Helden auf dem Wasser: Tiroler Wasserrettung hat Hochsaison

Die Suche und Bergung eines seit Tagen vermissten Mordopfers aus Imst hat die Innsbrucker Wasserrettung nicht nur physisch sondern auch psychisch an die Grenzen gebracht. Doch die Hochsaison hat gerade erst begonnen, in den kommenden Monaten werden die Retter erfahrungsgemäß noch viele Male ausrücken müssen.

Die Tiroler Wasserretter haben nicht nur die heimischen Seen und Flüsse im Blick: Auch im Gebirge müssen sie immer wieder ausrücken.
© Wasserrettung Tirol

Innsbruck – 570 Einsatzstunden, vier Suchen, eine schwierige Bergung: Gerade erst haben die Männer und Frauen der Innsbrucker Wasserretter einen der intensivsten Einsätze des Jahres hinter sich gebracht. Tagelang mussten sie nach einer vermissten 31-Jährigen aus Imst suchen, deren Ehemann sie im Streit getötet und in den Inn geworfen haben soll. Am Freitag wurde die Vermisste schließlich entdeckt und geborgen.

Doch es war nicht nur die physische Belastung, die die Retter an ihre Grenzen geführt hat. Auch psychisch war der Einsatz eine Herausforderung, schildert Wasserrettungssprecher Konrad Kirchebner: "Prinzipiell hält sich bei Einsätzen im Wasser unsere psychische Belastung in Grenzen, weil wir es einfach gewohnt sind. In diesem Fall kam aber ein gewisser Druck hinzu. Wir hatten die Aufgabe, das Mordopfer zu finden, um den Angehörigen den Abschied zu ermöglichen. Aber auch, um der Justiz mit der Beweislast gegen den Täter zu helfen."

Ich würde mir einen respektvollen Umgang mit Wasser am See oder Fluss wünschen und damit ein entsprechendes Verhalten. Der Hausverstand ist auch hier wichtig. Trotzdem, Unfälle passieren. Sollte es mal nicht funktionieren, stehen wir jederzeit gerne bereit, um zu helfen.
Konrad Kirchebner, Sprecher der Wasserrettung Tirol

Sucheinsatz psychologisch aufgearbeitet

Die Wasserretter haben den Inn zunächst tirolweit abgesucht, ihnen war aber von Anfang an klar, dass sich die gesuchte Frau in der Nähe der Pitztalbrücke, wo ihr Mann sie eigenen Angaben zufolge ins Wasser geworfen hat, befinden musste: "Wir wissen aus Erfahrung von den Flussgegebenheiten, dass ein Körper da eigentlich nicht so weit kommen kann. An dieser Stelle gibt es so viele Kehrwasser und Kurven, Prallwände und ähnliches, was ein Vorankommen erschwert. Tatsächlich wurde der Körper dann sieben Kilometer von der Brücke entfernt entdeckt", erzählt Kirchebner.

Die meisten Einsätze verzeichnet die Wasserrettung von März bis September.
© Wasserrettung Tirol

Auch wenn der Einsatz am vergangenen Freitag damit zumindest für die Wasserrettung beendet war und allen Beteiligen erst einmal ein Stein vom Herzen gefallen ist, wird er in den Köpfen weiter nachwirken. Deshalb wurde die Suchaktion auch mit Hilfe der Krisenintervention vom Roten Kreuz nachbesprochen. "Wir wollten gerade für die jüngeren Mitglieder, dass sie alles aufarbeiten können, was wir in diesem Fall gemeinsam mit einem SvE-Team („Stressvearbeitung nach belastenden Einsätzen“, Anm.) in der Gruppe gemacht haben. Generell können unsere Mitglieder aber jederzeit und anonym solche psychologischen Betreuungen in Anspruch nehmen."

Im Schnitt zehn Einsätze pro Monat

Gerade bei der Wasserrettung sind Einsätze in vielen Fällen delikat: Nicht nur, dass Körper nach einigen Stunden im Wasser völlig anders aussehen, als man es kennt. Auch mit dem Thema Suizid wird man verstärkt konfrontiert. Deshalb ist die psychologische Begleitung von großer Bedeutung. "Bei schwierigen Einsätzen entscheidet der Einsatzleiter, wer mitkommt. Wir achten aber natürlich sehr darauf, dass wir dabei die erfahrenen Leute einsetzen, die mit der jeweiligen Situation umgehen können."

Immer wieder müssen die Tiroler Wasserretter zu Einsätzen in heimischen Bächen und Flüssen ausrücken.
© Wasserrettung Tirol

Generell gibt es aber für alle aktiven Mitglieder – alleine bei der Innsbrucker Wasserrettung, die die Bezirke Innsbruck, Innsbruck-Land und Imst abdeckt, sind von 500 Mitgliedern 75 aktive Einsatzkräfte – genug zu tun. Pro Monat werden die Retter im Schnitt zehn Mal alarmiert, im Juni mussten sie heuer schon zwölf Mal ausrücken. Zusätzlich üben sie ein bis zwei Mal pro Woche, damit sie für ihre jeweiligen Einsätze fit sind. Hier gehe es aber auch verstärkt ums Teambuilding, erklärt Kirchebner: "Jeder weiß so ganz genau, was der andere kann und wo die jeweiligen Stärken und Schwächen sind. Bei uns herrscht ein starker Zusammenhalt."

Das alleine lässt sich schon durch die Mitgliedszahlen belegen: Seit Jahren nehmen diese stetig zu. "Wir haben zur Zeit sicher 20 Einsatzkräfte mehr als noch vor zwei bis drei Jahren", freut sich Kirchebner. Das sei zum Teil auch darauf zurückzuführen, dass Innsbruck eine Studentenstadt sei und viele Studenten Mitglied würden. Die Motivation zu helfen ist jedenfalls ungebremst, auch wenn jede Einsatzkraft sich zum Großteil selbst um die eigene Ausrüstung kümmern muss. Die Kosten der Einsätze werden nur in den wenigsten Fällen abgefedert. Im Normalfall bleibt die Wasserrettung bei 95 Prozent der Einsätze auf den Kosten sitzen. Zwar unterstützen Land Tirol und Stadt Innsbruck die Organisation finanziell, ohne die Freiwilligkeit und das Engagement der Mitglieder wäre sie aber wohl nicht am Leben zu halten. (rena)

Schwimmausbildung bei der Tiroler Wasserrettung

Ganz besonders liegt der Tiroler Wasserrettung der Nachwuchs am Herzen. Gerade bei Kindern ist die Gefahr des Ertrinkens groß. Deshalb gibt es spezifische Schwimmkurse für Kinder- und Jugendliche, die die Wasserrettung während des gesamten Schuljahres durchführt.

Neben spielerischem Erlernen des Elements Wasser wird aber auch Aufklärungsarbeit geleistet. Eltern müssen sich jederzeit der Verantwortung bewusst sein, die mit dem Wasser einhergeht: "Die Schwimmausbildung muss auch nach einem Kurs weitergeführt werden, das liegt in der Verantwortung der Eltern. Und man darf Kinder nie aus den Augen lassen, in vielen Fällen ertrinken sie leise", so Kirchebner, der selbst vor 30 Jahren als Kind bei der Wasserrettung angefangen hat.

Infos zu den Kinder- und Jugendschwimmkursen und -ausbildungen gibt es hier: ➡️ Wasserrettung Tirol.


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