Viele Insolvenzen aufgeschoben: Konkurswelle als Corona-Spätfolge?

Die Gläubigerschützer erwarten mehr Pleiten als in der Finanzkrise 2009. Der Schuldnerberater Clemens Mitterlehner befürchtet, dass eine Insolvenzwelle in der großen Menge nicht zu verhindern sein wird.

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© Erwin Wodicka

Wien – Eine Spätfolge der Corona-Pandemie wird eine Insolvenzwelle werden, die anschwellen dürfte, wenn Fristaufschübe für Steuern, Abgaben und Rechnungen auslaufen. Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer von Creditreform, rechnet spätestens zu Beginn des kommenden Jahres damit. Die in der letzten Finanzkrise erreichten Pleitezahlen dürften dabei nur die Untergrenze bilden.

"Wenn man auf das Jahr 2009 zurückschaut, wo der Höhepunkt der Finanzkrise war, hatten wir ein Plus von zehn Prozent bei den Firmeninsolvenzen. Ich glaube, dass diese zehn Prozent die untere Kante sein wird, wenn es um die Frage geht, mit wie vielen Insolvenzen wir zu rechnen haben", sagte Weinhofer am Freitagfrüh im ORF-Morgenjournal.

"Die Schulden sind ja leider schon gemacht"

Damit die Insolvenzwelle möglichst flach bleibt, müsse die Zahl der Arbeitslosen sinken und die Kurzarbeit verlängert werden, erklärt der Gläubigerschützer. Dies fordert auch die Schuldnerberatung.

Der Schuldnerberater Clemens Mitterlehner befürchtet, dass eine Insolvenzwelle in der großen Menge nicht zu verhindern sein wird, weil die Schulden ja leider schon gemacht seien. Umso wichtiger sei es, Überschuldungssituationen möglichst rasch wieder zu beseitigen, also die Schulden so schnell wie möglich abzubauen.

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Ein Programm, mit dem Zinszahlungen, Tilgungen, Pauschalraten für Private und Kleinstunternehmer ausgesetzt werden können, ist bis Oktober verlängert worden. Auch Moratorien von Sozialversicherungen und Finanzamt wirkten noch. "Aber diese Probleme rollen auf uns zu." Die Schuldnerberater brauchen in dieser Situation auch mehr Ressourcen.

Wenn man von der Kundenseite einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld erwartet, dann müssen wir auf der Gläubigerseite natürlich auch auf eine verantwortungsvolle Vergabe von Krediten und auch bei Ratenkäufen bestehen.
Schuldnerberater Clemens Mitterlehner

Arbeitslosigkeit und die Einkommensverminderung seien auch in normalen Jahren in der Schuldnerberatung ein großes Problem, so Mitterlehner im ORF-Radio. Fällt das Einkommen weg, werden die Schulden zu einem übermächtigen Problem. Gerade Kontoüberziehungen und Konsumkredite seien Einstiegsdrogen in die Überschuldung, sagte der Schuldnerberater. Konsumkredite richteten sich vor allem an finanzschwache Personen, die eben nicht aus Erspartem konsumieren können. (APA)


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