Wolfgang Thiem: „Ich mache für den ÖTV die Hausaufgaben“

Die besten fünf Spieler Österreichs unter einem Dach: Dominic Thiem führt die Liste der neuen ATC-Tennisakademie an, die große Pläne hat.

Dennis Novak, der gestern beim THIEMs 7 eine klare Niederlage erlitt und das Halbfinale verpasste, gehört zum erlesenen Kreis der Trainingsgruppe um Wolfgang Thiem.
© GEPA pictures/ Patrick Steiner

Von Roman Stelzl

Kitzbühel – Der Österreichische Tennis-Verband (ÖTV) und die Familie Thiem? Es ist kompliziert. Milde ausgedrückt. Seien es Förderungen, sei es Training – man war sich von Kindesbeinen an nie ganz eins. Und übergelaufen war das Fass Anfang des Jahres: Nachdem Wolfgang Thiem, Trainer und Vater von Tennis-Star Dominic Thiem, nicht ÖTV-Sportdirektor und damit Teil des Verbands wurde, ging der Niederösterreicher mit seinem Team eigene Wege:

Weg vom Leistungszen­trum Südstadt, weg vom ÖTV – und hin zu einer eigenen Akademie, bei der mittlerweile die besten fünf Spieler Österreichs trainieren, die damit allesamt quasi abseits des ÖTV ihren Weg gehen .

„Weil mir das so wichtig ist, biete ich das Training privat an"

„Ich mache für den ÖTV die Hausaufgaben“, sagt Wolfgang Thiem in Kitzbühel, wo derzeit das Einladungsturnier THIEMs 7 läuft, und er ergänzt: „Es sollte nicht so sein. Aber ich mache den Job des ÖTV, weil die nicht imstande sind, das zu organisieren. Mir liegen die Burschen am Herzen und weil mir das so wichtig ist, biete ich das Training privat an.“

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In Alt-Erlaa und Traiskirchen baute Thiem die „ATC-Tennisakademie“ auf, namengebend ist die „Austrian Tennis Committee“ (ATC), ein Personenkommitee, das Ende Mai wie ein „zweiter Tennis-Verband“ und damit quasi in Konkurrenz zum ÖTV gegründet wurde. Über den ATC sollen die Gelder von Förderern direkt in die Spieler fließen.

🎾 THIEMs 7 in Kitzbühel - Programm am Freitag

Halbfinalspiele (live ServusTV)

  • 13.30 Uhr: Dominic Thiem - Roberto Bautista Agut
  • im Anschluss: Andrey Rublew - Matteo Berrettini

„Wir wollen noch mehr aufbauen. Jeder, der möchte, ist eingeladen“, sagt Thiem, der die Abnabelung vom ÖTV als notwendig erachtet: „Das Problem sind die Leute beim ÖTV. Mit solchen Leuten möchte ich nicht zusammenarbeiten, die müssen ausgetauscht werden. Deshalb wollte ich etwas Eigenes.“

Heißt also: Alles, was an Organisation des Trainings nicht klappte, soll nun besser sein. Und zumindest der Zuspruch gibt Wolfgang Thiem Recht: Mit Dominic Thiem (3. der Weltrangliste), Dennis Novak (85.), Sebastian Ofner (163.), Jurij Rodionov (166.) und Lucas Miedler (293.) profitieren fünf Trainingspartner voneinander. Und es sollen bald noch mehr werden. „Dass die fünf besten Tennisspieler bei uns zusammen trainieren, so etwas gibt es weltweit sonst wohl nirgendwo. Das hat uns extrem getaugt“, sagt Dominic Thiem.

Und Papa Wolfgang, der mit Riccardo Bellotti und Pascal Brunner zwei junge Trainer engagiert, ergänzt: „Alle haben die Möglichkeiten, sich zu entwickeln. Ziel ist es, dass alle in die Top 100 kommen. Das wäre der Hammer.“


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