeigte sich die Bürgermeisterin zu den Geschehnissen Mittwochmittag betroffen: "Es liegt ein Schatten über der Bärenschützklamm. Aber man muss leider sagen, dass es Schicksal gewesen ist." Rund 40.000 Besucher pro Jahr würden die Klamm durchwandern, Tendenz steigend in den vergangen Jahren. Fünf Euro kostet es für Erwachsene, vier Euro für Mitglieder des Österreichischen Alpenvereins. Man werde die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten müssen, bevor man sagen könne, wie es weitergehe.

Die Mitglieder der Ortsstellen der Bergrettung und des Alpenvereins – alles erfahrene Leute – "überklettern" die Klamm laut der Bürgermeisterin immer im Frühjahr, und entfernten alles an Gestein usw. Auch die Steiganlage sei in Ordnung gewesen, das sei von der Gemeinde überprüft worden.

📽 Video | Gespräch mit Norbert Hafner (Alpenverein Steiermark)

Viele Jahrzehnte keine Zwischenfälle in betroffenem Gebiet

Schmidinger sagte, es habe Jahrzehnte keine Zwischenfälle in der Klamm gegeben. Ein älteres Bergrettungsmitglied habe sich an einen Unfall in den 1960ern erinnert, als Kinder auf einem der Steige "gehutscht" hätten. Die Bürgermeisterin zeichnete ein schlimmes Szenario: "Ich mag mir gar nicht vorstellen, was gewesen wäre, wenn Schulklassen in der Klamm gewesen wären, was aufgrund der Coronavirussituation nicht der Fall war." Ein Ausflug in die Bärenschützklamm zählt bei vielen steirischen Schulen im Raum Bruck-Mürzzuschlag und im Grazer Zentralraum zu den traditionellen Wandertags-Zielen.

Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer sagte in einer Stellungnahme, er "möchte den Angehörigen der Verunglückten mein tiefes Mitgefühl aussprechen und wünsche allen, die bei diesem Unfall verletzt wurden, eine baldige Genesung. Vor allem danke ich allen Kräften der Alpinpolizei, Bergrettung, des Roten Kreuz, der Feuerwehr, des ÖAMTC, des Bundesheers und der Polizei, die am Rettungseinsatz beteiligt waren." (TT.com, APA)


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