Karikatur Trumps als Polizist mit Schlagstock „medienethisch zulässig"

In der am 2. Juni erschienenen Karikatur war der US-Präsident in Polizeiuniform zu sehen, wie er mit erhobenem Schlagstock einem gebückten Schwarzen einen Fußtritt versetzt.

Wien – Der Presserat hat eine in der Kleinen Zeitung erschienene Karikatur von Donald Trump als Polizist mit Schlagstock für "medienethisch zulässig" befunden. In der am 2. Juni erschienenen Karikatur ist der US-Präsident in Polizeiuniform zu sehen, wie er mit erhobenem Schlagstock einem gebückten Schwarzen einen Fußtritt versetzt. Der Schwarze hält ein Schild mit der Aufschrift "DEMOKRATIE" in Händen.

Ein Leser hatte die Karikatur als hetzerisch und vollkommen überzogen kritisiert: Zum einen sei die Darstellung des Schwarzen aufgrund der breiten Nase und der dicken Lippen stereotyp, zum anderen bringe die Karikatur den US-Präsidenten direkt mit dem Mord an George Floyd in Verbindung.

Der Senat 2 des Presserates betonte zunächst, dass beißende Kritik, Sarkasmus, Übertreibungen und Zynismus für Karikaturen typisch seien. "Ziel von Karikaturen und satirischen Darstellungen ist es, auf ironische Art und Weise Missstände aufzudecken und Fehlverhalten von Mächtigen zu entlarven, die Meinungsfreiheit reicht hier besonders weit."

„Auch Trump mit seinen Kritikern nicht zimperlich"

Vor dem Hintergrund der Reaktion Trumps auf den Tod des Afroamerikaners George Floyd und die antirassistischen Proteste hält der Presserat die satirische Darstellung Trumps als Polizisten mit Schlagstock für "unproblematisch; die Überhöhung weist mehrere Sachbezüge auf. Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass die Themen, auf die die Karikatur Bezug nimmt, von großem öffentlichen Interesse sind. Hinzu kommt, dass Donald Trump als Präsident der USA in besonders hohem Maße am öffentlichen Leben teilnimmt und dementsprechend viel Kritik aushalten muss. Dabei spielt es auch eine Rolle, dass Trump mit seinen Kritikern nicht zimperlich ist", heißt es in der Begründung.

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Schließlich weist der Senat auch darauf hin, dass die Karikatur im Umfeld von Berichten über die Bürgerproteste in den USA erschienen ist und daher der Sachbezug für die Leserinnen und Leser evident gewesen sei. Auch in der Darstellung des Afroamerikaners sieht der Presserat keinen Ethikverstoß: Der Gezeichnete sei zwar als Person mit schwarzer Hautfarbe zu erkennen, die Illustration weise jedoch weder rassistische noch stereotype Merkmale auf. Darüber hinaus habe die Karikatur den Zweck, auf die benachteiligte Situation der schwarzen Bevölkerungsgruppe in den USA aufmerksam zu machen. Eine Diskriminierung schwarzer Menschen liege somit nicht vor. (APA)


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